Gegründet 1947 Dienstag, 24. November 2020, Nr. 275
Die junge Welt wird von 2435 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 29.10.2020, Seite 10 / Feuilleton
Comic

Die Welt im Strich

Das Beste von Hauck & Bauer
Von Thomas Behlert
10_keller_online.jpg

Das neue Buch aus dem Hause Kunstmann sieht aus wie ein Gesangsbuch, ist aber die Bibel. Die Bibel für spaßbereite Menschen, für Leser mit Sinn für albernen, aber auch bösartigen Humor.

Auf mehr als 300 Seiten wurden Karikaturen und Cartoons der Freunde Elias Hauck und Dominik Bauer zusammengetragen, wobei ersterer zeichnet und zweiterer die Texte schreibt. Die Strips des Duos sind in einer konservativen Sonntagszeitung zu bewundern; es gibt sogar Menschen, die den Berg Papier angeblich nur ihretwegen erwerben. Im vorliegenden prachtvollen »Best Of« sind gar einige unveröffentlichte frühe Skizzen zu bewundern. Kein Thema lassen sie aus, alles wird in Schwarzweiß gefasst. Die typischen, mit schiefen Strichen gezeichneten Figuren mit großen Nasen und übergroßen Mündern verstärken den Witz. Zumeist sind es klassische Strips von vier Bilder mit der Pointe im letzten. Doch Einseiter beherrschen sie auch. Vater und Sohn im Gespräch: »Eine 5 in Religion?« – »Ich versteh’s auch nicht! Ich hab’ für eine 2 gebetet.«

Auch gut: Wie Hauck & Bauer einen Idioten das Buch »Der Idiot« lesen lassen, den kleinen Goethe neben seiner dominanten Mutter zeigen und mit Atheisten Weihnachten feiern (»Frohe Nachten!«). Zum Schluss für alle Kneipengänger den Satz eines Kneipengängers: »Solange ich den Mund halte, kann mir niemand widersprechen.«

Hauck & Bauer: Cartoons. Verlag Antje Kunstmann, München 2020,312 Seiten, 18 Euro

Werkschau bis 7. März 2021 im Caricatura Museum Frankfurt am Main

Unverzichtbar!

»Kapitalismus und intakte Umwelt sind wie Feuer und Wasser. Die junge Welt benennt hier Ursachen und Verursacher und liefert damit die Basis für die Arbeit in der Klimagerechtigkeitsbewegung.« Jupp Trauth, Klimaaktivist bei Ende Gelände

Eine prinzipienfeste, radikal kritische Tageszeitung im Netz ist durch nichts zu ersetzen für all diejenigen, die dem real existierenden Kapitalismus und Faschisten etwas entgegensetzen wollen.

Diese Zeit braucht eine starke linke Stimme – gedruckt und online!

Mehr aus: Feuilleton