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Aus: Ausgabe vom 17.11.2020, Seite 1 / Inland
Autobahnausbau

Polizist kappt Sicherungsseil

Interne Ermittlungen gegen Beamten nach Absturz im Dannenröder Wald
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Polizeieinsatz im Dannenröder Forst am 11. November 2020

Nachdem am Sonntag bei einem Polizeieinsatz im besetzten Dannenröder Wald in Hessen eine junge Frau beim Sturz von einem Holzgestell verletzt worden war, ermittelt das Landeskriminalamt nun in den eigenen Reihen. Laut einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft Gießen habe ein 40jähriger Beamter zugegeben, ein Seil durchtrennt zu haben, das als Sicherung diente. Eine 20jährige sei daraufhin von einem Tripod – einem dreibeinigen Holzturm – mehrere Meter tief gestürzt. Via Twitter hatte die Polizei Mittelhessen zunächst geäußert, anwesende Kräfte hätten den Sturz »aus der Ferne beobachtet« und es habe »keinerlei Einwirkung« auf die Sicherung gegeben. Gegen den Beamten sei ein Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung im Amt eingeleitet worden. Die junge Frau, die mit der Besetzung gegen den Ausbau der Autobahn A 49 zwischen Kassel und Gießen protestierte, wurde zunächst vor Ort von Sanitätern versorgt und später in ein Krankenhaus gebracht.

Am Montag kam es zu einem weiteren derartigen Vorfall. Forstarbeiter hätten trotz Warnungen einen Baum gefällt, an dem ein Sicherungsseil befestigt war. Das Bündnis Ende Gelände teilte mit: »Der Riss der Traverse hätte normalerweise einen Bodensturz bedeutet. Zum Glück hatte der Mensch einen zusätzlichen Klemmknoten verwendet, der dafür sorgte, dass er an der Traverse nicht rutschte.« Somit sei es lediglich zu einem fünf Meter tiefen Pendelsturz gekommen. Allerdings könne auch so ein Fall zu schwersten Verletzungen führen.

Jan Schalauske, stellvertretender Vorsitzender der Fraktion Die Linke im hessischen Landtag, erklärte am Montag in einer Pressemitteilung: »Wir teilen ausdrücklich die Position des Bündnisses ›Wald statt Asphalt – keine A 49 – Danni bleibt‹, das angesichts der jüngsten Vorfälle einen sofortigen Rodungsstopp fordert. Von einem Polizeieinsatz darf keine Gefährdung von Menschen ausgehen. Wir erwarten, dass die beiden Vorfälle aufgeklärt und die notwendigen Konsequenzen gezogen werden.« (jW)

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Debatte

  • Beitrag von Torsten Andreas S. aus B. (17. November 2020 um 10:55 Uhr)
    Wenn Mensch selber ein Kind hat, ändert sich die Weltsicht. Jeden Tag denkt Mensch daran, dass das eigene Kind sterben könnte. Dann würde sich sofort alles ändern, wenn das geschieht.

    Dass ein Polizist mit einem Messer das Leben auslöscht, weil er der Meinung ist, dass er genau das tun sollte, kann ich nicht verstehen. Es ist unbegreiflich, dass diese Person überhaupt mit einem Messer ausgerüstet war. Es ging nur darum, dass die Leute aus den Bäumen kommen. Ein Seil durchzuschneiden, das den jungen Mann sicherte, ist nicht zu ertragen: Der Mann wusste, dass der Junge in die Tiefe stürzt und dann wohl daran stirbt.

    Warum hat er das getan? Was hat ihn ermutigt? Wer gab ihm das Messer mit? Weshalb meinte er, dass ...

    Aus tiefstem Herzen: mein Beileid!

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