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Aus: Ausgabe vom 28.10.2020, Seite 10 / Feuilleton

Schmidt-Schaller, Oehme, Kino

Von Jegor Jublimov
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Im Fernsehen jahrelang unentbehrlich: Andreas Schmidt-Schaller als Chefermittler der »Soko Leipzig«

Die meisten Fernsehzuschauer kennen ihn unter den Namen Thomas Grawe und Hajo Trautzschke, wissen aber, dass er im echten Leben Andreas Schmidt-Schaller heißt. Grawe war er seit 1986 mehr 30mal im »Polizeiruf 110«, erst als Leutnant der Volkspolizei, später als Kriminaloberkommissar. Und zehnmal so oft war er Hajo Trautzschke, Chefermittler der »Soko Leipzig«, bei der er mittlerweile Gastauftritte als Detektiv absolviert. Am Freitag vor 75 Jahren wurde Schmidt-Schaller in Thüringen geboren. Er fing am Theater Gera (wo er auch am Puppentheater wirkte) Feuer für den Schauspielberuf, stand u. a. in Karl-Marx-Stadt und Magdeburg auf der Theaterbühne, eher er im Fernsehen für viele Jahre unentbehrlich wurde. Sein erster Kinofilm war einer für Kinder. In »Der Junge mit dem großen schwarzen Hund« (1986) spielten Schmidt-Schaller und Dagmar Manzel ein Elternpaar. Auf der großen Leinwand war Schmidt-Schaller aber dann nicht sehr oft zu sehen.

Öfter hat Roland Oehme, der am Dienstag seinen 85. feiern konnte, fürs Kino gearbeitet. Nach fünf Jahren Ehrendienst in der Nationalen Volksarmee studierte er in Babelsberg Regie, assistierte Meistern wie Kurt Maetzig und Hanns Anselm Perten, ehe er 1969 seinen ersten Film drehte. Seine Passion war das heitere Fach, »Der Mann, der nach der Oma kam« (1972) ist ein Klassiker der deutschen Filmkomödie. Oehme inszenierte 1974 Manfred Krug als Fernfahrer in »Wie füttert man einen Esel?«, nahm in »Einfach Blumen aufs Dach« (1979) die sozialistische Nomenklatura sanft auf die Schippe und propagierte in »Meine Frau Inge und meine Frau Schmidt« (1985) das ungewöhnliche Modell einer Ehe zu dritt. An diesem Mittwoch sind Ursula Werner und Peter Reusse, die Hauptdarsteller aus »Ein irrer Duft von frischem Heu« (1976), im Berliner Kino Toni, um Oehmes Geburtstag mit ihm nachzufeiern. Die Scharmützel zwischen Vatikan und Bezirksparteileitung bringen heute noch zum Lachen!

Das Toni im Stadtteil Weißensee, das vor rund sechs Wochen sein 100jähriges Bestehen nicht so richtig hat feiern können, ist eines der ältesten Berliner Kinos. Auch das älteste der Welt stand einst in Berlin, ist aber im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs untergegangen. Es war kein Kino, sondern das Varieté »Wintergarten« am Bahnhof Friedrichstraße. Am Sonntag vor 125 Jahren fand dort die erste Kinovorstellung der Welt statt. Seit Anfang der 1890er Jahre wurden Filme gedreht, doch war die technische Entwicklung noch nicht soweit, dass diese auch projiziert werden konnten. Man musste sie in einem »Kurbelkasten« betrachten.

1895 konnten dann erstmals Filme für ein Saalpublikum vorgeführt werden. Weltbekannt sind die Kurzfilmvorführungen der Brüder Lumière am 28. Dezember in Paris. Unabhängig davon hatten in Berlin die Brüder Max und Emil Skladanowsky nicht nur eine Aufnahmemöglichkeit mit einer umgebauten Kodak-Fotokamera entwickelt. Sie erfanden mit einem Gerät, das sie »Bioskop« nannten, auch den ersten funktionstüchtigen Projektor. Per definitionem ist das Kriterium für eine Kinoveranstaltung, die Vorführung »lebender fotografischer Bilder« bei Erhebung von Eintrittsgeld. Das war am 1. November 1895 im »Wintergarten« gegeben – die Geburtsstunde des Kinos! Die Skladanowskys zeigten ein Programm mit Kurzfilmen, die sie im Sommer mit Zirkusartisten in der damaligen Gaststätte »Sello« aufgenommen hatten, auf einem Gelände in Pankow, auf dem später das Kino Tivoli errichtet wurde. Am Schluss der Darbietung verbeugten sich Max und Emil Skladanowsky von der Leinwand herab. Die überraschte Presse urteilte über die Erfindung: »Wie er das macht, das soll der Teufel wissen!« Einen Nachbau des Bioskops besitzt heute das Filmmuseum Potsdam, das dem Jubiläum eine Reihe mit historischen Kurzfilmen widmet.

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