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Aus: Ausgabe vom 27.07.2020, Seite 8 / Abgeschrieben

Ultras gegen »Geisterspiele«

Unter dem Titel »Fußball gehört den Menschen« haben zahlreiche Fan- und Ultragruppen aus verschiedenen Ländern ein Statement zu den derzeit vielerorts stattfindenden »Geisterspielen« veröffentlicht. Das Webportal »Faszination Fankurve« dokumentierte am Sonntag die deutsche Version des Aufrufs:

Seit ein paar Wochen hat sich unser Sport in einer kurzen Zeitspanne verändert wie nie zuvor. Aufgrund des Ausbruchs von Covid-19 in vielen Ländern wurden alle Wettbewerbe gestoppt, manche gar abgebrochen.

Im Moment wird Fußball meist hinter verschlossenen Toren oder vor stark begrenzten Zuschauerkontingenten gespielt. Offizielle und Businessvertreter rühmen sich dafür, den Fußball mit Hilfe einer TV-Veranstaltung gerettet zu haben.

Das einzige, was sie damit gerettet haben, ist ihr Business. Weiterhin gefährdet bleibt die Art und Weise, wie wir den Fußball leben und lieben: Unsere Leben unseren Vereinen zu widmen und unsere Emotionen auf die Ränge der Stadien zu bringen.

Wir bestehen weiterhin darauf, ein Teil dieses Sports zu sein. Ein Teil, der nicht ausgespart und auf eine einfache Soundoption oder animierte Fanchoreographie während der nächsten Pay-TV-Übertragung reduziert werden kann.

www.faszination-fankurve.de

Aktivistinnen und Aktivisten haben am Sonnabend im Rahmen der Kampagne »Shut down Schweinesystem» das Privatanwesen von Clemens Tönnies in Rheda-Wiedenbrück blockiert. In einer Presseerklärung heißt es dazu:

»Durch die Aktion soll sich der Milliardär Clemens Tönnies einmal in seinem Leben annähernd so fühlen wie die ausgebeuteten Arbeiter:innen seiner Schweinefabrik, die nun wegen dem erneuten Ausbruch eventuell wieder in Quarantäne müssen. Während bei Tönnies die Produktion nicht schnell genug wieder hochgefahren werden konnte, versagen Tönnies und seine Subunternehmer weiterhin beim Schutz der Arbeiter:innen. Auch an den ausbeuterischen Arbeitsbedingungen hat sich nach dem ersten Ausbruch nichts geändert«, so Pressesprecher Jonas Thalberg.

Die überwiegend osteuropäischen Arbeiter:innen werden weiterhin auf ekelhafte Art und Weise von Tönnies ausgebeutet und müssen unter menschenunwürdigen Verhältnissen leben. Unterirdische Löhne, unsichere Werkverträge und kaum Arbeitsschutz – das alles ist Ausdruck, wie Tönnies auf Kosten der Arbeiter:innen reich geworden ist. Es ist keine Überraschung, dass sich das Coronavirus erneut unter der Belegschaft des Konzerns ausbreitet, wenn diese nach wie vor in Sammelunterkünften zusammengepfercht wird, sich im »Schichtsystem« Betten teilen muss und weiter eng nebeneinander am Fließband steht. »Diese menschenunwürdigen Bedingungen sind so eng mit dem Schweinebaron Clemens Tönnies verbunden, dass wir es gerechtfertigt finden, ihn persönlich unter Quarantäne zu stellen, um auf das Fortbestehen der katastrophalen Arbeitsbedingungen (…) aufmerksam zu machen. Wir fordern, Tönnies zu enteignen – Solidarität mit den Arbeiter:innen«, so Thalberg weiter.

Er ergänzt: »Doch nicht nur Tönnies ist Profiteur des Schweinesystems. Es ist die gesamte Wirtschaftsweise, die permanent Not und Elend hervorbringt. Um im Kapitalismus erfolgreich zu sein, versucht nicht nur Tönnies die Löhne zu drücken und seine Angestellten maximal auszupressen. Auch seine Konkurrent:innen von Westfleisch oder Wiesenhof stehen ihm dabei in nichts nach.« (…)

Unverzichtbar!

»Besonders in der Schule lernt man wenig über die tatsächlichen historischen und aktuellen Zusammenhänge, umso wichtiger ist die junge Welt mit ihrem Beitrag zur Aufklärung.« – Saskia Bär, Studentin

Eine prinzipienfeste, radikal kritische Tageszeitung ist durch nichts zu ersetzen für all diejenigen, die dem real existierenden Kapitalismus und Faschisten etwas entgegensetzen wollen.

Diese Zeit braucht eine starke linke Stimme!