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Aus: Ausgabe vom 30.10.2020, Seite 4 / Inland
»Pegida« im Niedergang

Laue Geburtstagsfeier

Dresden: Groß angekündigte »Pegida«-Aktionswoche zum sechsten Jahrestag wird zum Reinfall
Von Steve Hollasky
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»Pegida«-Kundgebung am Montag in Dresden

Die Zeiten, in denen die »Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes« nennenswerten Zulauf hatten, dürften erst einmal der Vergangenheit angehören. Trotz der vollmundig von Gründer Lutz Bachmann angekündigten Aktionswoche mit mehreren »Spaziergängen« aus Anlass des sechsten »Geburtstages« gingen die Teilnehmerzahlen weiter in den Keller. Hatten sich einst fast 20.000 Menschen an den montäglichen Aufmärschen beteiligt, waren es am Montag dieser Woche noch etwa 1.000. Am Dienstag kamen nach Zählung von Bachmann noch gute 150 und tags darauf nur ein paar mehr. Damit dürfte die Aktionswoche der vorläufige Tiefpunkt in der Geschichte des rechten Bündnisses sein.

Für diese Form der Geburtstagsfeier hatte sich »Pegida« entschieden, nachdem das Bündnis »Herz statt Hetze« am eigentlichen Jahrestag die Plätze in der Innenstadt durch frühzeitige Anmeldungen besetzt hatte. Daraufhin kündigte Lutz Bachmann tägliche Aktionen in Dresden und Radebeul sowie eine Gegenkundgebung gegen »Herz statt Hetze« noch am Sonntag an. Schon dieser Start fiel ins Wasser. Lediglich einige Anhänger von »Pegida« marschierten ohne Mundschutz provozierend durch die Abschlusskundgebung von »Herz statt Hetze«.

So ging es dann am Montag weiter. Nach nicht einmal einer Stunde endete das Schaulaufen von »Pegida«. Hatte es das rassistische Bündnis in den letzten Jahren immer wieder geschafft, rechte Prominenz wie den Verleger Götz Kubitschek oder den Thüringer AfD-Chef Björn Höcke als Redner zu gewinnen, blieb das Organisationsteam von »Pegida« in der Aktionswoche mit sich allein.

Inhaltlich fielen die Kundgebungen von Montag bis Mittwoch noch dürftiger aus als sonst. Am Dienstag echauffierte sich Bachmann vor dem Hauptbahnhof darüber, dass der Gegenprotest so laut sei und keiner der anwesenden Pressevertreter am Mikrofon erklären wolle, was sie denn gegen »Pegida« hätten. In der Tat war die kleine Anlage kaum imstande, die Redner von »Pegida« vernehmbar zu machen, so dass der Gegenprotest auf der anderen Straßenseite die Ansammlung effektiv störte. Ansonsten behauptete Bachmann dreist, man habe an diesem Tag die Teilnehmerzahlen von »Herz statt Hetze« am Wochenende übertroffen, obwohl dem Aufruf, für eine »solidarische Stadt« und gegen »Pegida« zu demonstrieren zwei Tage zuvor bei verschiedenen Veranstaltungen insgesamt 2.000 Menschen gefolgt waren.

Am Mittwoch versammelte sich »Pegida« auf der Prager Straße. In der wichtigsten Einkaufsmeile Dresdens erging sich Bachmann einmal mehr in flachen Beleidigungen gegen die anwesenden Gegendemonstrantinnen und Gegendemonstranten. Bachmann war erst am 16. Oktober vom Dresdner Oberlandesgericht zur Zahlung eines Ordnungsgeldes in Höhe von 2.400 Euro an »Mission Lifeline« verurteilt worden, weil er die Seenotretter als »Schlepper« bezeichnet hatte. Ansonsten rechnete Siegfried Däbritz bei dieser Gelegenheit in einem langatmigen Redebeitrag die Zahlen rechter Straftaten schön, und Bachmann forderte die Gastronomen auf, gegen die zum Infektionsschutz verordnete Schließung von Lokalen zu protestieren.

Wie sehr das Organisationsteam den Niedergang zu spüren scheint, bewies dann Däbritz. Er bezeichnete es als die »verdammte Aufgabe« rechter Youtuber, zu Kundgebungen aufzurufen – und dürfte damit die eigenen meinen. Für den Freitag mobilisiert »Pegida« nach Cottbus. Dort sollen Alexander Gauland, Björn Höcke und der neue Fraktionsvorsitzende der AfD in Brandenburg, Hans-Christoph Berndt, bei einer Veranstaltung des Vereins »Zukunft Heimat« sprechen.

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