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Aus: Ausgabe vom 29.08.2020, Seite 8 / Ansichten

In seinem Metier

Macron im Libanon
Von Hansgeorg Hermann
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Exkolonialmacht zur Stelle: Französischer Soldat vor dem zerstörten Getreidesilo in Libanons Hauptstadt Beirut (26.8.2020)

Die Zahlen, die nicht erst seit der verheerenden Explosion im Hafen der libanesischen Hauptstadt Beirut auf dem Tisch liegen, sprechen für sich: Sieben Milliardäre des Landes mit der – längst endgültig abgeholzten – Zeder im Wappen haben doppelt so viel Geld im Sack wie die Hälfte der geschätzt sechs Millionen Einwohner. Die Hälfte des Nationalvermögens teilen rund 40.000 sehr reiche »Geschäftsleute« unter sich auf, die meisten sind auf der christlichen Liste der 18 libanesischen Religionsgemeinschaften notiert.

Während die Banken dieses grässlich korrupten, weil rein kapitalistisch organisierten Staatswesens die Konten der größtenteils armen Mehrheit der Bevölkerung in der galoppierenden Wirtschaftskrise blockierten, finanzierten sie gleichzeitig rund 50 Milliarden US- Dollar schwere Kredite für den Bau von Luxusimmobilien.

In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg bauten die Herrschenden der alten Kolonialmacht Frankreich ein inzestuös zu nennendes Verhältnis zu den libanesischen Geldeliten auf, zu jenen vor allem, die sich Christen nennen. Zu erwähnen ist in diesem Rahmen die »tiefe, brüderliche Freundschaft« zwischen dem ehemaligen rechtskonservativen französischen Staatschef Jacques Chirac – einem gerichtlich verurteilten Stimmenkäufer und Veruntreuer von Staatsvermögen – und dem früheren, im Februar 2005 ermordeten libanesischen Premier Rafik Hariri. Als Chirac den Élysée verließ, zog er nicht etwa in eine der jedem Altpräsidenten zustehenden, öffentlich finanzierten, reichlich ausgestatteten Dienstwohnungen, sondern in das private Pariser Luxusappartement des Beiruter »Bruders«.

»Was will Macron im Libanon?«, fragte sich das rechte Pariser Blatt Le Figaro, als bekannt wurde, dass der Staatschef sich am kommenden Montag nach Beirut aufmachen wird. »Im Namen der Stabilität die herrschenden Regimes unterstützen, selbst wenn sie korrupt oder autoritär oder beides zugleich sind«, wie es auch sonst Richtlinie französischer Diplomatie sei? Erst einmal hatte der ehemalige Banker nach der Nitratexplosion, die am 4. August 180 Tote forderte und die halbe Stadt in Trümmer legte, ziemlich viel Geld besorgt. Denn Geld zu besorgen und Profite zu machen, ist sein eigentliches Metier. Nur, fragte sich wenig später auch die linke Zeitung L’Humanité, »für wen« tut er das, und »für welche Reformen«?

In Mali erleben Frankreich und sein Präsident samt einer mehr als 5.000 Soldaten zählenden Elitearmee gegenwärtig, was es bedeutet, als imperialistische, postkoloniale Besatzungsmacht aufzutreten und sich vor Ort auf eine Marionettenregierung zu verlassen. Im deutlich komplexeren Fall Libanon dürfte ein ähnlich simpler Reformplan (Regierung einsetzen, Korruption beseitigen, Land wieder aufbauen), wie die Süddeutsche Zeitung am Freitag frohlockte, den Präsidenten, der viel lieber ein gütiger König wäre, direkt in ein »französisches Afghanistan« befördern.

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