Contra Kapitalismus, Protest-Abo!
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Aus: Ausgabe vom 30.07.2020, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Zurück zur Heimarbeit

Zu jW vom 20.7.: »Kapital setzt auf ­Homeoffice«

Was heute modern und schick »Homeoffice« heißt und in der Wirtschaft im Zuge von »Corona« viel Interesse gefunden hat, das wurde einmal schlicht »Heimarbeit« genannt. So sehr sich beide Arten der Beschäftigung unterscheiden mögen, sie haben eines gemeinsam, und es ist das, was das Kapital dabei im Auge hat: eine raffinierte Ausbeutungsmethode – kostensenkende Wirkung für das Kapital, Selbstausbeutung der »Arbeitnehmer« und Entgrenzung der Arbeitszeit. Angesichts der Entwicklung der Maschinerie, von den Manufakturen beginnend über modernste Industrie, war Heimarbeit eher zur Randerscheinung geworden und immer weniger bedeutend für Arbeitsverhältnisse und Lohnerwerb. Modernste Computertechnik macht sie wieder möglich und lässt »Arbeitnehmer« scheinbar freizügigst ohne Zwang und Zeitrahmen ganz nach eignen Wünschen und Bedürfnissen ihren Lebensunterhalt bestreiten. So die bekannte Lesart, wenn »Arbeit ganz nach eigener Freiheit« angepriesen wird. Das Einsparen von Kosten ist bedeutend: Jeder Arbeitsplatz verursacht Kosten, von der Einrichtung bis zur Energie, von Versorgung, Unterhaltung bis zur Betreuung der »Arbeitnehmer« im Büro und Betrieb. Da lohnt sich das Rechnen. Zumal Homeoffice wie vor Jahrhunderten die ganze Familie einschließlich officegebildeter Kinder begeistert, mit einspannen kann usw. Nähen, Weben, Stricken, Holz-, Leder-, Pinsel- oder Bürstenfertigung bedeuteten schwere Überarbeit für die ganze Familie zum Hungerlohn. Homeoffice ist nicht weit davon entfernt, und es bleibt abzuwarten, wie die Antworten der Gewerkschaften darauf aussehen.

Roland Winkler, Aue

Sozialismus, was sonst

Zu jW vom 23.7.: »USA drohen Weltmacht«

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, warum eine sozialistische Gesellschaftsordnung machbar und dringend notwendig ist, dann ist es die aktuelle Situation mit der Pandemie und Huawei. Wieso dieser Zusammenhang, mag man sich fragen? Zunächst führen uns die Einsätze der kubanischen Helfer und Ärzte vor, wie wirksame, gelebte Solidarität mit Hilfsbedürftigen beinahe in aller Welt aussehen kann. Mit Huawei und der panischen Bekämpfung dieses Unternehmens wiederum, mit der sich das US-Imperium und Teile seiner Drohnen (im wesentlichen die NATO-Staaten) zur Zeit befassen, wird deutlich, dass ein in seinen Grundlagen sozialistisches Land wie China einen Hochtechnologiekonzern hervorbringen kann, der mit Spitzenleistungen aufwartet. Damit bezeugen die Kubaner Humanismus und die Chinesen Kreativität. Humanität, geplante (!) Ökonomie und Kreativität fürchten die »Power Elites« (C. Wright Mills) aber wie der Teufel das Weihwasser. Nach der Logik des kriminellen kapitalistischen Systems sind beide Erscheinungen bis aufs Messer zu bekämpfen. Eine friedliche, auf Autonomie gerichtete Politik der Kubaner (…) ist natürlich eine radikale Bedrohung für das US-Imperium. Die Marktführerschaft (»5G«) eines sozialistischen Technologiekonzerns kratzt gewaltig an der Verwertungslogik des Kapitals. Außerdem wird bekanntlich die »Sicherheit der USA« mit »brutaler Gewalt« durch den »Bildungsterrorismus«, den »Gesundheitsterrorismus« und den »Terrorismus im Streben nach Autonomie von Staaten« durch das »kubanische Terrorregime« gefährdet. Für Leute wie US-Präsident Donald Trump: Die Sätze waren ironisch gemeint (…). Wie sonst kann man eine Politik verstehen, wenn dabei so offensichtlich die Vernunft und alle Reste bürgerlicher und humaner Gesinnung in den Schmutz getreten werden? Meiner Meinung nach haben wir Argumente in Hülle und Fülle, auf den Straßen, in den Betrieben und den Familien Aufklärung zu betreiben. Wir müssen’s nur eben auch tun.

