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Aus: Ausgabe vom 01.08.2020, Seite 4 (Beilage) / Wochenendbeilage
Faschistisches Attentat

Ein Sommertag

Der Anschlag von Bologna, 2. August 1980
Von Martino Lombezzi
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Ein Taxi, das von den Trümmern der einbrechenden Wartehalle zerquetscht wurde

Samstag, 2. August 1980 um 10.25 Uhr. Ein in einem abgestellten Koffer versteckter Sprengsatz, bestehend aus TNT und T4, detoniert in einem überfüllten Wartesaal des Bahnhof Bologna. Die Explosion zerstört den westlichen Flügel des Empfangsgebäudes und beschädigt einen Zug, der zwischen Ancona und Basel unterwegs ist und auf Gleis 1 hält. Das Dach des Wartesaals bricht zusammen, die Glasscheiben der Fahrkartenschalter und aller umliegenden Geschäftszeilen bersten. Die tragische Bilanz der Explosion: 85 Tote und mehr als 200 Verletzte.

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Marina Gamberini arbeitete in den Büros der Restaurantfirma Cigar eine Etage über der Wartehalle, als die Bombe explodierte. Ihre Kolleginnen Katia Bertasi, Mirella Fornasari, Euridia Bergianti, Nilla Natali, Franca Dall›Olio und Rita Verde starben. Nur sie und ein weiterer Kollege konnten gerettet werden. – Der Stadtbus 37, der für Rettungseinsätze genutzt wurde

Sofort werden Rettungsmaßnahmen organisiert, und noch vor Ankunft von Krankenwagen, Feuerwehr und Soldaten helfen Passanten, Eisenbahner, Kofferträger, Polizisten und Taxifahrer den Verletzten. Lange Menschenketten bilden sich, entfernen Schutt und Steine in der Hoffnung, unter den Trümmern weitere Überlebende zu finden. In der Nacht endet die Schuttbeseitigung: Alle Verletzten sind geborgen, die Toten in die Leichenhäuser gebracht. Am 6. August, dem Tag der Beerdigung, kommen Tausende Menschen aus ganz Italien nach Bologna, um den Opfern ihre Solidarität zu zeigen und gegen das Attentat zu protestieren. Sie füllen die Piazza Maggiore sowie die umliegenden Straßen und Plätze.

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Eliseo Pucher wartete am 2. August auf seinen Zug, der ihn zur Arbeit nach Salsomaggiore bringen sollte. Die Detonation brach ihm beide Beine. – Dieses Skateboard hatte Giuseppe Soldano am Tag des Anschlags bei sich. Soldano wurde nach der Explosion von seinem Vater aus den Trümmern gezogen. Er erwachte mit mehreren gebrochenen Rippen sowie einer Kopf- und Lungenverletzung

Mehrmals wird versucht, die Ermittlungen der Richter zu behindern. Erst 1995 verurteilt die Sektion für Strafsachen des Obersten Kassationsgerichtshofs die Terroristen der neofaschistischen Nuclei Armati Rivoluzionari (NAR) – Giuseppe Valerio Fioravanti und Francesca Mambro – wegen des Attentats vom 2. August 1980 zu lebenslanger Haft. Luigi Ciavardini, ebenfalls Mitglied der NAR und zur Tatzeit minderjährig, wird als Vollstrecker des Anschlags im Jahr 2007 endgültig zu 30 Jahren Haft verurteilt. Wegen Behinderungen der Ermittlungsarbeiten werden Francesco Pazienza, Licio Gelli, General Pietro Musumeci und Oberst Giuseppe Belmonte verurteilt, die letzten beiden waren Offiziere des Militärgeheimdienstes.

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Das Fotoalbum von Sonia Zanotti, die bei dem Attentat schwer verletzt wurde. Es zeigt sie ein paar Wochen nach dem Anschlag im Krankenhaus mit ihrer Familie. – Die Unterlagen der Opfer, die ­infolge des Attentats starben, und die ihrer Angehörigen, die in den Archiven des Vereins der Familien der Opfer des Anschlags aufbewahrt werden

Einige der hier porträtierten Personen befanden sich am 2. August 1980 im Bahnhof von Bologna. Andere haben bei der Explosion ein oder mehrere Familienmitglieder verloren. Die Bombe traf sie alle und hat ihr Leben für immer verändert. Ergänzt werden die Porträts von Objektfotografien, Gegenstände, die den Verletzten und Angehörigen der Opfer gehören und auf ihr früheres Leben verweisen. Es sind dies die wenigen verbliebenen Spuren des 2. August 1980.

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Debatte

  • Beitrag von Dr. rer. nat. Harald W. aus H. ( 2. August 2020 um 15:20 Uhr)
    1980 gab es auch ein Attentat auf das Oktoberfest, im Zuge des Strauß-Wahlkampfes für die Bundestagswahl – im Umfeld der neonazistischen Wehrsportgruppe Hoffmann. Das ist richtiger Terrorismus. »Aus dem Nichts« in richtige Menschenmassen hinein – wie auch die Anschläge in Nairobi (100 Tote) und New York von Al-Qaida. Im Gegensatz zum Verhandlungsgeiselnahmen.

    Faschismus ist Kamikazemilitarismus – und dies ist eine große Differenz zum normalen Selbsterhaltungstrieb, den der Staat schützen soll. Sozusagen das Antiinstinktivste, was sich alle vorstellen können.

    Trotzdem haben die Faschisten damit sechs Jahre lang (Deutschland, Italien, auch mit Japan in Asien) Weltkrieg führen können.

    Zuwenig Wissenschaft, Vernunft, Mathematikartige.

    Der Mensch gewöhnt sich so ziemlich an alles – eine Politik der Angst!

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