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Fan sein verlangt einem einiges ab

Von Gabriele Damtew
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Pyro ist gut gegen Corona (oder wäre es besser): Feier von Zwickau-Fans bei Ankunft des Teambusses am 4. Juli 2020

Bevor die Drittligasaison 2019/20 Geschichte werden konnte, war für die Fans noch ein nervenaufreibender letzter Spieltag zu überstehen. Angesichts der engen Tabellenkonstellation eine Herausforderung, die selbst für standhafte Fans nur durch den exzessiven Genuss beruhigender Substanzen zu meistern war. In der »Geisterspiele«-Ära war man dabei auf die schon fast in Vergessenheit geratenen Regionalprogramme der ARD mit ihren Live­streams angewiesen, während sich nur wenige Tolldreiste trotz Corona vor ihren Heimstadien versammelten, um den daraus widerhallenden Geräuschen zu lauschen. Fan sein verlangt einem eben so einiges ab.

Nur Braunschweig stand schon als Aufsteiger fest, wobei dem Meister Bayern München II die höhere Liga versagt blieb, da zwischen erster und zweiter Mannschaft eines Vereins immer ein Abstand von zwei Ligen zu wahren ist. Wo kämen die anderen sonst auch hin? Um den zweiten Aufstiegs- und den ebenfalls heiß begehrten Relegationsplatz stritten sich noch Würzburg, Ingolstadt, Herbstmeister Duisburg sowie die Hansa aus Rostock, letztere aufgrund ihrer schlechteren Tordifferenz nur noch mit Minimalchance. Die lange die Liga dominierenden »Zebras« aus Duisburg kämpften wie die Löwen, aber auch ein 4:0 gegen Unterhaching reichte nicht, da zeitgleich Ingolstadt bei 1860 München mit 2:0 gewann. Dagegen lag Würzburg zu Hause gegen muntere Hallenser mit 1:2 zurück. Durch einen umstrittenen Handelfmeter in der Nachspielzeit, den Sebastian Schuppan eiskalt verwandelte, sprang Würzburg buchstäblich in allerletzter Sekunde auf den Direktzug Richtung 2. Liga. Fun fact: Für den Lausitzer Schuppan ist es der fünfte Aufstieg mit fünf verschiedenen Mannschaften – davor schaffte er das Kunststück schon mit Cottbus, Paderborn, Dresden und Bielefeld. Ingolstadt darf hingegen diese Woche die zwei Relegationsspiele gegen den 1. FC Nürnberg bestreiten.

Als Absteiger standen schon seit längerem Jena und Großaspach fest, auch Preußen Münster hatte sich letzte Woche nach immerhin neun Jahren aus der 3. Liga verabschieden müssen. Auch dass ein weiteres ostdeutsches Team in die Regionalliga muss, war bereits ausgemachte Sache – welches, wurde im Fernduell ermittelt: Zwickau hatte nur zwei Punkte Vorsprung auf Chemnitz. Für den insolventen Chemnitzer FC fast eine Überlebensfrage, weshalb sogar Vereinsjunge Michael Ballack auf der Tribüne saß (Papa sitzt im Aufsichtsrat). Der FC haute gegen Rostock richtig rein, Torjäger Philipp Hosiner gelang gar ein Hattrick (4:2). Am Ende fehlten nur zwei Tore zum Klassenerhalt, wie bitter für den letztjährigen Aufsteiger. