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Aus: Ausgabe vom 19.09.2020, Seite 3 (Beilage) / Wochenendbeilage

Buch und Leben

Vor 100 Jahren hielt Lenin seine berühmte Rede über »Die Aufgaben der Jugendverbände« (Teil I)
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»Eines der größten Übel, eine der größten Plagen, die uns die alte, kapitalistische Gesellschaft hinterlassen hat, ist die tiefe Kluft zwischen Buch und praktischem Leben«: Lesesaal der zentralen Kinderbibliothek von Samara 1938

Genossen! Ich möchte heute darüber sprechen, welches die grundlegenden Aufgaben des Kommunistischen Jugendverbandes sind, und im Zusammenhang damit auch darüber, welcherart die Organisationen der Jugend in einer sozialistischen Republik überhaupt sein sollen.

Auf diese Frage müssen wir um so mehr eingehen, als man in einem gewissen Sinne sagen kann, dass gerade vor der Jugend die eigentliche Aufgabe steht, die kommunistische Gesellschaft zu schaffen. Denn es ist klar, dass die in der kapitalistischen Gesellschaft erzogene Generation der Arbeitenden bestenfalls die Aufgabe lösen wird, die Grundlagen der alten, kapitalistischen, auf Ausbeutung beruhenden Lebensweise zu zerstören. Sie wird im besten Falle die Aufgabe lösen können, eine solche gesellschaftliche Ordnung zu schaffen, die dem Proletariat und den werktätigen Klassen helfen würde, die Macht zu behaupten und ein festes Fundament zu errichten, auf dem nur eine Generation weiterbauen kann, die bereits unter neuen Bedingungen an die Arbeit geht, nämlich wenn kein Ausbeutungsverhältnis mehr zwischen Menschen besteht.

Gehe ich nun von diesem Standpunkt aus an die Frage nach den Aufgaben der Jugend heran, so muss ich sagen, dass diese Aufgaben der Jugend im allgemeinen und der kommunistischen Jugendverbände sowie aller möglichen anderen Organisationen im besonderen sich durch ein einziges Wort ausdrücken lassen: Die Aufgabe besteht darin, zu lernen.

Allerdings ist das nur »ein Wort«. Es gibt noch keine Antwort auf die wichtigsten und wesentlichsten Fragen: Was soll man lernen, und wie soll man lernen? Hier aber ist das entscheidende, dass zugleich mit der Umgestaltung der alten, kapitalistischen Gesellschaft die Schulung, Erziehung und Bildung der neuen Generationen, die die kommunistische Gesellschaft aufbauen werden, nicht auf alte Art geschehen kann. Die Schulung, Erziehung und Bildung der Jugend muss von dem Material ausgehen, das uns von der alten Gesellschaft hinterlassen worden ist. Wir können den Kommunismus nur aus jener Summe von Kenntnissen, Organisationen und Institutionen aufbauen, mit jenem Vorrat an menschlichen Kräften und Mitteln, die uns die alte Gesellschaft hinterlassen hat. Nur wenn wir die Schulung, Organisierung und Erziehung der Jugend von Grund aus umgestalten, werden wir erreichen können, dass dank den Anstrengungen der jungen Generation eine Gesellschaft geschaffen wird, die der alten nicht gleicht, d. h. eine kommunistische Gesellschaft. Deshalb müssen wir natürlich auf die Frage eingehen, was wir die Jugend lehren müssen und wie die Jugend lernen muss, wenn sie den Namen Kommunistische Jugend wirklich zu Recht tragen will, und wie wir sie vorbereiten müssen, damit sie imstande sei, das fertig zu bauen und zu vollenden, was wir begonnen haben.

Ich muss sagen, die erste, sollte man meinen, und natürlichste Antwort darauf ist, dass der Jugendverband und überhaupt die gesamte Jugend, die zum Kommunismus übergehen will, den Kommunismus studieren muss.

Aber diese Antwort »den Kommunismus studieren« ist zu allgemein. Was brauchen wir denn, um den Kommunismus erfolgreich zu studieren? Was müssen wir aus der Summe der allgemeinen Kenntnisse herausgreifen, um uns die Kenntnis des Kommunismus anzueignen? Hier droht uns eine ganze Reihe von Gefahren, die stets und ständig auftauchen, sobald die Aufgabe, den Kommunismus zu studieren, falsch gestellt oder wenn sie allzu einseitig aufgefasst wird.

Es ist ganz natürlich, dass man beim ersten Blick auf den Gedanken kommt, den Kommunismus studieren – das heiße, sich jene Summe von Kenntnissen anzueignen, die in den kommunistischen Lehrbüchern, Broschüren und Werken dargelegt sind. Aber das Studium des Kommunismus so zu definieren wäre allzu grob und ungenügend. Bestünde das Studium des Kommunismus nur darin, sich das anzueignen, was in den kommunistischen Werken, Büchern und Broschüren dargelegt ist, so könnten wir allzu leicht kommunistische Schriftgelehrte oder Prahlhänse erhalten, das aber würde uns weiter nichts als Schaden und Nachteil bringen, denn diese Leute, die nur gelernt und gelesen hätten, was in den kommunistischen Büchern und Broschüren steht, würden sich als unfähig erweisen, alle diese Kenntnisse zusammenzufassen, und würden nicht so handeln können, wie es der Kommunismus wirklich verlangt.

Eines der größten Übel, eine der größten Plagen, die uns die alte, kapitalistische Gesellschaft hinterlassen hat, ist die tiefe Kluft zwischen Buch und praktischem Leben; denn wir hatten Bücher, in denen alles aufs schönste beschrieben war, aber diese Bücher waren in den meisten Fällen widerlichste heuchlerische Lüge, die uns ein falsches Bild von der kapitalistischen Gesellschaft zeichnete.

Wladimir Iljitsch Lenin: Die Aufgaben der Jugendverbände. (Rede auf dem III. Gesamtrussischen Kongress des Kommunistischen Jugendverbandes Russlands) 2. Oktober 1920. Prawda vom 5., 6. und 7. Oktober 1920. Hier zitiert nach: Wladimir Iljitsch Lenin: Werke Band 31. Dietz-Verlag, Berlin 1970, Seiten 272–274

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