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Aus: Ausgabe vom 05.11.2020, Seite 8 / Ansichten

Einiges bleibt

Trump, Biden und die US-Wahlen
Von Arnold Schölzel
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Militärisch hält die Achse Washington-Berlin: F-18-Kampfflugzeug

Als der amtierende US-Präsident erklärte, er habe die Wahl gewonnen, aber die sei gefälscht, weswegen er länger dauernde Auszählungen gerichtlich stoppen lassen werde, veränderte er wieder einmal das US-Staatswesen zur Kenntlichkeit. Milliardäre wie er halten sich mit Fassadendemokratie gar nicht erst auf, sondern machen Politparty mit allem Drum und Dran: Pöbelei, krimineller Energie, Freude an Unflat, gewohnheitsmäßiger Korruption, infantilem Ich-ich-­Geschrei, inklusive staatsterroristischer Mordaktionen und strammer Hochrüstung. So gewinnt man die Badefeste des Chauvinismus, genannt US-Wahlen. Trump hat zwar keinen großen Krieg begonnen, umso mehr tat er dafür, dass zukünftige Kriege »great again« werden. Trump verkörpert »Mord­amerika« (Peter Hacks) in idealer Weise. Seine Verwechslung von Privatem und Politischem, von sich und Staat, ist barrierefrei. Nur dass es sich bei ihm nicht um eine Kopie Ludwigs XIV. handelt, sondern eher um die Wiederkehr des Pferdes, das der römische Kaiser Caligula einst zum Konsul ernannte. Die US-Zeitschrift Foreign Affairs warnte jedenfalls am 28. Oktober, eine Wiederwahl Trumps bedeute »Das Ende der amerikanischen Macht«. Das war nur wenig übertrieben.

Ein Präsident Joseph Biden verlangsamt wahrscheinlich den Niedergang, aber sicher ist nichts. Immerhin hat er fast 50 Jahre in Washington weit oben mit dafür gesorgt, dass die USA in die Sackgasse geraten sind, in der sich die vor kurzem noch »einzige Supermacht« heute befindet. Der »Demokrat« hat sich im US-Polit-, also im Kriegsbetrieb, das Attribut »bloody – blutig« redlich verdient. Das ihm von Trump verliehene »sleepy – schläfrig« gehört zu den Witzen, die der Immobilienspekulant ab einem bestimmten Kontostand über Leute, die nur ein paar Dollar »wert« sind, drauf hat. Laut Forbes verfügen die Bidens über ebenso lächerliche wie unanständige neun Millionen Dollar. Dafür besitzt der Langzeitsenator über Know-how für gewaltsamen Regime-Change und war in Belgrad und Kiew erfolgreich. Dort verdiente sich der Kandidat seine Präsidentensporen und offenbar auch was für die Familienkasse.

Merkwürdig erscheinen lediglich einige hiesige Reaktionen auf das Washingtoner Geduldsspiel. Der deutsche Aktienindex rauschte zunächst in den Keller, und der Bundesverband der Deutschen Industrie barmte, eine »längere Phase der Unsicherheit« über den Wahlsieger in den USA beschädige »das Vertrauen in die US-amerikanische Demokratie«. Als gäbe es dort Neues. Vorsorglich bestellte der Verteidigungsausschuss am Mittwoch schon mal 38 neue »Eurofighter« bei Airbus. Die 45 F-18-US-Kampfflugzeuge für die »nukleare Teilhabe« will Berlin nach wie vor haben. Da kann der Präsident egal sein. Der erteilt im Kriegsfall lediglich deutschen Piloten den Befehl zum Atombombenabwurf. Einiges bleibt unabhängig von Wahlen.

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