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Aus: Ausgabe vom 21.09.2020, Seite 4 / Inland
Stadtpolitik

Bunter Protest für »Grüne Lunge«

Frankfurt am Main: Demo am Sonnabend für Erhalt von Biodiversität und gegen Luxusbauten
Von Gitta Düperthal
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Noch ein Ruhepol: Der Günthersburgpark in Frankfurt am Main

Als Dominik von »Fridays for Future« ruft: »Wer nicht hüpft, ist für Rodung«, grinsen viele der anwesenden über 60jährigen, die nicht mehr ganz so gut auf den Beinen stehen wie noch zu Schulzeiten. Es ist eine bunte Mischung von Menschen, die am Sonnabend in Frankfurt am Main für den Erhalt der Grünflächen am Günthersburgpark demonstrieren. Den Widerstand von Anwohnern verstärken an diesem Tag Kohlegegnerinnen aus dem Hambacher Forst ebenso wie Aktivisten aus dem Dannenröder Wald, der nun der Autobahn 49 weichen soll. Trotz der durchgängig getragenen Mund- und Nasenschutzmasken sind die Sprechchöre der rund 900 Demoteilnehmerinnen und -teilnehmer laut und bestimmt: Die »Grüne Lunge« soll bleiben, ebenso wie der bedrohte »Danni«.

Die Initiative »Grüne Lunge bleibt – Instone stoppen« hatte dazu aufgerufen, gegen die Pläne der CDU/SPD/Grünen-Stadtregierung auf die Straße zu gehen. Die will noch in diesem Herbst beschließen, ein 16 Hektar großes grünes Garten- und Naturgelände im östlichen Nordend Frankfurts zuzubetonieren. Dort sollen 1.500 hauptsächlich hochpreisige Wohnungen gebaut werden. Hauptinvestoren sind die börsennotierte Instone Real ­Estate und das stadteigene Unternehmen ABG. Instone gehört global agierenden Megainvestitionsfonds, unter anderem Fidelity, Allianz und Amundi. Zynisch nimmt sich dabei aus, dass das Frankfurter Stadtplanungsamt das sogenannte Innovationsquartier zusammen mit anderen geplanten Baumaßnahmen im Norden der Stadt »Ernst-May-Viertel« nennt. May plante zwischen 1925 und 1930 in Frankfurt Arbeitersiedlungen für Leute mit wenig Geld. Diese sollten zwar auf Grünflächen errichtet werden – nur ging es damals nicht um deren großflächige Vernichtung wie aktuell im Fall der »Grünen Lunge«.

Am Sonnabend zeigt sich der Schulterschluss von Bewegungen gegen »Mietenwahnsinn« und für mehr Klimaschutz. An der Seite von Greenpeace, ATTAC, »Students for Future« sprechen sich an diesem Tag auch Menschen für den Erhalt des Geländes aus, die sich sonst hauptsächlich mit Widerstand gegen Verdrängung beschäftigen. Ein Sprecher der »Nachbarschaftsinitiative Nordend, Bornheim, Ostend« erklärt, der Bau von Luxuswohnungen treibe die Mieten in der Mainmetropole weiter in die Höhe. Er forderte den Planungsdezernenten Mike Josef, Oberbürgermeister Peter Feldmann (beide SPD) sowie den Baudezernenten Jan Schneider (CDU) auf, die Zusammenarbeit mit Instone zu stoppen. Die Stadt gehöre nicht den Politikern, sondern ihren Bewohnern, sagte er.

Derzeit befinden sich auf dem Gelände der »Grünen Lunge« elf Gärten, die vom Projekt »GemüseheldInnen« bewirtschaftet werden. Juliane Ranck und Laura Setzer haben das Projekt im März 2019 mitbegründet, bei dem mittlerweile 130 Menschen mitwirken. Gepflanzt würden dort zur eigenen Versorgung etwa Tomaten, Mangold, Paprika, Auberginen, aber auch unbekanntere ältere Gemüsesorten wie Palmkohl oder Melde, erklären sie während der Demo am Sonnabend gegenüber junge Welt.

Peter Beckmann, der zweite Vorsitzende des Vereins »Bürgerinitiative für den Erhalt der Grünen Lunge am Günthersburgpark«, berichtet von einer Studie des Senckenberg-Forschungsinstituts Frankfurt, wonach sich Fauna und Flora auf dem Gelände befinde, die auf Hessens »Roten Listen« zu gefährdeten Tier- und Pflanzenarten stehen. Zudem sei angesichts der Klimakrise nicht hinnehmbar, dass die Stadt von 211.000 Bäumen – von denen in diesem Jahr wegen Trockenheit sowieso 4.000 gefällt werden müssten – zusätzlich weitere 2.000 völlig intakte von insgesamt circa 2.500 wegen der Baumaßnahmen vernichten wolle.

Fragt man die Aktivisten, ob die »Grüne Lunge« noch zu retten ist, heißt es: Zunächst setze man darauf, dass es die Parteien vor der Kommunalwahl im März 2021 nicht wagen, das Gelände anzutasten. Und Dominik von »Fridays for Future« kündigt eine Besetzung des verwilderten Kleingartengebiets an, falls die Bebauung beginnen sollte.

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