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Aus: Ausgabe vom 03.08.2020, Seite 2 / Inland
Zweierlei Maß

Gewalt gegen Räumungsgegner

Demo für Erhalt linker Kiezkneipe in Berlin brutal aufgelöst
Von Sandra Schönlebe
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Austoben nach moderatem Einsatz bei »Coronarebellen«: Polizeibeamte am Samstag abend in Neukölln

Bis zu 3.000 Menschen haben sich am Samstag abend einer Demonstration für den Erhalt linker Projekte durch Berlin-Neukölln angeschlossen. Anlass war die für den 7. August geplante Räumung der alternativen Kiezkneipe »Syndikat«, die nach 35 Jahren den Profitinteressen der neuen Eigentümer weichen soll.

Unter dem Motto »Raus aus der Defensive« bewegte sich der Aufzug ab 20 Uhr ausgehend vom Herrfurthplatz durch den angrenzenden Schillerkiez. Fast alle Teilnehmenden trugen Mundschutz, zudem waren viele Transparente und Regenschirme sowie vereinzelt Pyrotechnik zu sehen, gelaufen wurde in dynamischem Tempo. Ein »Syndikat«-Sprecher zeigte sich gegenüber junge Welt überrascht über die hohe Teilnehmerzahl.

Doch bereits an der nahen Hermannstraße stoppte die Polizei den Aufzug. Einsatzkräfte rannten augenscheinlich wahllos in die Menschenmenge. In einem auf Twitter veröffentlichten Video einer merklich schockierten Anwohnerin ist zu sehen, wie Beamte anscheinend grundlos Menschen zu Boden bringen und regelrechte Jagdszenen beginnen.

Daraufhin kam es zu Flaschen- und Steinwürfen. Nach Polizeiangaben löste die Versammlungsleitung den Zug nun auf. In den angrenzenden Nebenstraßen gab es weitere Konfrontationen, bei denen auch Gegenstände auf die Straße geräumt wurden, um kurzfristig eine Barrikade zu errichten. Ein Neubau in der Flughafenstraße wurde mit Farbeiern beworfen. Nach einer Stunde kehrte langsam wieder Ruhe ein.

Gegen 23 Uhr kam es im bürgerlich geprägten Stadtteil Prenzlauer Berg zu einer weiteren Spontandemonstration mit Pyrotechnik, um gegen die gewaltsame Auflösung des Protests zu protestieren. Laut Polizei waren hier etwa 200 Personen beteiligt und es gab drei Festnahmen.

Die Einsatztaktik der Polizei provozierte damit erneut Kritik und warf die Frage nach doppelten Standards auf: Am Nachmittag hatten die Beamten einen Aufzug von Zehntausenden rechtsoffenen bis rechten »Coronakritikern« trotz eklatanter Verstöße gegen die Hygieneauflagen und wiederholter Angriffe auf Medienvertreter stundenlang gewähren lassen. Die ZDF-Reporterin Dunja Hayali musste ihren Dreh abbrechen, weil sie bedrängt wurde; dem Fotografen Björn Kietzmann wurde mit einer Kamera auf den Kopf geschlagen.

Nach offiziellen Angaben waren am Samstag insgesamt 1.100 Beamte im Zusammenhang mit Demonstrationen in Berlin im Einsatz. Ihr Verhalten in Neukölln könnte ein Vorgeschmack darauf sein, wie sie am kommenden Freitag agieren werden. Für den 7. August um 9 Uhr ist die Räumung des »Syndikats« angesetzt. Für die gesamte Nacht zum Freitag sind in direkter Nähe Kundgebungen von Unterstützenden geplant. Die »Lange Nacht der Weisestraße« soll ein buntes Programm bieten und »leidenschaftlich, solidarisch und deutlich klar machen: Räumung is’ nich! – Syndikat bleibt!« Die Lokalität erfreut sich großer Beliebtheit in der Nachbarschaft und ist eine der letzten nichtkommerziellen Einrichtungen in der Gegend.

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