Die XXVI. RLK-Konferenz findet statt
Gegründet 1947 Sa. / So., 31. Oktober / 1. November 2020, Nr. 255
Die junge Welt wird von 2422 GenossInnen herausgegeben
Die XXVI. RLK-Konferenz findet statt Die XXVI. RLK-Konferenz findet statt
Die XXVI. RLK-Konferenz findet statt
Aus: Ausgabe vom 12.10.2020, Seite 8 / Ansichten

Taliban for Trump

USA verlegen Afghanistan-Truppen
Von Jörg Kronauer
RTS3FQGK.JPG
Haben sich große Sorgen um den US-Präsidenten gemacht: Taliban in Dschalalabad (Juni 2020)

Wenn das mal nicht hilft, das Ruder herumzureißen: »Wir hoffen, dass Trump die Wahl gewinnt«, teilte Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid am Wochenende dem US-Sender CBS telefonisch mit. Man habe sich große Sorgen gemacht, als man gehört habe, dass der US-Präsident positiv auf das Coronavirus getestet worden sei, bekannte ein weiterer Sprecher der Islamisten. Jetzt jedoch scheine es ihm ja glücklicherweise wieder besser zu gehen – Trump gelte »dem Rest der Welt vielleicht als lächerlich, aber für die Taliban ist er ein kluger und weiser Mann«. Das Grundprinzip der derzeitigen US-Administration – »America first« – habe Afghanistans Gotteskrieger vollauf überzeugt, fuhr der Taliban-Sprecher fort. Kein Zweifel: Sollten Trumps Umfragewerte nun rasch steigen, dann weiß man, warum.

Zurück zur Sache: Die Taliban-Lobeshymnen hat sich der US-Präsident mit dem Abkommen von Ende Februar verdient, das den Abzug der US-Truppen vom Hindukusch bis Mitte 2021 vorsieht. Vergangene Woche äußerte er darüber hinaus per Tweet, vielleicht schaffe man es ja gar, die noch knapp 5.000 in Afghanistan stationierten US-Soldaten bis Weihnachten heimzuholen. Es stimmt: Die Ankündigung, die Truppen abzuziehen, ist in der US-Wahlbevölkerung populär, und man sollte sicherlich nichts dagegen einwenden, dass die Vereinigten Staaten ihre beinahe 20jährige Besatzung Afghanistans beenden, wenngleich dem Land wohl weiterhin bittere Zeiten bevorstehen. Doch Trump zieht die Truppen nicht einfach ab, er gruppiert das US-Militär lediglich um für den großen Kampf gegen die aufsteigende Weltmacht China. Jeder Soldat, der nicht mehr am Hindukusch feststeckt, vergrößert das Potential für künftige Einsätze beispielsweise im Südchinesischen Meer. Washington wendet sich von den – verlorenen – Kriegen der Vergangenheit ab und den Kriegen der Zukunft zu.

Übersehen sollte man allerdings auch nicht, dass die Trump-Administration mit der militärischen Umgruppierung strategisch betrachtet ihre eigenen Positionen schwächt. Als Abdullah Abdullah, langjähriger Kooperationspartner des Westens in Afghanistan, der nach seiner Wahlniederlage gegen Präsident Aschraf Ghani mit dem Posten des Vorsitzenden eines »Hohen Rats für Versöhnung« abgefunden wurde, von dem möglichen US-Abzug bis Weihnachten erfuhr, äußerte er resigniert: »Es wird ein bisschen dauern, bis wir das verdaut haben.« Der US-Präsident hat einmal mehr demonstriert, dass Washington Verbündete bei Bedarf selbst im Kugelregen der Taliban stehenlässt, wenn seine weltpolitischen Prioritäten sich verschieben. Die Erfahrung haben viele andere bereits zuvor gemacht. In strategisch wichtigen Weltgegenden, etwa im Nahen und Mittleren Osten und in Südostasien, macht sich bei den Eliten zusehends Skepsis mit Blick auf die Zuverlässigkeit der USA breit. Während Washington seine Truppen verlegt, weiten sich in seinen globalen Bündnissen die Risse.

Unverzichtbar!

»Zusammen mit der jährlichen Rosa-Luxemburg-Konferenz bietet die junge Welt für uns die perfekte Grundlage, um unsere gewerkschaftliche Arbeit kapitalismuskritisch und antifaschistisch auszurichten.« – DGB-Jugend Ulm

Eine prinzipienfeste, radikal kritische Tageszeitung ist durch nichts zu ersetzen für all diejenigen, die dem real existierenden Kapitalismus und Faschisten etwas entgegensetzen wollen.

Diese Zeit braucht eine starke linke Stimme!

Ähnliche:

  • US-Soldat und Angehörige der afghanischen Regierungstruppen in d...
    02.03.2020

    Bedingt bereit

    Abzug der US-Truppen aus Afghanistan
  • Überfall auf Afghanistan: James Mattis – damals als Brigadegener...
    22.12.2018

    Trump zieht Mattis ab

    US-Präsident will auch Truppen aus Afghanistan zurückholen. Sein Verteidigungsminister reicht daraufhin Rücktritt ein
  • Ohne bleibende Wirkung. Die vom Westen finanziell und materiell ...
    16.12.2016

    West- oder Ostanbindung?

    Die Militärintervention in Afghanistan führte die US-Armee und den IWF in die Staaten Zentralasiens. Damit konnte der Einfluss anderer Mächte zurückgedrängt werden. Doch Beijing und auch Moskau sind längst wieder präsent

Mehr aus: Ansichten