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Aus: Ausgabe vom 29.10.2020, Seite 15 / Medien
Branchentreffen

Corona setzt Grenzen

Mainstreammedienvertreter auf der Suche. Videokonferenz von München aus
Von Klaus Fischer
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Streamingdienste machen den etablierten öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten mächtig Konkurrenz

Auch die Medienbranche in Deutschland sucht in Coronazeiten nach neuen Perspektiven und Lehren aus den vielen Einschränkungen. Vertreter von TV-Sendern hatten einem Beitrag der Nachrichtenagentur dpa zufolge zum Auftakt der 34. Münchner Medientage am Montag viel zu berichten: von Investitionen der ausbleibenden Reisekosten in technische Ausrüstung der Mitarbeiter, von neuen innovativen Programmangeboten, zum Beispiel für Googles Videoplattform Youtube, aber auch von der Produktion von Shows unter schwierigen Bedingungen. Das Treffen selbst fand virtuell statt.

Dabei verlief alles wie gewohnt selbstreferentiell: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) plauderte in einem offenbar als politische Auftaktrunde gedachten Gespräch mit einer ZDF-Moderatorin und mahnte schnellere Hilfen für die Unternehmen bei weiteren Einschränkungen im Zusammenhang mit der Pandemie an. »Wenn wir wieder die Situation haben, dass wir erhebliche Werbeausfälle hätten, dann müssen wir natürlich im Zweifelsfall auch den Medien wieder Unterstützung geben.« Steuergelder für Konzerne – eine Alltäglichkeit in Coronazeiten, wie es scheint. Söders aufschlussreiche Begründung: Die Medien »haben sich tatsächlich als sehr, sehr systemrelevant für unser Land erwiesen«.

ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler sprach laut dpa auch mit Blick auf die Streamingkonkurrenz durch US-Anbieter wie Netflix oder Amazon eine Hauptsorge der etablierten Branchengrößen an: Man müsse aus dem deutschen, aber genauso aus dem europäischen Markt heraus Qualität bieten. Auch für Zielgruppen, »die man – das muss man selbstkritisch sagen – in den letzten Jahrzehnten vielleicht zu wenig bedient« habe. Auch, weil man sich auf die Serien aus den USA zu sehr verlassen habe.

Immerhin scheint die gemeine Glotze noch nicht beerdigt: In München freuten sich alle über einen Trend, wonach in der Pandemie die Nutzung von klassischem Fernsehen und das Fernsehgerät in Deutschland wieder wichtiger geworden seien. Zu diesen Schlüssen kam laut dpa eine aktuelle Studie: »58 Prozent der Personen ab 14 Jahren in Deutschland nennen den TV-Bildschirm als wichtigstes Gerät zur Videonutzung. Das entspricht über einen Prozentpunkt mehr als im Vorjahr, womit der rückläufige Trend der letzten Jahre gestoppt wurde«, heißt es demnach in dem »Digitalisierungsbericht Video« der Medienanstalten – der »Dachmarke der 14 Landesmedienanstalten in Deutschland«.

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