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Aus: Ausgabe vom 29.08.2020, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: Hohes Risiko

Official Secrets | Netflix
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Nach Ansicht der Regierung dürfte Whistleblowerin Katharine Gun (Keira Knightley) nicht einmal einen Anwalt einschalten ...

Es ist lobenswert, dass der Streamingdienst Netflix seinen Abonnenten hin und wieder auch einmal etwas Ernsthaftes bietet. So stellte er am Mittwoch den ganz hervorragenden Spielfilm »Official Secrets« über die britische Whistleblowerin Katharine Gun (gespielt von Keira Knightley) ins Netz. Der Name der früheren Mitarbeiterin der Geheimdienstbehörde GCHQ ist heute zu Unrecht nahezu vergessen, denn was sie aufdeckte, indem sie eine interne Anweisung an die Presse weitergab, dürfte einer der größten Skandale der jüngeren Zeit sein: wie nämlich die Regierungen in London und Washington mit Hilfe dreister Lügen und anderer unlauterer Mittel 2003 den Krieg gegen den Irak anzettelten, der unzähligen Menschen das Leben kostete und die ganze Region ins Chaos stürzte. Gun ging ein hohes persönliches Risiko ein, wurde inhaftiert – und plädierte vor Gericht auf unschuldig. Doch aus Furcht, wegen Verbrechen gegen die Menschheit am Ende selbst belangt zu werden, ließ der Staat die Anklage gegen die mutige Frau fallen. (jt)

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Debatte

  • Beitrag von Joel K. aus G. (29. August 2020 um 11:39 Uhr)
    Inzwischen hat die Verfolgung von Manning, Assange und Snowden leider gezeigt, dass es sehr wohl möglich ist, Whistleblower zu verfolgen, aber die von ihnen aufgedeckten Verbrechen ungeahndet zu lassen. Fälle von Klassenjustiz, um globale Kriege und Überwachung zu decken. Hatte die damalige Blair-Regierung etwa zuwenig Zutrauen ins eigene System? Oder scheute sie nur eine weitere Front im Propagandakrieg gegen die eigene Bevölkerung? Der Film kann auch geliehen oder gekauft werden, aber wer ohnehin beim besagten Streaminganbieter ist, möchte vielleicht auch »Wasp Network« über die »Cuban Five« (sowie weitere Filme über Kuba wie »El Che« oder »Cuba and the Cameraman«) und »Risk« über Julian Assange ansehen.

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