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Aus: Ausgabe vom 18.08.2020, Seite 8 / Ansichten

Seite an Seite

Luftwaffe hat Besuch aus Israel
Von Arnold Schölzel
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Israelischer »F-16«-Bomber landet auf dem Fliegerhorst Nörvenich im Kreis Düren (17.8.2020)

Seit Montag hat das deutsche Taktische Luftwaffengeschwader 31 »Boelcke« in Nörvenich Besuch aus Israel zu einer gemeinsamen Übung. Der Presse wurde mitgeteilt, unter den israelischen Piloten seien Enkel von Holocaustopfern. Die wurden zitiert, der Aufenthalt sei ein »sehr bewegendes Ereignis«, wobei sich herausstellte, dass man sich längst näher kennt. In den vergangenen fünf Jahren seien die Streitkräfte beider Länder aneinandergerückt, habe es operativen und geheimdienstlichen Austausch gegeben und gemeinsame Übungen. Zweimal sei die deutsche Luftwaffe zu multinationalen Manövern in Israel gewesen. Die deutsche Verwendung israelischer Drohnen wurde nicht erwähnt. Luftwaffeninspekteur Ingo Gerhartz war aber bei soviel Gemeinsamkeit offenbar von Rührung übermannt, als er am vergangenen Donnerstag dichtete, »dass wir erstmals in unserer Geschichte Seite an Seite mit der Israelischen Luftwaffe fliegen«. Das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte sei »uns heute Auftrag, Antisemitismus mit aller Konsequenz zu bekämpfen«. Das »mit aller Konsequenz« sollte aufmerken lassen: Ist das militärisch gemeint, spricht da einer für Massenvernichtung.

Überraschend wäre das nicht. »Antisemitismus« ist etwa in der vom Bundestag angenommenen Definition ungefähr ebenso irrational konstruiert wie einst »das« Judentum. Die israelischen Luftwaffengäste legen jedenfalls ihren alten deutschen Bekannten einen Persilschein vor die heimische Haustür, auf dem steht: Nie wieder Wehrmacht, zukünftig nur noch Antifakriege.

Das Gastgeschwader »Boelcke« passt zum militaristischen Mummenschanz, der am heutigen Dienstag einen Besuch in der KZ-Gedenkstätte Dachau einschließt. Als Hermann Göring seinem Führer die Luftwaffe aufbaute, befahl der, die ersten drei Geschwader nach deutschen Heldenpiloten des Ersten Weltkrieges zu benennen: Max Immelmann, Manfred von Richthofen und Oswald Boelcke. Das war angemessen. Adolf Hitler hatte ungefähr dasselbe vor wie der Kaiser. Drei Geschwader mit diesen Namen gibt es auch in der Bundeswehr. Das ist reiner Zufall. Zwar könnte glatt einer auf die Idee kommen, dass da etwas wiederholt werden soll, aber das ist linker Alarmismus. In Wirklichkeit gibt es die Geschwader Immelmann, von Richthofen und Boelcke aus formalen Gründen: Seitdem die Wehrmacht als Traditionsstifterin ausgedient hat – von den manchmal massenhaft auftretenden Einzelfallnazis in der Bundeswehr abgesehen – und die Nationale Volksarmee der DDR es nie war, denn sie war zwangsläufig von »linkem Antisemitismus« befallen wie das Wasser von Nässe, bleibt nur die lupenreine kaiserliche Armee.

Die israelischen Piloten werden sich daher bei »Boelcke« wie zu Hause fühlen. Man kennt und schätzt sich, und ohne Kampfbomber Seite an Seite gibt es keine Neuaufteilung der Welt. Schon gar keine »antifaschistische«.

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