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Aus: Ausgabe vom 22.10.2020, Seite 11 / Feuilleton
Pop

Er brachte den Soul

Zum Tod des Musikers Spencer Davis
Von Thomas Grossman
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Sie nannten ihn »Professor«: Spencer Davis

Sie landete in den 1960ern eine Handvoll Hits: »Keep on Running«, »Gimme Some Lovin’«, »Somebody Help Me«, »Every Little Bit Hurts« oder »I’m a Man«. Sie tourte mit den Rolling Stones oder The Who und war Teil der immens erfolgreichen britischen Beatszene (die durch amerikanischen Rhythm and Blues beeinflusst war): die Spencer Davis Group. Nun ist der Chef der Band, Spencer Davis, im Alter von 81 Jahren in Los Angeles verstorben. Er litt an einer Lungenentzündung und befand sich bereits seit einer Woche im Krankenhaus.

Spencer Davis hat den größten Hit der Gruppe, »Gimme Some Lovin’«, mitgeschrieben, er spielte in der Band Rhythmusgitarre und sang auch ab und an. Der allerdings noch größere Star in der Gruppe war der blutjunge Sänger Steve Winwood, der auch an Gitarre und Keyboards reüssierte.

Spencer David Nelson Davies wurde am 17. Juli 1939 in Swansea, Wales, geboren. Später verzichtete er auf das »e« in seinem Nachnamen. Mit sechs lernte er Mundharmonika und Akkordeon spielen. Nach seinem Schulabschluss ging er nach London und arbeitete bei einer Bank und beim Zoll. Das war ihm zu stupide, und so studierte er an einer Uni in Birmingham Deutsch. Bald konnte er Deutsch, Spanisch und Französisch fließend sprechen, was ihm den Spitznamen »Professor« einbrachte. 1963 traf er auf den blutjungen Steve Winwood und dessen älteren Bruder Muff. Gemeinsam gründeten sie eine Band und nannten sie ab 1964 The Spencer Davis Group.

»Keep On Running« wurde 1966 in Britannien eine Nummer eins. »Gimme Some Lovin’« verkaufte sich mehr als eine Million Mal. Und auch »I’m a Man« übersprang die Millionengrenze – und wurde 1969 noch einmal ein Riesenhit für die Band Chicago. Doch 1967 verließ Sänger Steve Winwood plötzlich die Gruppe und formierte die erfolgreiche Band Traffic, ging dann zur Supergruppe Blind Faith (mit Eric Clapton an der Gitarre).

chwer getroffen davon, machte Spencer Davis mit wechselnden Musikern bis 1969 weiter. Dann siedelte er in die USA über und brachte Soloalben heraus. 1973 gab es eine kurze Reunion – ohne die Winwood-Brüder. Später ging er immer wieder mit verschiedenen Musikern auf Tour, manchmal unter dem alten Bandnamen. Im Jahr 2005 – er hatte gerade finanzielle Probleme – beschwerte er sich: »Ich habe damals nicht kapiert, was vor sich ging. Ich habe Millionen von Platten verkauft und keinen Penny gesehen.« Jenseits des eigenen Kontostands hinterließ Davis’ Schaffen jedoch große Spuren. Gary Kemp etwa von der Band Spandau Ballet kondolierte: »Er hat dem weißen Rocksound der damaligen Zeit den Soul gebracht.«

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