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Aus: Ausgabe vom 27.07.2020, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Revanchisten am Werk

Zu jW vom 16.6.: »Zurechtgelegte Geschichte«

Das 75. Jahr nach der Befreiung von der Nazibarbarei durch die Rote Armee nehmen die neuen inhaltlichen Betreiber der sowjetischen Gedenkstätte Seelower Höhen vom Verein »Zeitreise Seelower Höhen« zum Anlass, ihr nationalistisches Ansinnen kaum verhüllt öffentlich zu propagieren. Sie erdreisten sich, den heldenhaften Kampf der Sowjetsoldaten herabzuwürdigen und zugunsten der Nazis zu relativieren. Vor allem der Begriff Befreiung stört sie. Die Märkische Oderzeitung (MOZ) vom 17. März veröffentlichte unter dem Titel »Kräftig am Mythos des ›T-34‹ gewackelt« einen Bericht über eine Veranstaltung des Vereins in Kienitz, dem ersten, bereits am 31. Januar 1945 befreiten Ort diesseits der Oder, auf der nicht etwa an dieses Ereignis erinnert, sondern vielmehr über die Panzerschlacht bei Dubno, die einen Tag nach dem Überfall auf die Sowjetunion stattfand, schwadroniert wurde. Der Militärhistoriker Roman Töppel begründete demnach den damaligen deutschen Sieg u. a. damit, dass die sowjetischen Kampfpanzer »T-34« trotz vierfacher zahlenmäßiger Überlegenheit wegen ihrer technisch-taktischen Mängel unterlegen gewesen seien. Er habe von den 50 Zuhörern »viel Applaus« erhalten. Am 11./12. April wurde durch einen redaktionellen Artikel der MOZ (…) die »Funktion« einer Gedenkstätte wie jener auf den Seelower Höhen in Frage gestellt. Das Denkmal sei schließlich auf Anweisung der Sowjetführung entstanden. Es habe daher gewaltige Formen und Ausmaße annehmen müssen. (…) Außerdem habe der sowjetische Marschall Georgi Schukow ein vermeidbares »Blutbad« vor Seelow dadurch mit herbeigeführt, dass er aus Eitelkeit und dem Willen Stalins folgend den Angriff auf Berlin über einen besonders gefahrvollen und deshalb opferreichen direkten Weg geführt habe. (…) Eine Spezialität des vor zwei Jahren gegründeten Vereins, dem für die nächsten drei Jahre 320.000 Euro für die konzeptionelle »Wiederbelebung der Seelower Gedenkstätte« vom Landkreis Oder-Spree zur Verfügung gestellt wurden, besteht in »Schlachtfeldführungen« im Oderbruch, die bereits erheblichen Zuspruch gefunden hätten. Vor allem die Interessen der jungen Generation sollen berücksichtigt werden. Dazu gehört, dass die auf dem Freigelände des Seelower Ehrenmals ausgestellten Waffen auch um »gegnerische« erweitert werden. So möchte man dem »T-34« auch einen »legendären« deutschen »Tiger« zur Seite stellen. Die beiden Vereinsvorsitzenden sind übrigens prädestiniert für diese Arbeit (…). Der eine hält enge Kontakte zur AfD. Der andere ist professionell mit der Materie vertraut. Schließlich hat er dies unter anderem als Kurator der Dauerausstellung der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen unter Beweis gestellt. (…)

Volker Link, Frankfurt (Oder)

Schwieriger Partner

Zu jW vom 21.07.: »In Moskaus Interessensphäre«

Ergänzend der Hinweis, dass die Türkei unlängst mit der Ukraine und Aserbaidschan einen gegen Russland gerichteten Militär- und Wirtschaftspakt vereinbart hat. Auch zündelt die Türkei, die sich als Schutzmacht der gegen Russland opponierenden Krimtataren sieht, auf der Krim. Die Türkei, als NATO-Mitglied, kann sich mit dieser Politik weiterhin der Unterstützung des Westens, insbesondere Deutschlands, sicher sein. Für Russland bleibt die national-islamistische Türkei ein schwieriger »Partner«.

Hans Gielessen, Frankfurt am Main

Bestens beraten

Zu jW vom 16.7.: »Muss Tönnies seine Zelle teilen?«

»Marktfähig bleiben« bedeutet, sich den Discountern unterwerfen. Dreh- und Angelpunkt ist der Preis, und den bestimmen letztlich die Verbraucher, die alles billig haben wollen und die es herzlich wenig interessiert, wie eine Fleischfabrik ihre Betriebskosten auf den Billigwahn einstellt, kurz gesagt, dass »Ostarbeiter« zusammengepfercht für einen Hungerlohn täglich Tonnen Fleisch zerkleinern für die Discounterregale. Die Moral muss beim Verbraucher anfangen: Kauft er die Packung Grillsteaks, macht er sich mitschuldig. Clemens Tönnies schert sich auch nicht um Moral, wenn er jedes Jahr Millionen für seine Spielwiese (FC Schalke 04) und für den Einkauf von Politbonzen übrig hat, anstatt damit seine Arbeiter anständig zu bezahlen. Mit Sigmar Gabriel war er doch bestens beraten! Wer jetzt die Nase rümpft, der hat immer noch nicht begriffen, wie die SPD tickt.

Henning Gans, Leipzig

Auf den Tisch hauen

Zu jW vom 22.7.: »Wenig attraktiv«

Die Verantwortlichen für die sozialen und ökonomischen Missstände bei uns Bauarbeitern sind die Gewerkschaften und die Bauunternehmen. Ich arbeite mit Unterbrechung seit 50 Jahren auf dem Bau, als Maurer. Alle Bauarbeiter wissen seit Jahrzehnten, dass die Arbeit schwer ist und die Löhne zu gering sind – dafür benötigen wir keine Studie. Was wir benötigen, ist die Abschaffung der Missstände: Arbeitswege von mehr als 100 Kilometern täglich, zuwenig Schlechtwettergeld, zuwenig Urlaubs- und Überstundengeld, zuwenig Urlaubstage (…) usw. Wir brauchen bessere Bezahlung: 30 Euro Stundenlohn, pauschale und keine prozentuale Tariferhöhung, weniger Steuern, 96 Prozent vom Bruttolohn ausbezahlt usw. Forderungen, die eine echte Gewerkschaft durchsetzen würde. Doch sind die deutschen Gewerkschaften keine echten Gewerkschaften; wie ein dänischer Arbeitskollege sagte: Es sind Konzerne, die den Namen Gewerkschaft tragen. Die dänische Baugewerkschaft ist eine echte Gewerkschaft, die für die Belange der Bauarbeiter kämpft (…). Sie ist stark und haut auch auf den Tisch, wenn es Auseinandersetzungen auszufechten gilt, etwa um die Nichtauszahlungen von Löhnen, um kriminelle Machenschaften von Subunternehmen. Sie ist nicht wie deutsche Gewerkschaften, die Rechtsanwälte und Schlichter benutzen, um Konflikte nicht mit harten Bandagen austragen zu müssen. Wenn eine Gewerkschaft sich nicht unnachgiebig für die Belange der Arbeiter einsetzt, dann verdient sie den Namen Gewerkschaft nicht.

Manni Guerth, per E-Mail

Wenn eine Gewerkschaft sich nicht unnachgiebig für die Belange der Arbeiter einsetzt, dann verdient sie den Namen Gewerkschaft nicht.

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