Manfred Pohlmann, Hamburg

Offen und bedenkenlos

Zu jW vom 24.7.: »Richtiger Riecher«

Wer die Entstehungsgeschichte und die »Aufbauhelfer« der bundesdeutschen Behörden kennt und sich mit deren Entwicklung befasst, wird sich über die Vorkommnisse in Bundeswehr und Polizei hinsichtlich rechter Strukturen nicht wundern. Nachdem mit der Übernahme der DDR die ersten Bundeswehr-Offiziere und -Unteroffiziere in ostdeutschen Kasernen eingezogen waren, dauerte es nicht lange, bis »Landserbilder« in Dienstzimmern an den Wänden hingen. Nicht verschämt oder versteckt in irgendwelchen Spinden, sondern ganz offen an der Wand. Auf meine Forderung hin, diese Bilder umgehend zu entfernen, wurde ich mit Unverständnis darüber belehrt, dass es sich doch nur um Bilder deutscher Soldaten handele. Dass diese Armee verbrecherische Befehle umgesetzt hat, dass es den unpolitischen Soldaten oder Polizisten systemisch nicht geben kann, weil der Soldaten- oder Polizeiberuf immer auch eine politische Aufgabe ist, wird in der politischen Bildung (in der Bundeswehr: Unterricht in »innerer Führung«) nicht vermittelt. Man braucht halt wieder Soldaten, die bereit sind, bedenkenlos in Kriege zu ziehen. Heute wird dieser unschöne Sachverhalt versteckt hinter Floskeln wie »Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt« (der verstorbene Exverteidigungsminister Peter Struck, SPD) oder der Rede von der »gewachsenen Verantwortung Deutschlands in der Welt« (offizielle Auffassung der Bundesregierung). Man schaue in die verteidigungspolitischen Richtlinien der Bundeswehr. Die Aussagen lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig.

André Harzer, per E-Mail

Alte Missstände

Zu jW vom 27.7. : »›Das Ausbeutungssystem gibt es seit 25 Jahren‹«

Stünde es nicht wenigstens einer, sagen wir, »sozialistischen« Zeitung gut an, in der Diskussion um die »Missstände« in den »Schlachthöfen« mal zumindest an Upton Sinclair und vielleicht Bert Brecht zu erinnern? Wie gerne würde ich eine gut recherchierte Geschichte der »Schlacht(hof)missstände«-Literatur lesen. Wo mag sie beginnen? Bei Homer? Im Alten Testament?

Martin Götz, per E-Mail

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, warum eine sozialistische Gesellschaftsordnung notwendig ist, dann ist es die aktuelle Situation mit der Pandemie und Huawei.

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Debatte

  • Beitrag von Torsten Andreas S. aus B. (30. Juli 2020 um 16:02 Uhr)
    Herr Götz! Vielen Dank, dass Sie Herrn Upton Sinclair auch im Blick haben! Sie beweisen, dass Sie und viele aufrechte Menschen die Geschichte nicht als lapidaren Verlauf, sondern als eine Auseinandersetzung der verschiedenen Gruppen und Klassen im Auge behalten. Meine drei Bände von Sinclair stehen in der zweiten Reihe rechts oben links. Ob man die heute noch lesen kann, wenn die verlogene Alltagsblödelei allgemein gilt?

    Ich hab’ die natürlich sofort rausgeholt und gelesen. Fakt ist: Das können wir vergessen. Wie ich mir ein Bein ausreißen kann, dass unsere Tochter Klavier übt. Obwohl: Sie übt Klavier. Gut fürs Hirn, predige ich immer.

    Zur Schulpflicht gehören Emil Nolde und Martin Luder, später auch Herr Wagner. Denen ich wegen der Neigung zum Judenhass auf keinen Fall einen Wert zur Schulbildung zugestehe. Doch sie gehören ins Programm. Genau aus diesem Grund ist die Schulpflicht unerträglich.

    Bleiben wir kritisch! Das Programm der Schule ist altbacken und passt nicht in die Neuzeit.

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