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Aus: Ausgabe vom 05.08.2020, Seite 10 / Feuilleton

Moser, Klaue, Elstermann

Von Jegor Jublimov
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Wer zu mosern hat, muss nicht zwangsläufig zu viele Filme mit Hans Moser gesehen haben, der größten aller Wiener Schauspiellegenden. Nein, mosern (in Wien sagt man raunzen) ist ein Ausdruck aus dem Jiddischen. Auch im Jiddeln war Moser, dessen Vorfahren aus Frankreich und Ungarn stammten und der morgen vor 140 Jahren geboren wurde, ein Meister, wie überlieferte Schallplatten beweisen. Er war mit einer Jüdin verheiratet, die 1938 zwangsweise nach Budapest umgesiedelt wurde und um deren Leben Moser bis 1945 bangen musste. Kürzlich veröffentlichte der Filmverlag Absolut Medien den lange verschollenen Film »Die Stadt ohne Juden« (1924) auf DVD. Er war nach einem noch heute aktuellen Roman von Hugo Bettauer entstanden, der am Beispiel einer Stadt, die die jüdische Bevölkerung zwangsaussiedelt, den Antisemitismus ad absurdum führt. Ausgerechnet Hans Moser spielte in seiner ersten filmischen Hauptrolle einen verbohrten Antisemiten, der am Schluss den Verstand verliert.

Auch Filme mit Hans Moser haben in gut klimatisierten Filmbunkern überlebt, für die Wolfgang Klaue als Direktor des Staatlichen Filmarchivs der DDR bis 1990 für mehr als zwei Jahrzehnte die Verantwortung trug. Die DDR brachte erhebliche Mittel auf, um das deutsche und internationale Filmerbe zu sichern, errichtete in Berlin-Wilhelmshagen Bunker nach modernsten Gesichtspunkten, an denen sich Archive in aller Welt orientierten. Klaue wurde zum Präsidenten der FIAF gewählt, der internationalen Vereinigung der Filmarchive, und erhielt später eine Medaille der UNESCO. Ab 1990 kämpfte Klaue darum, gegen viel Widerstand die noch in der DDR beschlossene Einrichtung der Defa-Stiftung durchzusetzen, und wurde 1998 ihr Gründungsvorstand. Auch er hat morgen Geburtstag – den 85.!

Im Dezember wurde der Filmjournalist Knut Elstermann mit dem Förderpreis der Defa-Stiftung für sein Lebenswerk ausgezeichnet, dabei wurde er gestern erst 60! Der Berliner mit dem alliterierenden Spitznamen »Kino King Knut« ist regelmäßig auf Radio eins zu hören und begann nach seinem Journalistikstudium in Leipzig beim Neuen Deutschland, ehe er 1992 zum ORB (heute RBB) wechselte, wo er seitdem eine wöchentliche Filmsendung moderiert. Er kennt sich nicht nur mit den aktuellen Filmen aus und berichtet von Festivals wie Cannes und Cottbus, sondern hat auch erfolgreiche Bücher geschrieben. »Gerdas Schweigen« über eine Auschwitz-Überlebende wurde 2008 dokumentarisch verfilmt. Dass ihn die Geschichte seiner Heimatstadt nicht loslässt, zeigen Bücher wie »Klosterkinder« (2009) über das Gymnasium zum Grauen Kloster, das in der DDR zur EOS bzw. Erweiterten Oberschule wurde, oder »Meine Winsstraße« (2013).

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