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Aus: Ausgabe vom 28.08.2020, Seite 8 / Ansichten

Ankaras eigener Weg

Manöver im Mittelmeer
Von Jörg Kronauer
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Spitzt den Streit um Erdgasfelder zu: Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei

Es ist Manöverzeit vor den Urlaubsstränden des östlichen Mittelmeers. Und das Besondere daran: Es proben dabei nicht NATO-Mächte den Krieg gegen Russland, es üben nicht westliche Staaten für etwaige bewaffnete Auseinandersetzungen mit China. Diesmal stehen sich gleich mehrere NATO-Mitglieder feindlich gegenüber. Am Dienstag hielt die griechische Marine Militärübungen südöstlich von Kreta ab – in einem Seegebiet, in dem ein türkisches Forschungsschiff nach Erdöl- und Erdgasvorkommen suchte. Die türkische Marine antwortete mit eigenen Trainings ganz in der Nähe. Bereits am Montag hatten griechische und US-amerikanische Truppen südlich von Kreta ein Manöver veranstaltet. Und seit Mittwoch noch bis zum Freitag findet südlich von Zypern das nächste griechische Manöver mit Beteiligung Zyperns, Frankreichs und Italiens statt. Die Türkei will kommende Woche weitere Schießübungen im östlichen Mittelmeer abhalten – allein. Sie steht, so scheint es, allen anderen NATO-Staaten isoliert gegenüber.

Worum geht’s? Um die Erdgasvorräte unter dem Boden des östlichen Mittelmeers, so lautet die Antwort, die gewöhnlich gegeben wird. Und sie stimmt. Nur: Das ist nicht alles. Immer deutlicher zeichnet sich ab, dass Grundsätzliches zur Debatte steht. Die Türkei leistet sich seit Jahren eine Außenpolitik, die nicht mehr durch ihre NATO-Mitgliedschaft bestimmt wird, sondern eigenen Expansionszielen folgt. Sie zielt vor allem auf Länder der islamischen Welt und wird oft, gar nicht unzutreffend, als »neoosmanisch« charakterisiert. Über lange Zeit spielte das Meer dabei keine spezielle Rolle. Das hat sich in den vergangenen Jahren zu ändern begonnen. Ausgehend von Führungszirkeln der türkischen Marine, hat sich in Ankara nach und nach die Auffassung etabliert, man müsse nicht nur zu Lande, sondern auch zu Wasser offensiver auftreten. Vom Konzept der »Blauen Heimat« (»Mavi Vatan«) ist die Rede. Zu Wasser jedoch gerät die Türkei rasch in Konflikt mit Griechenland: Können andere Staaten eine 200-Meilen-Zone vor ihrer Küste ökonomisch für sich beanspruchen, so dringt die Türkei damit entlang ihrer ganzen westlichen Mittelmeerküste nicht durch – denn dort liegen zahllose griechische Inseln.

Im Streit um die Erdgasvorkommen äußert sich ein Konflikt, dessen Kern letztlich in Ankaras Bestreben nach Eigenständigkeit liegt. Das führt nicht nur zum Streit mit Griechenland, sondern auch mit Frankreich, das im östlichen Mittelmeer – man denke etwa an den Libanon – ebenfalls starke Interessen hat. Strategen, die das »Mavi Vatan«-Konzept vertreten, sprechen sich dafür aus, die Türkei solle, um für den klar absehbaren Machtkampf gerüstet zu sein, den Schulterschluss mit asiatischen Mächten suchen – mit Russland, womöglich auch mit China. Diese – langfristig folgenreiche – Perspektive macht die eigentliche Brisanz der aktuellen Manöver aus.

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