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Aus: Ausgabe vom 31.07.2020, Seite 10 / Feuilleton
Pop

Marsch! Marsch!

The Dixie Chicks, die nun The Chicks heißen, mit neuem Album
Von Thomas Grossman
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Gehasst und geliebt: Die Dixie Chicks bei den Grammys 2007

Man hätte sie fast vergessen. Ende der 90er waren sie eine der weltweit bekanntesten Countrybands: Die Dixie Chicks, namentlich Natalie Maines (Gitarre) sowie die beiden Schwestern Emily Strayer (Banjo) und Martie Maguire (Geige). 1998 verkauften sie mit »Wide Open Spaces« mehr Alben als alle anderen Countrymusiker zusammen, und auch »Home« (2002) schaffte es an die Spitze der US-Album-Charts.

Ihr Label Sony hatte sie wegen ihres Namens gewarnt, waren aber besorgter wegen »Chicks« (wörtlich: Küken, aber besser zu übersetzen mit Mieze oder Puppe) als wegen »Dixie«, eine beschönigende Kurzform für die ehemaligen US-Süd-, also Sklavenhalterstaaten. Doch die drei Frauen hatten ihren Namen als Referenz an den Song »Dixie Chicken« (1973) der Rockband Little Feat gewählt.

Viele Countryfans nahmen an, dass eine Band mit so einem Namen die konservativen »Südstaatenwerte« hochhalten würde. Doch im März 2003, neun Tage vor dem US-Einmarsch in den Irak, erklärte Maines einem Londoner Publikum, dass die Band sich schäme, dass ihr Präsident, George W. Bush, genau wie sie aus Texas käme. Damit traten sie in ihrer Heimat eine Lawine los, Radiostationen verbannten ihre Songs, Müllbehälter für ihre CDs wurden aufgestellt, es gab Todesdrohungen. Trotzdem landete ihr nächstes Album »Taking the Long Way« (2006) wieder auf der Eins, und sie bekamen dafür fünf Grammys.

Aber ganz erholten sie sich nie von dem »Vorfall«, sie pausierten, der Begriff »Dixie Chicked« wurde gleichbedeutend mit »Karriereselbstmord«. Die Schwestern Maguire und Strayer brachten zwei Alben heraus und Maines ein Soloalbum.

Jetzt sind sie nach 14 Jahren zurück mit dem Album »Gaslighter«, eine Bezeichnung für Personen, die andere gezielt mit psychologischen Tricks verunsichern, und die oft auf Präsident Donald Trump angewendet wird. Die Songs drehen sich jedoch meist um die bittere Scheidung Maines von dem Schauspieler Adrian Pasdar. In »Tights on My Boat« geht es z. B. um eine vergessene Strumpfhose einer anderen Frau auf Maines’ Boot. »March March« (Marsch, Marsch), der beste Song, ist eine Ausnahme, thematisiert Klimawandel und Waffenmissbrauch. Das dazugehörige Video ist kämpferisch, blendet die Namen von durch die Polizei ermordeten Schwarzen ein.

Als dieses Jahr die »Black Lives Matter«-Proteste sich von Stadt zu Stadt verbreiteten, Denkmäler von Dixie-Generälen fielen, die Band Lady Antebellum – ein beschönigendes Wort für die Zeit der legalen Sklaverei in den Südstaaten – ihren Namen verkürzte, zogen auch die Dixie Chicks nach: Seit Ende Juni heißen sie nur noch »The Chicks«.

The Chicks: »Gaslighter« ­(Columbia)

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