Die XXVI. RLK-Konferenz findet statt
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Aus: Ausgabe vom 21.09.2020, Seite 2 / Inland
Kosten der Coronakrise

Protest in Nobelvierteln

Bündnis »Wer hat, der gibt« demonstrierte in mehreren deutschen Städten
Von Kristian Stemmler
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Demonstration vom »Wer hat, der gibt«-Bündnis in Berlin (19.9.2020)

Am Aktionstag des Bündnisses »Wer hat, der gibt« haben am Sonnabend nach Veranstalterangaben mehr als 3.000 Demonstranten in Berlin, Hamburg und Hannover eine »linke Antwort auf Corona« gegeben. Sie trugen die Forderung »Die Reichen müssen für die Krise zahlen« in die Viertel der Adressaten. In Berlin zogen 1.000 Demonstranten auf dem Kudamm durch Charlottenburg, vorbei an Luxusboutiquen und Juwelieren. In Hamburg »besuchten« rund 2.000 Linke die Nobelquartiere Harvestehude und Pöseldorf. In Hannover demonstrierten rund 200 Menschen. Weitere Aktionen fanden zudem in Flensburg und Kaiserslautern statt.

In Hamburg war es gelungen, praktisch die gesamte linke Szene zu mobilisieren. Auf der Straße waren unter anderem Aktivisten von »Ende Gelände Hamburg«, dem Netzwerk »Recht auf Stadt« der Antifa, der Interventionistischen Linken, dem »Schwarz-Roten 1. Mai HH« und der Gruppe »Kollektiv Soziale Kämpfe«. Auf den Transparenten standen Parolen wie: »Aus dem Weg, Kapitalisten, wir nehmen euer System nicht hin« oder »Wer hat, dem wird genommen: besetzen, enteignen, vergesellschaften«. Begleitet von einem großen Polizeiaufgebot inklusive mehrerer Wasserwerfer und einem Schützenpanzer bewegte sich der Aufzug durch Straßen mit weißen Jugendstilvillen, Nobelrestaurants und teuren Läden. Bis zum Abend blieb es friedlich.

Redner kritisierten, dass die Wirtschaft in der Coronakrise mit Milliarden unterstützt werde, das Geld aber nicht bei den Lohnabhängigen ankomme. Die Hilfen machten nur Unternehmer und Aktionäre reicher. Beifall fand auch die Forderung, die Profitorientierung im Gesundheitswesen zu beenden, ebenso wie die nach der Enteignung von Vermögenden und Konzernen. Die Demonstranten skandierten »Bonzen in die Produktion« und »Wohnungen für alle, sonst gibt’s Krawalle«.

Angesichts der Parolen und der vielen roten Fahnen zog es die große Mehrheit der Bewohner der Reichenviertel vor, sich weder auf der Straße noch am Fenster zu zeigen. Nur einige wagten sich auf ihre Balkone. Im feinen Pöseldorf zeigte eine Anwohnerin dem Aufzug vom Balkon ihrer Wohnung im vierten Stock gleich beide Mittelfinger. Vom Lautsprecherwagen bekam sie postwendend die Antwort: »Sie enteignen wir auch noch«.

Unverzichtbar!

»Zusammen mit der jährlichen Rosa-Luxemburg-Konferenz bietet die junge Welt für uns die perfekte Grundlage, um unsere gewerkschaftliche Arbeit kapitalismuskritisch und antifaschistisch auszurichten.« – DGB-Jugend Ulm

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Diese Zeit braucht eine starke linke Stimme!

Debatte

  • Beitrag von Franz L. aus S. (21. September 2020 um 06:58 Uhr)
    Die gesamte linke Szene demonstriert, und dann kommen 3.000 Leute zusammen. Das ist doch eher erbärmlich als aufregend. Vielleicht sollte die linke Szene mal überlegen, ob sie da nicht auf dem falschen Trip ist. Schaut nach Berlin oder nächstes Wochenende nach Konstanz, dann wisst Ihr, wie es geht und was die Probleme der Menschen sind.

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