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Aus: Ausgabe vom 10.08.2020, Seite 1 / Inland
Coronapandemie

Warnungen vor »Lockdown« in BRD

Anstieg von Infektionen mit Coronavirus auf offiziell mehr als 1.000 Fälle pro Tag
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Eine Reisende lässt sich am Hamburger Flughafen vom Deutschen Roten Kreuz auf eine Infektion mit dem Coronavirus testen (3.8.2020)

Angesichts eines Anstiegs von offiziell festgestellten Neuinfektionen mit dem Coronavirus in der Bundesrepublik warnen Kapitalseite und Gewerkschaften gleichermaßen vor einem zweiten »Lockdown«. Auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) nannte die Zunahme auf über 1.000 Fälle pro Tag »alarmierend« und sagte, ein zweites Herunterfahren des öffentlichen Lebens gelte es »mit aller Macht« zu verhindern.

»Wir müssen diesen Trend abflachen und umkehren«, sagte Altmaier den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Sonntagausgaben). Nach einem halben Jahr Erfahrung mit dem Virus sei eine medizinische Einordnung dessen nötig, was falsch gelaufen sei und geändert werden müsse, forderte er. Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Ingo Kramer, plädierte in der Bild am Sonntag für kleinere Schließungen, Quarantäne und zeitlich begrenzte regionale Reaktionen. »Wir haben gelernt, dass bei größeren Infektionsherden nicht alles stillgelegt werden muss.« Der Chef des CDU-Wirtschaftsrats, Wolfgang Steiger, hatte angesichts der steigenden Infektionszahlen gefordert, Bundesbürgern Reisen in Coronarisikogebiete zu verbieten.

Das käme »viel zu spät« und sei verfassungsrechtlich nicht durchsetzbar, sagte der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach dem Berliner Tagesspiegel (Sonntagausgabe). Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, äußerte sich verhalten optimistisch. Er sei »guter Hoffnung, dass wir inzwischen gelernt haben, mit dieser Pandemie umzugehen«. Wenn sich alle Menschen an die Hygiene- und Abstandsregeln hielten, »können wir es hoffentlich ohne einen zweiten Lockdown schaffen«.

Seit Sonnabend muss sich bei der Einreise testen lassen, wer aus Risikogebieten in die BRD einreist. Der Test ist für die Betroffenen bis drei Tage nach der Ankunft kostenlos. Als Risikogebiete eingestuft sind die meisten Nicht-EU-Staaten. In der EU hat das Robert-Koch-Institut Luxemburg, die belgische Region Antwerpen und einige Regionen Nordspaniens sowie Teile Rumäniens und Bulgariens als Risikogebiete ausgewiesen. (AFP/jW)