Gegründet 1947 Donnerstag, 22. Oktober 2020, Nr. 247
Die junge Welt wird von 2422 GenossInnen herausgegeben

Durch fremde Augen

Von Rafik Will
93021407.jpg
»I Got Dem Ol’ Kozmic Blues Again, Mama!« – Janis Joplin (Lange Nacht zum 50. Todestag im DLF)

Wandelbare Medien überall: Nicht mal mehr Tonträger braucht es in digitalen Zeiten noch. Die CD war der LP nachempfunden, die Durchsetzung des Formats MP3 bedeutete die Loslösung der Musik vom guten alten Feststoff. Das Stream­ing funktioniert nun voll und ganz ohne Speichermedien. Mit der Aufnahmetechnik in akustischen Medien hat sich Philip Scheiner beschäftigt. Sein Feature »›Originaltöne‹ – Dichterstimmen erzählen die Geschichte der Tonaufzeichnung« (ORF 2020; Di., 16 Uhr, ORF Ö1) hält fest: Auch die »Mikrofone sind in den vergangenen Jahrzehnten hellhöriger geworden«. Alexa lässt grüßen.

In Thilo Guschas’ und Helgard Haugs vierteiligem Hörspiel »Wir – Hier« (WDR 2020; Ursendung Teil 2/4 Di., 19 Uhr, WDR 3) werden Nationalfeiertage auf der ganzen Welt kritisch unter die Lupe genommen. Anlass dafür ist der 3. Oktober. Von Markus Metz und Georg Seeßlen ist das Feature  »Traumland – Deutschland durch fremde Augen gesehen« (DLF 2019; Di., 20 Uhr, NDR Kultur) zu hören. Tags darauf widmen sich Nis-Momme Stockmann und Les Trucs dem Tod. »Der sich langsam wirklich etwas seltsam entwickelnde Kongress der Thanatologen (2013)« (NDR 2020; Ursendung Mi., 20 Uhr, NDR Kultur). In der Persiflage auf eine im geschlossenen Raum spielende Detektivstory warten Trauerviolinisten, Einbalsamierer und andere Experten auf die Jubiläumsrede des Vorsitzenden der Thanatologischen Gesellschaft für. Doch der wird auf offener Bühne erschossen. Und dann? Hören Sie selbst!

»Cool Britannia« war nur ein Projekt unter vielen, mit denen sich Nationen um ein besseres Image bemühten. Marc Thörner zeigt in »Wenn sich Staaten stylen« (SWR/DLF 2020; Mi., 22 Uhr, SWR 2) weitere Beispiele. Deutschland hat ja früher gern mit seinen Autos geworben. A propos: Für Menschen, die keine Autofetischisten sind, bietet sich Hermann Bohlens »Tote Winkel« (WDR 2019; Mi., 22 Uhr, DLF Kultur) als Hörtermin an. Auf der gleichen Welle folgt am Donnerstag ein Feature von Patras Bwansi und Lydia Ziemke: »Residenzpflicht – only when I die!« (DKultur 2014; Do., 22 Uhr, DLF Kultur). Am gleichen Abend wird Milo Raus Stück »Hate Radio« (WDR/ORF 2013; Do., 23 Uhr, 1 Live) wiederholt, das 2014 den »Kriegsblindenpreis« gewann. Vom Klangkünstler Werner Cee kommt danach die Ursendung »De-Symphonic – Klanglandschaft nach Ludwig van Beethoven und Marion Poschmann« (DLF Kultur/BTHVN2020/Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin/Hans-Flesch-Gesellschaft 2020; Fr., 0 Uhr, DLF Kultur).

Lehrer, die nur perfekte Schüler mögen, haben ihren Beruf verfehlt. Trotzdem unterrichten sie stur weiter. Jedenfalls in der Hörspieladaption von Eugène Ionescos Theaterstück »Die Unterrichtsstunde« (DRS 1958; Fr., 20 Uhr, SRF 1). Ein Krimi von Magda Woitzuck ist »Die Abkürzung« (DLF Kultur 2020; Sa., 0 Uhr, DLF). Hier verirren sich zwei Ausflügler im Naturschutzgebiet, wo mysteriöse Dinge geschehen. Unbedingt einschalten sollte man Michael Franks »›Kozmic Blues‹ – Eine lange Nacht zum 50. Todestag von Janis Joplin« (DLF Kultur/DLF 2020; Sa., 0 Uhr, DLF Kultur und 23 Uhr, DLF).

Auf drei neue Features sei noch hingewiesen. Philipp Schnee beleuchtet eine »Erinnerungslücke 1980 – Das Terrorjahr der Rechten« (SWR 2020; So., 11 Uhr und 23 Uhr, WDR 5). Von Mahmoud Tafik stammt das Stück  »Kairo fragt: Wie geht es Dir?« (NDR 2020; So., 11 Uhr und 15 Uhr, NDR Info). Steffen Irlinger und Tom Noga erinnern an einen Brasilianer, der Anfang der 70er Jahre Soul und Funk in die Samba integrierte: »›Que beleza‹ – Der irrationale Samba-Soul des Tim Maia« (DLF 2020; So., 20 Uhr, DLF).

Unverzichtbar!

»Ich schätze die junge Welt wegen ihrer solidarischen Haltung und Berichterstattung zu Kuba. Dabei deckt sie Fake-News auf und schreibt über sonst totgeschwiegene Themen.« Samuel Wanitsch, Mitglied der nationalen Koordination der Vereinigung Schweiz-Kuba

Eine prinzipienfeste, radikal kritische Tageszeitung ist durch nichts zu ersetzen für all diejenigen, die dem real existierenden Kapitalismus und Faschisten etwas entgegensetzen wollen.

Diese Zeit braucht eine starke linke Stimme!

Mehr aus: Feuilleton