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Aus: Ausgabe vom 03.09.2020, Seite 3 / Schwerpunkt
Argentinien

Schnitt für Spekulanten

Regierung in Buenos Aires einigt sich mit Großteil von privaten Gläubigern
Von Simon Zeise
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Die argentinische Regierung konnte die meisten Geierfonds verjagen

Fast alle privaten Gläubiger haben dem über Monate ausgehandelten Schuldenschnitt für Argentinien zugestimmt. Präsident Alberto Fernández sagte am Montag abend (Ortszeit) in Buenos Aires, Argentinien sei in einem »Labyrinth« von Schulden gewesen. Er dankte Verbündeten, darunter Papst Franziskus und dem mexikanischen Präsidenten Andrés Manuel López Obrador.

Die Eigentümer von 93,5 Prozent der nach ausländischem Recht ausgegebenen Bonds hätten das letzte Umschuldungsangebot der Regierung angenommen, sagte Wirtschaftsminister Martín Guzmán. Über bestimmte Vertragsklauseln werden nun rund 99 Prozent der alten Titel in neue Papiere umgewandelt. Am kommenden Freitag sollen die Anleihen ausgegeben werden. Zu den Gläubigern gehören vor allem große Investmentfonds wie »Blackrock«, »Ashmore« und »Fidelity«. Guzmán erklärte, die Verhandlungen mit den übrigen Gläubigern seien »kein großes Problem« und würden bald »gelöst«. Im September werde dem Kongress ein Haushaltsplan vorgelegt, der eine Primärverschuldung in Höhe von 4,5 Prozent des BIP vorsehe. Neue Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds werde es nicht vor März 2021 geben.

Die argentinische Regierung hatte die privaten Gläubiger aufgefordert, auf einen Teil ihrer Forderungen von insgesamt rund 66 Milliarden US-Dollar (rund 55 Milliarden Euro) zu verzichten. Ende Mai hatte Argentinien Zinsforderungen in Höhe von 503 Millionen US-Dollar nicht beglichen. Der aktuelle Schuldenschnitt soll nach jüngsten Medienberichten etwas mehr als 45 Prozent betragen. Zudem soll wohl ein einjähriges Zahlungsmoratorium verhängt werden.

Argentinien leidet immens unter der Coronakrise: Bislang haben sich fast 400.000 Menschen mit dem Virus infiziert. Mehr als 8.000 Patienten sind im Zusammenhang mit der Krankheit Covid-19 gestorben.

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