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Aus: Ausgabe vom 11.11.2020, Seite 15 / Antifa
Rechte auf »Coronademo« in Leipzig

Kitaerzieherin und Nazischlägerin

Volkssolidarität stellt Mitarbeiterin frei, die zuvor Journalisten in Leipzig angriff
Von Lothar Bassermann
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In flagranti: An Rande der »Coronademo« prügeln die Neonazis Sven Liebich und Caroline K. (M.) auf einen Pressevertreter ein (Leipzig, 7.11.2020)

Es waren sicher verstörende Momente, als eine Person aus dem Kollegium des Sozialverbandes Volkssolidarität Saale-Kyffhäuser e. V. in Videos der »Querdenken«-Demo am Wochenende in Leipzig eine Kitaerzieherin des gleichen Trägers beim Verprügeln eines Fotografen identifizierte. Die Angelegenheit hat für die 24jährige Neonaziaktivistin Caroline K., die bisher in einer Kindertagesstätte in Halle (Saale) arbeitete, unmittelbare Konsequenzen: Die Volkssolidarität stellte sie noch am Wochenende vom Dienst frei und organisierte sich juristische Unterstützung für mögliche arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen. Die kurz nach der Befreiung vom Faschismus gegründete Volkssolidarität, die vor wenigen Wochen ihr 75. Jubiläum feierte, hat eine lange DDR-Tradition, ist heute parteiunabhängig und sieht sich als Interessenvertretung beispielsweise von sozial Benachteiligten, Geflüchteten sowie Kindern und Jugendlichen.

Seit wann K. in jener Kindertagesstätte arbeitet, ist unklar. Allerdings tauchten schon vor sechs Wochen Flugblätter mit ihrem Namen und der Überschrift »Vorsicht Neonazi« unweit der Einrichtung auf. Der Flyer zeigt K. auch auf einem Foto mit einer Smartphonehülle, die die bei Neonazis und bereits bei der SS beliebte »Schwarze Sonne« (siehe jW vom 26.2.) schmückt. Zudem wird auf dem Flugblatt öffentlich gemacht, wo K. arbeitet, dass sie regelmäßig linke Demonstrationen und Protestierende abfilmt sowie »aggressiv und gewaltbereit« auftrete. Weiterhin soll sie Lebenspartnerin des umtriebigen Hallenser Neonazis Sven Liebich sein. Gegenüber junge Welt wollte sich am Montag das Kollegium der betreffenden Kita nicht dazu äußern, seit wann dort die Aktivitäten von K. bekannt waren. Laut einem Beitrag der Welt vom Montag sollen aber bereits seit längerem mehrere Eltern, deren Kinder die Kita besuchen, personelle Konsequenzen wegen K.s extrem rechter Umtriebe gefordert haben. Demnach habe es ein längeres Personalgespräch gegeben, bei dem K. einerseits »sich von Extremismus jeder Art distanziert« und andererseits, wie es in dem Bericht nebulös heißt, »ihre Verbindungen zu Demonstrationen in Halle« eingeräumt habe.

Ein Video vom Samstag, das das Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA e. V.) veröffentlicht hatte, zeigt, wie ein Mob von mindestens zehn Personen in Leipzig Journalisten angreift und es dabei insbesondere auf einen Mann abgesehen hat. Die Polizei interveniert, wie so häufig an diesem Tag, zunächst nicht, obwohl Streifenwagen nahe dem Tatort erkennbar sind. K. ist in den Angriff, der dem Video zufolge knapp 20 Sekunden angedauert haben muss, nahezu permanent direkt involviert. Der Fotograf wird von ihr mehrfach mit Faust und Ellenbogen geschlagen und auch getreten. Nach Medienberichten soll auch Sven Liebich selbst am Angriff auf die Journalisten beteiligt gewesen sein, gekleidet in einem weißen Maleranzug.

Meldungen über Neonazis und andere organisierte Rechte als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Einrichtungen der Kinder- und Jugendbetreuung gibt es immer wieder. So berichtete die Mainpost im März von einem Fall bei Aschaffenburg, wo eine extrem rechte »Kameradin« in einer Kita der Caritas als Kinderpflegerin arbeitete, eine Kündigung der Frau durch ein Gericht allerdings kassiert wurde. Die Lausitzer Rundschau veröffentlichte im Februar einen Bericht aus Cottbus, wo ein führendes Mitglied der faschistischen »Identitären Bewegung« in einer Jugendeinrichtung als Sozialarbeiter angestellt worden war und nach öffentlichem Druck zumindest suspendiert wurde.

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