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Aus: Ausgabe vom 03.08.2020, Seite 16 / Sport
Ausbildung

»Ich bin jetzt doppelt motiviert«

Wie studiert man Profitrainer? Ein Gespräch mit Exskispringer Andreas Wank
Von Andreas Müller
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»Eingeschliffener Bereich«: Andreas Wank bei einem Trainingssprung in Garmisch-Partenkirchen (2016)

Im Juli 2019 hatten Sie als 31jähriger Ihr Karriereende bekanntgegeben, nun starteten Sie am 21. Juli Ihre Ausbildung an der Trainerakademie des Deutschen Olympischen Sportbundes in Köln. Es scheint, der Sommer ist für Wintersportler die Zeit der großen Entscheidungen.

Bei mir ist das eher ein Zufall. Eigentlich sollte das Studienjahr an der Trainerakademie schon im April beginnen, doch wegen Corona wurde der Start um drei Monate auf Juli verschoben. Und was das Ende der Karriere betrifft, so wollte ich ja ursprünglich bis zu den nächsten Olympischen Winterspielen 2022 in Peking weiterspringen. Doch dann kam voriges Jahr im Frühjahr das Angebot vom Deutschen Skiverband, als Trainer bei der Nationalmannschaft praktisch von oben in den Trainerberuf einsteigen zu können. Nach einer kleinen Bedenkzeit habe ich mich entschieden, diesen Weg zu gehen, und anschließend sofort den A-Trainer-Schein gemacht – die C- und B-Lizenzen hatte ich bereits während meiner aktiven Karriere erworben.

Weil die A-Lizenz eine der Voraussetzungen ist, um an der Trainerakademie aufgenommen zu werden?

Ja, genau, ohne A-Schein geht das nicht, egal in welcher Sportart. Außerdem gehört meines Wissens eine Befürwortung des Sportfachverbandes dazu, in meinem Fall des Deutschen Skiverbandes. Ich will studieren, um diese berufliche Chance zu ergreifen.

Ihr Lebensmittelpunkt liegt seit 2010 in Hinterzarten im Schwarzwald, die Trainerakademie befindet sich in Köln. Sie werden weit pendeln müssen …

Mit dem Auto braucht man für die Strecke nicht ganz vier Stunden. Das ist eine relativ kleine Distanz im Vergleich zu dem, was wir Skispringer an Reisestrapazen gewohnt sind. Der Ablauf wird so sein, dass man jeden Monat eine Woche für die Vorlesungen und Seminare vor Ort sein muss und den Unterricht dann zu Hause vor- und nachbereitet. Außerdem gehört, neben den ganz normalen Prüfungen, viel Praxis dazu. Die Ausbildung ist ein gutes Wechselspiel zwischen Theorie und Praxis. Für mich wird besonders wichtig sein, mir möglichst viel theoretisches Grundlagenwissen zum Beispiel über Trainingsmethodik abzuholen.

Im akademischen Betrieb sind Sie kein Neuling. Vor vier Jahren haben Sie an der Hochschule Ansbach ein Bachelorstudium im Fach International Management abgeschlossen.

Das ist richtig, nach acht Jahren, in denen ich jedes Jahr ein Semester absolviert habe. Das war ein sehr flexibel und speziell für Leistungssportler gestalteter Studiengang. Ich habe das vor allem gemacht, um gedanklich auch mal vom Sport abzuschalten, nicht immer den ganzen Tag mit Skispringen beschäftigt zu sein. Mit der Ausbildung zum Diplom-Trainer, die mir eine echte berufliche Perspektive gibt, ist dieser Bachelor nicht zu vergleichen. Mit der Offerte des DSV im Rücken bin ich jetzt doppelt motiviert. Außerdem freue ich mich darauf, den Leistungssport nun einmal aus unterschiedlichen und anderen Blickwinkeln zu betrachten. Skispringerkollege Martin Schmitt, der auch an der Akademie studierte, hat mich schon eingestimmt.

Apropos andere Blickwinkel: Beim Studium werden rund drei Dutzend Kommilitonen aus allen möglichen Sportarten neben Ihnen die Bank drücken. Kann man da, etwa von Turnern oder Trampolinspringern, etwas Übergreifendes mitnehmen?

Diese bunte Mischung ist ein zusätzlicher Reiz gerade für einen ehemaligen Skispringer, der aus einer kleineren Sportart kommt und aus einem, sagen wir mal, eingeschliffenen Bereich. Bei den Elitespringern sind wir sehr spezialisiert und arbeiten nicht übergreifend mit anderen Sportarten zusammen. Am Ski-Internat in Oberhof allerdings habe ich das erlebt. Bei den Kindern und Jugendlichen und der etwas allgemeineren sportlichen Ausbildung im Nachwuchs ist so etwas nichts Ungewöhnliches.

Den praktischen Teil der Ausbildung werden Sie vor allem als Assistent von Bundestrainer Stefan Horngacher absolvieren, der im vorigen Jahr Werner Schuster beerbte?

So ist es besprochen. Kann sein, dass es manchmal sehr stressig wird, wenn ich direkt von einem Wettkampf am Montagmorgen pünktlich zur Vorlesung in Köln sein muss. Mit Stefan Horngacher haben wir vielleicht den derzeit weltweit besten Skisprungtrainer im Team, von dem ich unheimlich viel mitnehmen kann. Der Plan ist, dass ich bis zu den nächsten Winterspielen 2022 als einer von vier Kotrainern bei der Nationalmannschaft tätig bin und nebenher das Trainerstudium durchziehe. Wie es anschließend weitergeht, das ist noch offen. Kann sein, dass ich nach meinem »Einstieg oben« anschließend in den Nachwuchsbereich wechseln werde, um dort ebenfalls Erfahrungen als Trainer zu sammeln.

Andreas Wank wurde 2014 in Sotschi Skisprung-Olympiasieger im Teamwettbewerb. Er studiert an der Trainerakademie des deutschen Sports

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