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Aus: Ausgabe vom 17.08.2020, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Vorbildliche Arbeit

Zu jW vom 13.8.: »Im Dienste des Friedens«

Ich begrüße die Veröffentlichung von »Im Dienste des Friedens«, d. h. Auszügen aus dem Buch »Der Fälscher« von Günter Pelzl, in welchem der Autor auch über seine erfolgreiche Tätigkeit als Offizier des OTS (Operativ-Technischer Sektor) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR berichtet. Ich als langjähriger Mitarbeiter und zuletzt Leiter der Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) des MfS der DDR kann der Schilderung der erfolgreichen Tätigkeit vom OTS des MfS nur zustimmen. War diese doch eine wesentliche Unterstützung unserer Aufklärungstätigkeit zum Beispiel in der BRD. Konnten wir doch etwa DDR-Bürger, die sich in unserem Auftrag mit Kundschaftern in der BRD trafen, mit diesen Dokumenten reisen lassen. Das geschah über all die Jahre unserer Tätigkeit ohne jegliche Pannen, deren Ursache das Personaldokument gewesen wäre. Natürlich haben auch wir die Tätigkeit des OTS wesentlich unterstützen können, indem wir zum Beispiel durch Kundschafter in der Bundesdruckerei die erforderlichen Unterlagen beschafften. Von großer Bedeutung war das beispielsweise zu dem Zeitpunkt, als die BRD den sogenannten fälschungssicheren Personalausweis einführte. Mit der Einführung dieses Dokuments waren wir tatsächlich in der Lage, unsere inoffiziellen Mitarbeiter damit auszustatten. Ich selbst habe das einmal praktiziert, indem ich mit einem solchen gefälschten Dokument nach Jugoslawien reiste und mich mit Kundschaftern aus der BRD traf. Damit entging ich der Kontrolle jugoslawischer Behörden, die sicher aktiv geworden wären, wenn ich, wie ansonsten üblich, mit DDR-Diplomatenpass gereist wäre. Aber nicht nur diese Passagen des Buches sind zum Lesen zu empfehlen, sondern das Buch insgesamt. Ich beglückwünsche Günter Pelzl erneut zu diesem Buch und danke dem Verlag für die Veröffentlichung.

Werner Großmann, per E-Mail

Mehr Kultur

Zu jW vom 5.8.: »Kraut anbauen, Schönheit verbreiten«

Mit Interesse habe ich den Artikel über »Krautrock« gelesen. Nicht erwähnt wird, dass eine dritte und vierte Folge der besprochenen CD-Reihe unterwegs sind. (…) Bear Family hat Bemerkenswertes zu bieten, so habe ich eine Box zu Gisela May von dort erhalten (…). Schon vor längerer Zeit bot Bear Family »Spanien im Herzen« an. (…) Mit einer Auswahl von Interpreten, die mit der Spanischen Republik verbunden waren (Paul Robeson, Ernst Busch, viele spanische Interpreten). Es ist gut, dass jW mehr kulturelle Belange in den Blick rückt. Danke für Bernstein und die vier Folgen Grafik, obwohl ich sie mir nicht leisten kann, aber schon der Abdruck in der Zeitung findet mein Interesse.

Gerd Schulz, Schleusingen

Sozialstaat wiederherstellen

Zu jW vom 10.8.: »Zu Lasten der Lohnabhängigen«

Sich wie Genosse Ralf Krämer als Gewerkschaftssekretär mit Konzepten des bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) nicht ernsthaft auseinandersetzen zu wollen, ist leider bei strukturkonservativen Gewerkschaftern noch immer verbreitet. Trotz Nennung von Hartz IV an einer Textstelle hat er die bereits vollzogene »Zerschlagung« des Sozialstaats noch nicht mitbekommen, die er quasi auf verlorenem Posten noch immer abwenden will. Doch selbst wenn wir uns noch des Status quo ante erfreuten, so wäre der harte Begriff »Zerschlagung« im Fall eines strukturell und quantitativ erheblich verbesserten Ersatzes eines überlebten Systems (durch das BGE) wenig sinnvoll: »Zerschlage« ich etwa bei Umzug meine frühere Wohnung, bei Pensionierung meine aktive Karriere, am Ende bei Wechsel der Parteipräferenz meine Persönlichkeit? Wäre es nicht umgekehrt zutiefst unpolitisch und am Ende reaktionär, wie Krämer alles so lassen zu wollen, wie es zufällig gerade ist? (…) Richtig ist Krämers Feststellung, dass »erhöhte Steuern oder Abgaben das Geld reinholen« müssen für das BGE. Daher kommt es für das BGE auf die Steuerstruktur insgesamt (…) an. Richtig ist auch, dass es um »immense Summen« geht, die (…) »umverteilt werden müssten«. Völlig unbegründet lässt Krämer, wieso es »ökonomisch unmöglich« wäre, »diese … zu Lasten des Kapitals und der Reichen aufzubringen«. Solche Scheinlogik könnte ebensogut jegliche Steuererhebung jeden Staats a priori zur Illusion erklären – der Lindner-Verein FDP würde Krämer mit Handkuss willkommen heißen. Die Unlogik potenziert sich in der durch gebetsmühlenartige Wiederholung noch nicht verständlicher gewordenen Parole, ein sinnfällig eingezogener doppelter Boden beim BGE könne »zur verschärften Lohndrückerei genutzt« werden. Nach Grenznutzen- oder gar Markterwägungen ist das genaue Gegenteil der Fall, das niedrigste effektive Erwerbseinkommen muss erkennbar über dem garantierten arbeitsfreien Einheitseinkommen liegen, falls ein heute noch immer Lohnabhängiger dann überhaupt noch zum Opfern seiner Lebenszeit motiviert werden soll. Zum ersten Mal genösse er Vertragsfreiheit in einem nicht nur formellen, sondern auch materiellen Sinn. (…) »Mehr Demokratie« und mehr gesellschaftliche Gleichheit »wagen« – das heißt zuerst und vor allem auch die Wiederherstellung des Sozialstaats wagen: vorzugsweise mit dem BGE.

Bernhard May, Solingen

Erheben und empören

Zu jW vom 13.8.: »Hartz bleibt Käse«

Begreift eigentlich noch irgend jemand etwas in diesem Lande? In diesem obszön reichen, einem der absolut reichsten Länder der Welt im 21. Jahrhundert wird auf höchster politischer Ebene mit Blick auf Hartz IV eine Diskussion geführt um einen Betrag pro Monat, den man im bourgeoisen Alltag für zwei bis drei Bier ausgibt. Sind inzwischen jede Verhältnismäßigkeit, jeder Anstand, jedes Scham- und Mitgefühl, jegliche Solidarität und Empathie, wirklich jeder Rest an Zivilisiertheit, Sozialität und Menschlichkeit endgültig abhanden gekommen? Ich kann und will es nicht glauben. Es muss doch noch Menschen geben, die sich geschlossen dagegen erheben und empören.

Reinhard Hopp, per E-Mail

Mehr Demokratie und mehr gesellschaftliche Gleichheit wagen – das heißt zuerst und vor allem auch die Wiederherstellung des Sozialstaats wagen: vorzugsweise mit dem BGE.

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Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • E. Rasmus: Irrglaube vom Sozialstaat »Mehr Demokratie und mehr gesellschaftliche Gleichheit wagen – das heißt zuerst und vor allem auch die Wiederherstellung des Sozialstaats wagen: vorzugsweise mit dem BGE.« – Bedingungsloses Grundeinko...
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