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Aus: Ausgabe vom 17.10.2020, Seite 6 / Ausland
Israel

Ein bisschen Normalität

Israel plant am Sonntag den seit September geltenden Lockdown zu entschärfen
Von Knut Mellenthin
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Mit dem Hund Gassi gehen ist trotz Lockdowns in Israel noch möglich (Tel Aviv, 1.10.2020)

In Israel könnte es an diesem Wochenende erste Lockerungen des nahezu vollständigen Lockdowns geben, der seit dem 18. September in Kraft ist. Die meisten Maßnahmen, darunter auch die Schließung der Schulen, gelten jedoch weiter und sollen nach einem noch nicht im Detail festgelegten Plan schrittweise bis Ende Januar 2021 aufgehoben werden. Der Lockdown wurde mit einer zeitweise extrem hohen Zahl von Neuinfektionen durch das Coronavirus und einem Anstieg der Zahl der Schwererkrankten und der Todesfälle begründet. Insgesamt ist aber seit etwa zehn Tagen ein Rückgang der wichtigsten Kennziffern zu erkennen.

Das sogenannte Coronakabinett, in dem die mit der Krise befassten Schlüsselministerien vertreten sind, beschloss am Donnerstag, dass ab Sonntag folgende Erleichterungen möglich sind: Die Beschränkung, dass alle Israelis sich ohne »dringende Gründe« nicht weiter als 1.000 Meter von ihrer Wohnung entfernen dürfen, wird aufgehoben. Menschen dürfen sich wieder gegenseitig besuchen, sofern die Obergrenzen von zehn Personen in geschlossenen Räumen und 20 im Freien nicht überschritten werden. Kitas und Vorschulen können geöffnet werden, damit berufstätige Eltern wieder als Arbeitskräfte zur Verfügung stehen.

Restaurants bleiben zwar weiter geschlossen, dürfen aber Essen außer Haus verkaufen. Firmen können in den Bereichen, in denen es keinen direkten Kundenkontakt gibt, die Arbeit wieder aufnehmen. Zudem dürfen, bei Einhaltung von Schutzmasken- und Abstandspflicht, wieder Strände und Nationalparks besucht werden. Gebete an der Westmauer – im Ausland meist als »Klagemauer« bekannt – und auf dem Tempelberg, dem muslimischen Haram Al-Scharif, sind in beschränktem Umfang wieder erlaubt.

Ob diese in Aussicht gestellten Lockerungen wirklich umgesetzt werden, steht erst fest, wenn es am Sonntag nicht mehr als 2.000 festgestellte Neuinfektionen gibt. Deren Anzahl lag noch vor zwei Wochen bei über 8.000. Zuletzt wurden aber am Freitag morgen vom Gesundheitsministerium nur noch 1.511 neue Fälle gemeldet. Allerdings hängt diese im Fokus stehende Kennziffer davon ab, wie viele Tests jeweils durchgeführt werden. Deren Zahl wies seit Ende August außerordentlich starke Schwankungen auf. Unabhängig davon ist aber festzustellen, dass der Anteil der positiv Getesteten seit Beginn des Lockdowns kontinuierlich sinkt. Während er zeitweise bei 14 Prozent lag, wird er gegenwärtig mit unter acht Prozent angegeben.

Schon seit Mittwoch sind die mit dem Lockdown verbundenen Beschränkungen des Demonstrationsrechts nicht mehr in Kraft. Sie schrieben isolierte Gruppen von maximal 20 Menschen vor, wobei alle Teilnehmer aus einem Umkreis von höchstens einem Kilometer kommen mussten. Die Protestbewegung gegen Regierungschef Benjamin Netanjahu, der wegen Korruption und Betrug vor Gericht steht, reagierte klug und flexibel mit landesweit über 1.000 lokalen Aktionen. Auf diese Weise konnten die Organisatoren vor zwei Wochen 100.000 und am vergangenen Sonnabend 200.000 Teilnehmer melden. Das veranlasste die Regierung offenbar zum Nachgeben.

An diesem Sonnabend soll es wieder die vor dem Lockdown gewohnte Großkundgebung vor Netanjahus Residenz in Jerusalem geben, deren bisheriger Teilnehmerrekord bei 20.000 liegt. Eine noch größere landesweite Kundgebung soll dort am nächsten Sonnabend, dem 24. Oktober, stattfinden.

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