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Aus: Ausgabe vom 26.09.2020, Seite 3 (Beilage) / Wochenendbeilage

Kommunismus ist Wissen

Vor 100 Jahren hielt Lenin seine berühmte Rede über »Die Aufgaben der Jugendverbände« (Teil II)
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»Indem Marx die Entwicklungsgesetze der menschlichen Gesellschaft erforschte, erkannte er die Unvermeidlichkeit der Entwicklung vom Kapitalismus zum Kommunismus«: Delegation zum ersten Kongress des Komsomol im Oktober 1918

Darum wäre die bloße buchstabenmäßige Aneignung dessen, was in den Büchern über den Kommunismus gesagt ist, im höchsten Grade unrichtig. Heute enthalten unsere Reden und Artikel nicht eine Wiederholung dessen, was früher über den Kommunismus gesagt worden ist, denn unsere Reden und Artikel sind mit der tagtäglichen und allseitigen Arbeit verbunden. Ohne Arbeit, ohne Kampf ist das aus den kommunistischen Broschüren und Werken geschöpfte Bücherwissen über den Kommunismus keinen Pfifferling wert, denn es würde nur die alte Kluft zwischen Theorie und Praxis neu aufreißen, jene alte Kluft, die der widerwärtigste Zug der alten, bürgerlichen Gesellschaft war.

Noch gefährlicher wäre es, wollten wir anfangen, uns lediglich die kommunistischen Losungen anzueignen. Würden wir diese Gefahr nicht rechtzeitig erkennen und würden wir nicht unsere ganze Arbeit darauf richten, diese Gefahr zu beseitigen, so würde die halbe Million oder die Million junger Burschen und Mädchen, die sich nach einer solchen Schulung im Kommunismus Kommunisten nennen würden, der Sache des Kommunismus schweren Schaden zufügen.

Hier ersteht vor uns die Frage: Wie sollen wir dies alles für die Schulung im Kommunismus aufeinander abstimmen? Was müssen wir von der alten Schule, von der alten Wissenschaft übernehmen? Die alte Schule erklärte, sie wolle einen allseitig gebildeten Menschen erziehen, sie lehre die Wissenschaften schlechthin. Wir wissen, dass das eine einzige Lüge war, denn die ganze Gesellschaft war auf der Teilung der Menschen in Klassen, in Ausbeuter und Unterdrückte, aufgebaut und hielt sich dank dieser Teilung. Natürlich vermittelte die ganze alte Schule, die durch und durch vom Klassengeist durchtränkt war, nur den Kindern der Bourgeoisie Kenntnisse. Jedes ihrer Worte war im Interesse der Bourgeoisie gefälscht. In diesen Schulen wurde die junge Generation der Arbeiter und Bauern nicht so sehr erzogen als vielmehr im Interesse eben dieser Bourgeoisie abgerichtet. Das Ziel ihrer Erziehung war, für die Bourgeoisie brauchbare Diener heranzubilden, die ihr Profit bringen konnten, zugleich aber ihre Ruhe und ihren Müßiggang nicht störten. Deshalb lehnen wir die alte Schule ab und haben uns die Aufgabe gestellt, ihr nur das zu entnehmen, was wir brauchen, um zu einer wirklichen kommunistischen Bildung zu gelangen.

Hiermit komme ich zu jenen Vorwürfen, zu jenen Anklagen gegen die alte Schule, die man ständig zu hören bekommt und die nicht selten zu ganz falschen Schlüssen führen. Man sagt, die alte Schule sei eine Schule des Auswendiglernens, des Drills, des Büffelns gewesen. Das ist richtig, dennoch aber muss man zu unterscheiden wissen zwischen dem, was in der alten Schule schlecht war, und dem, was für uns nützlich ist, muss man verstehen, ihr das zu entnehmen, was für den Kommunismus nötig ist.

Die alte Schule war eine Schule des Auswendiglernens, sie zwang die Menschen, sich eine Menge unnützer, überflüssiger, lebloser Kenntnisse anzueignen, die das Hirn verkleisterten und die junge Generation zu Bürokratenseelen machten, die alle über einen Kamm geschoren waren. Ihr würdet jedoch einen großen Fehler begehen, wolltet ihr daraus den Schluss ziehen, dass man Kommunist werden kann, ohne sich das von der Menschheit angehäufte Wissen anzueignen. Es wäre irrig, zu glauben, dass es genüge, sich die kommunistischen Losungen, die Schlussfolgerungen der kommunistischen Wissenschaft anzueignen, deren Ergebnis der Kommunismus selbst ist. Das Musterbeispiel dafür, wie der Kommunismus aus der Summe des menschlichen Wissens hervorgegangen ist, ist der Marxismus.

Ihr habt davon gelesen und gehört, wie die kommunistische Theorie, die kommunistische Wissenschaft, die in der Hauptsache von Marx geschaffen worden ist – wie diese Lehre des Marxismus aufgehört hat, das Werk eines einzelnen, wenn auch genialen Sozialisten des 19. Jahrhunderts zu sein, wie diese Lehre zur Lehre von Millionen und aber Millionen Proletariern in der ganzen Welt geworden ist, die diese Lehre in ihrem Kampf gegen den Kapitalismus anwenden. Und wenn ihr die Frage stellt, wie es möglich war, dass die Lehre von Marx Millionen und aber Millionen Herzen der revolutionären Klasse ergreifen konnte, so kann es darauf nur eine Antwort geben: Das war deshalb möglich, weil Marx sich auf das feste Fundament des menschlichen Wissens stützte, das unter dem Kapitalismus errungen worden war; indem Marx die Entwicklungsgesetze der menschlichen Gesellschaft erforschte, erkannte er die Unvermeidlichkeit der Entwicklung vom Kapitalismus zum Kommunismus.

Wladimir Iljitsch Lenin: Die Aufgaben der Jugendverbände. (Rede auf dem III. Gesamtrussischen Kongress des Kommunistischen Jugendverbandes Russlands) 2. Oktober 1920. Prawda vom 5., 6. und 7. Oktober 1920. Hier zitiert nach: Wladimir Iljitsch Lenin: Werke Band 31. Dietz-Verlag, Berlin 1970, Seiten 274–276

Der erste Teil des Textauszugs erschien in der jW-Wochenendbeilage vom 19./20. September

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