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Aus: Ausgabe vom 19.10.2020, Seite 10 / Feuilleton
Reden ist Silber

Peanuts

Von Gerhard Henschel
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Der kriminelle Immobilienunternehmer Jürgen Schneider prellte 1994 mehrere Handwerksunternehmen um insgesamt rund 50 Millionen Mark, und Hilmar Kopper, der damalige Vorstandssprecher der Deutschen Bank, tat diese Summe als »Peanuts« ab. Dem prominentesten Schuldner der Deutschen Bank, Donald Trump, ist jetzt ein ähnliches Kunststück gelungen. In Georgia hat er in einer Wahlkampfrede erklärt, dass die Spanische Grippe, die von 1918 bis 1920 wütete, die Coronapandemie »wie Peanuts« aussehen lasse: »So we voted in World War One where, by the way, you had a pandemic that made this look like peanuts, okay?« (»Wir haben während des Ersten Weltkriegs gewählt, als es übrigens eine Pandemie gab, die das hier wie Peanuts aussehen lässt, okay?«)

Mehr als acht Millionen Menschen haben sich in den USA bislang mit dem SARS-CoV-2-Erreger infiziert, mehr als 218.000 sind daran gestorben, jeden Tag verenden Hunderte in den Krankenhäusern oder in ihren vier Wänden, sofern sie überhaupt ein Dach über dem Kopf haben, viele Überlebende müssen mit qualvollen Langzeitfolgen rechnen, Abermillionen Familien stehen vor dem Ruin, und der Mann, der die Verantwortung für diese Katastrophe trägt, spricht von »Peanuts«. Im Ozean der Obszönitäten, den Trump hat werden lassen, fällt dieses eine Wort zunächst kaum auf, aber bei näherer Betrachtung zeigt sich seine Ungeheuerlichkeit in voller Größe.

Ein Familienvater, der im Vertrauen auf Trumps Lügen über die Harmlosigkeit des Virus eine Karaokeparty besucht, sich dort ansteckt und ein paar Tage später stirbt? Peanuts. Menschen, die sich von ihren sterbenden Eltern nicht verabschieden können? Peanuts. Verwaiste Kinder, todkranke Intensivpatienten, Massenarbeitslosigkeit, Armut und Hunger? Peanuts, Peanuts, Peanuts. Okay?

Trump hat dieses Wort auch bei vielen anderen Gelegenheiten in den Mund genommen. Vierhundert Millionen Dollar seien »a peanut«, hat er kürzlich kundgetan, als er auf seine Schulden angesprochen worden ist, 2016 sagte er in einer Wahlkampfrede in Ohio, Waterboarding sei zwar keine nette Sache, aber »peanuts compared to many alternatives« (»im Vergleich zu vielen Alternativen Peanuts«), und seinem Schoßhündchen Sean Hannity von Fox News vertraute er an, dass der Euro im Vergleich zum Dollar nur »peanuts« sei. Unter https://­kurzelinks.de/TrumpPeanuts ist ein Video mit noch zahlreichen weiteren schamlosen Erdnussvergleichen des US-Präsidenten abrufbar.

Das Wort »Peanuts« soll ihn bis ins Grab verfolgen. Doch nun lasst uns erst einmal hoffen, dass er abgewählt wird, und zwar so, wie es sich der ehemalige US-Staatsanwalt Glenn Kirschner Tag für Tag auf Youtube wünscht – »in numbers too big to rig and too real to steal« (in etwa: » mit Ergebnissen, die zu groß und eindeutig sind, um sie zu manipulieren und die Wahl zu stehlen«).

Unverzichtbar!

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