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Aus: Ausgabe vom 30.07.2020, Seite 6 / Ausland
Indien

Modi überfordert

Zahl der Coronainfektionen in Indien steigt stark. Keine einheitliche Strategie in der Bekämpfung der Virusausbreitung
Von Thomas Berger
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Die Zahl der Tests soll erhöht werden: Medizinische Angestellte am Sonntag in Mumbai

Dienstag abend wurden in Indien mehr als 1,5 Millionen Coronainfektionen registriert, meldete die englischsprachige Tageszeitung The Hindu. Tags zuvor hatten Politik, Experten und Medien Alarm geschlagen. Mit 49.931 Neuinfektionen binnen 24 Stunden von Sonntag auf Montag hat die Ausbreitung ein Tempo erreicht, das selbst die Situation in den Hotspots USA und Brasilien übertraf.

Der minimale Rückgang im Vergleich – am Dienstag wurden 47.703 Ansteckungen verzeichnet und am Mittwoch rund 48.000 – kann angesichts des Rekordwerts vom Montag kaum beruhigen. Zwar bemühte sich die Regierung anschließend. In der Bundeshauptstadt Neu-Delhi fiel die Zahl der Neuansteckungen nach Montag um 40 Prozent. Im Hinblick auf den Rest des Landes bleibt die Gesamtlage hingegen noch immer kritisch, zumal die offiziellen Angaben nur einen Ausschnitt der Realität darstellen.

Erstmals wurden am vergangenen Sonntag mehr als 500.000 Tests im Land vorgenommen. Dies ist aber gemessen an einer Gesamtbevölkerung von 1,4 Milliarden und im globalen Vergleich eine eher geringe Quote. In der Tendenz ist jeder zehnte Test positiv. Angesichts dieser Tatsache ließ Indiens Premierminister Narendra Modi in dieser Wochen drei weitere Testzentren eröffnen. Daran, dass der hindu­nationalistischen Regierung die Kontrolle der Virusausbreitung immer stärker entgleitet, kann das wenig ändern.

Ende März hatte Modi über Nacht einen verschärften Lockdown verordnen lassen – ohne jede Möglichkeit individueller Vorbereitungen. Der Bahn- und Busverkehr im Land wurde komplett eingestellt und das Alltagsleben auf ein absolutes Minimum heruntergefahren. Als Schutzmaßnahme war das zwar temporär und je nach Region effektiv, doch bei weitem nicht für alle Bürger. Nicht nur die Abermillionen von Arbeitsmigranten, sondern auch lokale Tagelöhner und andere aus der Gruppe der Ärmsten, wurden von den Einschränkungen besonders hart getroffen. Die später eingerichteten Notküchen und die geordnete Rückführung in Heimatregionen halfen nur bedingt, ja trugen sogar teilweise dazu bei, das Virus im Land zu verbreiten.

Seit der Lockerung des nationalen Lockdowns Anfang Juni ist das föderal organisierte Land nun ein echter Flickenteppich: Es gibt Unionsstaaten, die flächendeckend umfassende Beschränkungen aufrechterhalten, während andere ein hohes Maß an Bewegungsfreiheit bieten. Eine dritte Gruppe hat einzelne Distrikte unter Quarantäne gestellt oder verfolgt die Strategie eines eingeschränkten Lockdowns – zwei Tage die Woche oder generell am Wochenende.

Die Infektionszahlen jedenfalls stiegen erheblich an. Allein zwischen dem 27. Juni (508.000) bis zum 27. Juli hat es nahezu eine Verdreifachung der Fälle gegeben. Der Bundesstaat Maharashtra, in dem die Wirtschaftsmetropole Mumbai liegt, liegt im Regionenvergleich mit 375.000 Fällen an der Spitze. Weitere Hotspots sind die beiden südlichen Flächenstaaten Tamil Nadu und Karnataka und Modis Heimatstadt Surat im westlichen Staat Gujarat. Dort haben sich vor allem Beschäftigte in der Diamantenbranche angesteckt.

Im Nordosten Indiens gibt es wiederum zusätzlich eine weitere Krise: Über 3.000 Dörfer in 26 Distrikten stehen im Unionsstaat Assam wegen der schweren Monsunregen vom 20. Juli noch immer unter Wasser. 3,8 Millionen Menschen sind allein dort von den Folgen betroffen, über 50.000 harren in Notunterkünften aus. Im Staat Bihar, der als Armenhaus des Landes gilt, sieht es nicht besser aus. Etwa eine Million Menschen in zehn Distrikten leiden dort unter den Überflutungen. Evakuierungseinsätze und beengte Nothilfestationen machen es unmöglich, Coronaabstandsregeln oder weitere Schutzmaßnahmen einzuhalten. Die Besorgnis ist groß, dass sich hier aufgrund der Lage auch das Virus verstärkt ausbreiten könnte.

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Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Achim Lippmann, Shenzhen: Schwierige Phase Narendra Modis Bharatiya Janata Party (BJP) und die Zhōng Guó Gòng Chǎn Dǎng (Kommunistische Partei Chinas) sind die beiden größten Parteien der Welt. Beide haben um die 100 Millionen Mitglieder. Aber...

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