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Aus: Ausgabe vom 14.08.2020, Seite 8 / Abgeschrieben

Demonstration in Gedenken an Opfer von Hanau

Das Bündnis Migrantifa Bremen rief am Donnerstag zur Demons­tration in Hanau gegen Rassismus und Neonazismus am 19. August auf:

Sechs Monate nach dem rassistischen Terroranschlag in Hanau empfinden wir eine tiefe Trauer und Betroffenheit. Wir trauern mit den Angehörigen um Ferhat Unvar, Mercedes Kierpacz, Sedat Gürbüz, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtović, Kaloyan Velkov, Vili Viorel Paun, Said Nesar Hashemi, und Fatih Saracoglu. Wir trauern auch um alle, die durch rassistische, rechtsextremistische und antisemitische Angriffe ihr Leben verloren haben. Wer nach sechs Monaten glaubt, über Hanau sei alles gesagt, sei alles geschrieben, sei alles aufgearbeitet, irrt und begreift die Dimensionen dieses Terroranschlags nicht. Der Anschlag in Hanau ist ein weiterer Beleg für den uneingeschränkten Anstieg extrem rechten Terrors, der durch strukturellen und alltäglichen Rassismus gefördert wird. Als Migrantifa Bremen lassen wir die Ermordeten in Hanau nicht in Vergessenheit geraten und rufen deswegen zu einer Demonstration am 19.8.2020 in Bremen auf.

Die Deutsch-Südafrikanische Freundschaftsgesellschaft Marikana e. V. hat am Donnerstag eine Erklärung zum achten Jahrestag des Massakers an 34 streikenden Bergleuten der Platinmine Marikana des Lonmin-Konzerns bei Rustenburg/Südafrika veröffentlicht:

Am 16. August jährt sich zum achten Mal das Massaker an 34 Bergleuten der Marikana-Platinmine des Lonmin-Konzerns in Rustenburg/Südafrika. 2012 streikten die Bergarbeiter der Marikana-Mine sechs Wochen lang für eine Lohnerhöhung (…). Am sechsten Tag ihres selbständigen, von der Gewerkschaft AMCU unterstützten Streiks, wurden die Arbeiter von bewaffneten Sicherheitskräften und Polizei aufgefordert, an die Arbeit zurückzugehen. Sie wurden eingekesselt, zuerst Wasserwerfer und Blendgranaten eingesetzt, dann das Feuer mit scharfer Munition eröffnet. 34 Bergleute wurden getötet, viele weitere verletzt. Medien weltweit verbreiteten die Lüge eines »wilden Mobs«, der auf die Polizei losgegangen wäre, die Bergleute wurden aber mehrheitlich durch Schüsse in den Rücken getötet. Sie waren traditionell »bewaffnet«, mit Stöcken und Macheten, was in Südafrika zur Demonstrations- und Streikkultur gehört. (…) Das Massaker von Marikana wurde von Staat, Regierung, Polizei und Minen-Betreiber Lonmin versucht zu vertuschen, dann verharmlost, und bis heute ist niemand dafür richtig verurteilt und zur Rechenschaft gezogen worden.

Das Massaker hat sich tief in das Bewusstsein der südafrikanischen Massen eingebrannt und war der Beginn des Vertrauensverlusts der Menschen in die ANC-Regierung, der sich bis heute fortsetzt und vertieft. (…) Indirekt zu den Verantwortlichen zählt auch der deutsche BASF-Konzern, der auch nach dem Massaker die Verträge mit Lonmin verlängert hat. BASF kauft mehr als die Hälfte von Lonmins Jahresproduktion an Platin und stellt daraus Katalysatoren für VW, Daimler und BMW her.

Die Deutsch-Südafrikanische Freund­schaftsgesellschaft Marikana e. V. fordert: Restlose Aufklärung des Massakers und Haftstrafen für die Verantwortlichen des Marikana-Massakers in Regierung, Polizei und im Lonmin-Konzern! Präsident Cyril Ramaphosa gehört in Haft statt ins Parlament! Entschädigung der Witwen der getöteten 34 Bergarbeiter der Marikana-Mine!

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»Die junge Welt ist unverzichtbar, wenn ich meinen Kindern die Welt erklären will – Stefan Köpke, Dresden

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