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Aus: Ausgabe vom 17.10.2020, Seite 8 / Inland
Unterschiede zur BRD

»In Kuba gibt es darauf interessante Antworten«

Ob Ökologie oder Gesundheitsversorgung: Jugendkonferenz klärt über sozialistisches System auf. Ein Gespräch mit Raven Jahns
Interview: Gitta Düperthal
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Aus Deutschland weitgehend unbekannt: Routinekontrolle gegen Corona in Havanna (10.8.2020)

Für den kommenden Sonnabend plant das »Netzwerk Cuba« gemeinsam mit weiteren Organisationen und der kubanischen Botschaft in der BRD eine Jugendkonferenz in Frankfurt am Main. Was genau ist dort Thema?

Unsere Konferenz will Schülerinnen und Schüler, Studierende, Auszubildende und junge Arbeitslose hierzulande über die völkerrechtswidrige Blockade informieren. Seit 60 Jahren versuchen die USA, Kubas Ökonomie mit dem Verbot von Lieferungen und Geldzahlungen zu schwächen, um so zum Sturz der sozialistischen Regierung beizutragen. Diese von den Vereinigten Staaten auferlegte Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade muss beendet werden. Eine Resolution, die das fordert, wäre im November von der UN in New York vermutlich mit großer Mehrheit verabschiedet worden, so wie in den vergangenen Jahren. Aufgrund der Pandemie wurde das auf Mai 2021 verschoben. Angesichts dieser Situation schließen wir uns der von jW initiierten und vielen weiteren Organisationen mitgetragenen Kampagne »Unblock Cuba« an.

Sie haben angekündigt, bei der Konferenz die hiesige »imperiale Lebensweise«, betreffend Ökologie, Bildung und Gesundheit, zu kritisieren und ihr die Realität des sozialistischen Systems gegenüberzustellen. Was ist in Kuba besser?

In Kuba werden beispielsweise Planungen dazu, wie, wann und was gebaut wird, wie das Bildungssystem aufgestellt ist oder wie viele Schulen und Universitäten gebraucht werden, nach dem Bedarf der Bevölkerung geregelt – nicht wie hier nach Profitlogik. Zur Ökologie: Kuba war einst mit Monokulturen übersät, jetzt bepflanzen die Landwirte Böden nachhaltig, damit die Gesellschaft davon profitieren kann. Es wird kaum chemisch gedüngt, weshalb das Gemüse nicht aussieht wie die »Ausstellungsstücke« in den deutschen Supermärkten. Aber es reicht, um die Bevölkerung zu ernähren. Zum Thema Gesundheit und Bildung: Kuba hat viel Personal im Gesundheitswesen. Die Ausbildung der Ärzte unterscheidet sich von der hierzulande. Nicht nur eine kleine Elite mit den besten Schulnoten kann den notwendigen Bildungsstand erreichen. Wer sich dazu berufen fühlt, erhält die Möglichkeit.

Anders als in der BRD gab es in Kuba einen strengen Lockdown mit Ausgangssperren. Verstöße wurden mit Geldstrafen von umgerechnet 120 Euro geahndet. Treffen solch große Summen nicht die Mehrheit der kubanischen Gesellschaft sehr hart?

Zunächst: In Kuba gibt es keinen Luxusstandard, aber die Grundbedürfnisse der Menschen sind gesichert. Jeder erhält ein Dach über dem Kopf, zu essen, sowie auch Arbeit, wenn er möchte. Die allgemeine Maskenpflicht wurde eingeführt, um Ältere und Schwächere zu schützen. Weil es in Großstädten wie Havanna viele Verstöße gab, war die Pandemie schwer in den Griff zu kriegen. Deshalb stellte Kuba mit strenger, aber erfolgreicher Politik die Gesundheit der Menschen in den Mittelpunkt. Trotz dafür notwendiger Freiheitseinschränkungen befürworteten dies die Nachbarschaftsorganisationen in Kuba. Bisher sind mehr als 120 Menschen in Kuba an den Folgen der Virusinfektion gestorben. Aktuell kann es wieder Lockerungen geben. In der BRD dagegen geht es weniger um die Menschen, sondern um die kapitalistische Wirtschaft.

Hierzulande wurde wegen Homeschooling und Homeoffice in der Krise über die ungleiche Belastung von Frauen diskutiert.

In Kuba wurde das Elternteil, welches sich um die Kinder gekümmert hat, freigestellt. Wer in der staatlichen Wirtschaft arbeitet, erhielt etwa 60 Prozent des Lohns. Der Privatsektor wurde weniger gefördert. Wer Probleme hatte, konnte jedoch gegen Bezahlung im staatlichen Sektor helfen, etwa bei der Essensausgabe.

Geht es bei der Jugendkonferenz nur darum, die BRD mit Kuba zu vergleichen?

Vielmehr ist ein Systemwechsel unser Ziel. Hier gehen »Fridays for Future« auf die Straße und demonstrieren für Klimaschutz. In Kuba gibt es auf diese Fragen interessante Antworten. Deshalb wollen wir über das sozialistische Land aufklären, ebenso wie über den Kapitalismus der BRD.

Raven Jahns hat die Jugendkonferenz des »Netzwerks Cuba« in Frankfurt am Main mitorganisiert

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