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Aus: Ausgabe vom 12.09.2020, Seite 3 (Beilage) / Wochenendbeilage

Heimatforscher

Von Arnold Schölzel

Die deutsche Justiz ahnt: Führungspersonal von Dax-Konzernen verübt »gewerbs- und bandenmäßigen Betrug«. Reine Gewohnheit, lässt sich sagen. Die vergangenen Tage belegen: Beim Mediengeschäftsmenschen sieht’s nicht viel anders auf. Für die Herstellung der publizistischen Billigkonfektion »Verbrecherrusse« bedarf es keiner Spezialsoftware, der schreibende und sendende Billigheimer erledigt das in Handarbeit.

Der Fall Alexej Nawalny spornt dabei zu Höchstleistungen an. Es gilt die Maxime: Nichts steht fest, also kann alles behauptet werden. Zu besichtigen war das z. B. am Sonntag in der ARD-Talkshow »Anne Will«, in der sich die Linke-Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen der Schmierigkeiten dreier älterer Herren – Wolfgang Ischinger (Chef der Münchner Sicherheitskonferenz), Norbert Röttgen (CDU), Jürgen Trittin (Die Grünen) – zu erwehren hatte. Ihr Vergehen: Sie plädierte für Verzicht auf Spekulationen, bevor aufgeklärt wurde, und wies darauf hin, dass auch westliche Geheimdienste über die angeblich bei Nawalny gefundene Substanz »Nowitschok« verfügten. Das löste keine Argumente, sondern kollektive Wut aus: Die Anhänger der Verschwörungstheorie »Putin war’s«, beziehungsweise dessen »System«, bezichtigten sie der Verschwörungstheorie und verlangten, weil ja schon alles geklärt sei, mindestens den Stopp der Erdgasleitung »Nord Stream 2«.

Das Rudelgekläff verstand Markus Decker, Korrespondent im Hauptstadtbüro des Redaktiosnetzwerks Deutschland (RND), einer Einrichtung des mehrheitlich im SPD-Besitz befindlichen Hannoverschen Madsack-Konzerns, als Anleitung zum Schreiben. Am Montag legte er auf der RND-Internetseite unter der Überschrift »Die Linke und Russland: Sevim Dagdelen steht für sich und doch nicht allein« nach. Die Forderung der Politikerin nach Aufklärung unterschlagend, dozierte er: »Bei vielen Grünen wird Sevim Dagdelen zu den ›Irren‹ gezählt – so wie der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Andrej Hunko oder der Verteidigungspolitiker Alexander S. Neu, die übrigens allesamt aus Nordrhein-Westfalen kommen.« Muss also am Terroir liegen.

Das Geschäftsmodell »deutsche Putinfans jagen« stimuliert auch andere Heimatforscher. Am Freitag knöpfte sich z. B. Reinhard Bingener, FAZ-Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Bremen und die deutschen evangelischen Kirchen, in der Zeitung die Stadt Hannover vor. Dort sitze nämlich »im noblen Zooviertel der bekannteste Fürsprecher russischer Interessen in Deutschland.« Gemeint ist Exkanzler Gerhard Schröder (SPD), der zwar zu Nawalny schweigt, aber laut Bingener ansonsten bei seiner Lobbytätigkeit im »Netz einflussreicher Russland-Freunde« der niedersächsischen SPD »kaum auf Widerspruch« stoße. So habe Ministerpräsident Stefan Weil auf seiner Homepage ein Statement zum Fall Nawalny veröffentlicht, »das man sich im Kreml nicht schöner wünschen konnte.« Weil hatte sich nämlich dazu verstiegen, Sanktionen als »stumpfes Schwert« zu bezeichnen. Bingener nennt dossiermäßig weitere Namen, darunter den von Schröders Exgattin Doris Schröder-Köpf. Die SPD-Landtagsabgeordnete wurde öfter auf »Events mit Bezug zu Russland« gesehen, was als Beweis reicht. Aber Bingener weiß mehr: Sie habe »in ihrem Wahlkreis Hannover-Döhren viele Russlanddeutsche. Unmittelbar vor der Landtagswahl 2017 umgarnte Schröder-Köpf diese Wählerschaft mit menschelnden Anekdoten über Wladimir Putin, die sie dem russischen Propagandakanal Sputnik anvertraute.«

Merke: Russenfreunde tragen das Etikett »kontrollierte Herkunftsbezeichnung«. Ob Nordrhein-Westfalen bei der Linken oder Niedersachsen bei den Sozen. Für bandenmäßiges Gewerbe ist das ein Beweis.

Der Fall Alexej Nawalny spornt zu Höchstleistungen an. Es gilt die Maxime: Nichts steht fest, also kann alles behauptet werden.

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