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Aus: Ausgabe vom 11.11.2020, Seite 16 / Sport

Keine Sperenzchen!

Von André Dahlmeyer
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»Es brannte« – São Paulo gegen Atlético Lanús am 4. November 2020

Einen wunderschönen guten Morgen! Die Copa Sudamericana ist die kleine Schwester der Copa Libertadores und vergleichbar mit der UEFA Europa League. Sie wird seit Februar zum 19. Mal ausgetragen, unter 54 Teilnehmern aus den zehn Ländern der Conmebol (südamerikanischer Fußballverband). Der Sieger des laufenden Wettbewerbs spielt um die Recopa (in Europa Supercup), qualifiziert sich für die Klub-WM und kickt gegen den Gewinner des J. League-Cups (japanischer Ligapokal) um die »Copa Suruga Bank«, wie das seit 2008 Usus ist. Überdies berechtigt der Erfolg zur Teilnahme an der Gruppenphase der kommenden Libertadores. Wichtig schreibt sich genau so.

Das Schöne an der Sudamericana ist: keine Gruppenphasensperenzchen. Gekickt wird wie früher in den europäischen Pokalwettbewerben durchgängig im K.-o.-System. Spannender geht’s nicht, und spekulieren kann man knicken. Aufgrund der Seuche wurde die Copa diesmal allerdings nach der ersten Runde Ende Februar unterbrochen. Acht Monate später ging es nun weiter, etliche Elfen blieben ad hoc auf der Strecke, darunter die ruhmreichen Teams des São Paulo Futebol Clube und von Peñarol aus Montevideo.

São Paulo hatte das Hinspiel gegen Atlético Lanús im Süden von Buenos Aires nach einem sensationellen Schlagabtausch in der Nachspielzeit 2:3 verloren. Lanús gehört seit Jahren zu den besten Teams des Kontinents. Dennoch hätte beim Rückkampf im legendären Estádio do Morumbi für die Brasucas nichts anbrennen sollen, schon wegen der zwei Auswärtstreffer. Es brannte. Nach 17 Minuten brachte das 19jährige Supertalent Pedro De la Vega die argentinischen Granatroten mit einem Außenristknaller aus 40 Metern in Führung. (Che, Scaloni: De la Vega ist Argentinier!) Zehn Minuten später gelang dem doppelt so alten Dani Alves nach einer Ecke mit einem wuchtigen Kopfballaufsetzer vom Fünfer der Ausgleich. Ein ums andere Mal musste Heimtorrumsteher Tiago Volpi Höchstarbeit verrichten. Lanús stürmte wie Gladbach in den 70ern. Auswärts. In Brasilien! Völlig verrückt. Mit der letzten Aktion des ersten Abschnitts versenkte Braian Nahuel Aguirre eine Kugel im Kasten des Gegners, als handele es sich um ein dusseliges Trainingsspielchen.

Auch nach der Pause begeisterte das Team von Luis Zubeldía, einem der gescheitesten argentinischen Trainer der Jetztzeit, mit einem Forechecking wie aus dem Lehrbuch, wobei vielleicht einmal angemerkt sein sollte, dass das gute alte Forechecking keine Erfindung von Marcelo Bielsa oder Ernst Happel ist, sondern vom Eishockey kopiert wurde. Wir dürfen also gespannt darauf sein, wann beim Balltreten Schlittschuhe respektive Sankt Bernhardshunde eingeführt werden, der FIFA ist alles zuzutrauen.

Chancen hatte São Paulo phasenweise im Sekundentakt. Nach einer Stunde bedankte sich der eingewechselte Pablo für einen tiefen Pass von Dani Alves und glich aus. Drei Minuten vor Schluss geschah ein Unglück: Nicolás Thaller von Lánus köpfte in den eigenen Kasten. Zwei Minuten später nickte Gabriel Sara nach Freistoß von Alves zum 4:2 ein. Die Brasucas hatten uns mal wieder den Arsch aufgerissen. Nein. In der 93. Minute lochte Nicolás Orsini nach einer räuberhaften Kombination zum 3:4 ein. Lanús weiter. Unglaublich. Dass São Paulo vier Tore gegen ein argentinisches Team erzielte, ist mehr als 20 Jahre her. Im Achtelfinale trifft Lanús Ende November zunächst daheim auf Bolívar aus La Paz.

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