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Aus: Ausgabe vom 10.11.2020, Seite 11 / Feuilleton
Literatur

Altersliebe

Lange musste sie nicht suchen: Nach der Trennung vom S.-Fischer-Verlag wechselt die Schriftstellerin Monika Maron zu Hoffmann und Campe in Hamburg. Dort soll im Dezember eine neue Erzählung erscheinen, gefolgt von einem Essayband, der für April 2021 geplant ist. Zugleich arbeite die Autorin an einem neuen Roman, der ebenfalls bei Hoffmann und Campe erscheinen werde, wie der Verlag am Montag in Hamburg mitteilte. Maron hatte sich 1978 mit dem Roman »Flugasche« über Umweltverschmutzung in der DDR einen Namen gemacht und seitdem bei S. Fischer (Frankfurt am Main) veröffentlicht. Mangels Sozialismus entwickelte sie sich zur konservativen Kulturpessimistin und Islamfeindin. Im Oktober hatte S. Fischer davon genug und kündigte an, der Autorin keine neuen Buchverträge anzubieten. Das Haus machte dabei keine gute Figur: Statt mit Marons politischen Positionen begründete man die Entscheidung damit, dass sie einen Essayband in der »Exil«-Reihe der Edition Buchhaus Loschwitz veröffentlicht hatte, und mit der »Unmöglichkeit, darüber mit ihr ins Gespräch zu kommen«. Die Edition wird von der rechten Dresdner Buchhändlerin Susanne Dagen verantwortet, die »Exil«-Reihe im Antaios-Verlag des Verlegers Götz Kubitschek vertrieben – eines der wichtigsten Köpfe der Neuen Rechten. Der Fall Maron wurde zu einem kurzzeitigen Aufregerthema der deutschen Feuilletons; nicht wenige – auch liberale – Kommentatoren sahen die Meinungsfreiheit in Gefahr.

Hoffmann-und-Campe-Verleger Tim Jung rühmte Maron denn auch als Schriftstellerin, »die mit ihrem Schaffen dem gesellschaftlichen Diskurs, der für eine lebendige Demokratie unabdingbar ist, immer wieder wichtige Impulse gibt«. Der Autorin fiel zu ihrem Wechsel zu Hoffmann und Campe, wo auch die Bücher des Dichters Heinrich Heine (1797–1856) erscheinen, nur Frivoles ein: »Heinrich Heine war meine erste literarische Jugendliebe, die nun unverhofft zu einer symbolischen Altersliebe wird.« Dass Heine gegenüber den Reaktionären seiner Zeit wenig Liebe hegte (und von ihnen auch nicht erfuhr), unterschlug sie tunlichst. (dpa/jW)

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