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Aus: Ausgabe vom 16.10.2020, Seite 6 / Ausland
Korea

Erneut gesprächsbereit

Die Zeichen zwischen Nord- und Südkorea stehen derzeit wieder auf Entspannung. Ein Kommentar. Von Rainer Werning
Von Rainer Werning
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Der Staatschef der DVRK, Kim Jong Un (M.), am 10. Oktober 2020 während der Parade in Pjöngjang anlässlich des 75. Gründungsjubiläums der Partei der Arbeit

Seit nunmehr 75 Jahren ist die Koreanische Halbinsel Ort einer Systemkonfrontation. Als dort der Zweite Weltkrieg endete, bedeutete das keineswegs die von den Koreanern so sehr erwartete Unabhängigkeit nach 36jähriger japanischer Kolonialherrschaft. Die Halbinsel hatte den »Makel«, das aufgrund der vitalen geostrategischen Lage zwischen dem asiatischen Festland und dem insularen Japan ausgerechnet dort der Kalte Krieg in seinen ersten heißen Konflikt mündete. Korea wurde geteilt, im Sommer 1948 entstanden die Republik Korea (ROK, Südkorea) und die Demokratische Volksrepublik Korea (DVRK, Nordkorea).

Was 1950 als Klassenkampf begann und in einen Bürgerkrieg mündete, eskalierte in einen internationalen Konflikt, der die Welt nahe am Beginn eines dritten Weltkriegs sah. Drei lange Jahre (1950–1953) währte dieser Krieg, der lediglich mit einem Waffenstillstandsabkommen beendet wurde.

Seither ist die Region entlang des 38. Breitengrads, der Korea in zwei Hälften trennt, eine der am stärksten militarisierten und der konfliktträchtigsten weltweit. Verunglimpfungen und Hasstiraden markierten eine zunehmende Entfremdung zwischen den beiden Seiten. Seit 1972 hat es vier lediglich kurzzeitige Phasen der Entspannung gegeben. In den vergangenen Wochen nun deutete erneut einiges darauf hin, dass einige Protagonisten des Konflikts auf der Halbinsel wieder das Gespräch miteinander suchen. Da ist in erster Linie der jüngst reaktivierte Dialog zwischen Pjöngjang und Seoul, nachdem der Vorsitzende der Kommission für Staatsangelegenheiten der DVRK, Kim Jong Un, und Südkoreas Präsident Moon Jae In jeweils auf ihre Weise Entspannungsbereitschaft signalisiert hatten.

Moon hatte in seiner Rede vor der diesjährigen Vollversammlung der Vereinten Nationen im September sein Angebot eines Friedensvertrags erneuert. Dieser Frieden, so Moon, würde den Frieden in ganz Nordostasien sicherstellen und auch die Weltordnung positiv verändern.

Kim hingegen sprach anlässlich des 75. Jahrestags der Gründung der Partei der Arbeit Koreas (PdAK) am 10. Oktober von »unseren geliebten Landsleuten im Süden«, denen er ein baldiges Ende der Covid-19-Pandemie wünschte. Sobald dies absehbar sei, so Kim weiter, könnten sich der Norden und Süden wieder die Hände reichen und gemeinsam weitere Schritte vereinbaren.

In diese Richtung wies bereits die offizielle Entschuldigung Kims für den Tod eines Südkoreaners am 22. September, der unter bislang ungeklärten Umständen in Hoheitsgewässern der DVRK von nordkoreanischen Soldaten erschossen worden war. Er soll angeblich dabei gewesen sein, sich in den Norden abzusetzen, die Hinterbliebenen des Toten bestritten dies allerdings vehement.

Bemerkenswert waren an Kims Rede zudem die vergleichsweise spärlichen Hinweise auf seinen Großvater, Staatsgründer Kim Il Sung, und seinen Vater Kim Jong Il. Offensichtlich sollten auf diese Weise der eigene Führungsstil und die eigenen wirtschaftspolitischen Ambitionen hervorgehoben werden.

In seiner Rede, die streckenweise sehr emotionsgeladen war, schilderte Kim als Hauptgrund für die Schwierigkeiten des Landes veränderte Klimabedingungen und die Covid-19-Pandemie. Der Staatschef erwähnte nur am Rande die gegen sein Land verhängte Blockade und sprach lediglich von »feindlichen Kräften«, die hinter dieser stünden. Das gibt ihm auch mit Blick auf die bevorstehenden Wahlen in den USA etwas Flexibilität.

Neben Kims Rede gab es aber auch eine große Militärparade. Zur Schau gestellt wurde das neueste Waffenarsenal. Darunter soll sich auch die neue Interkontinentalrakete vom Typ Hwasong-16 befunden haben, deren Vorgängermodell Ende November 2017 erfolgreich getestet worden war. Das kann auch als Zeichen gewertet werden, dass man sich trotz des Ansinnens einer Versöhnung auch zu verteidigen wisse. Der Ersteinsatz von Atomwaffen wurde von Kim ausgeschlossen.

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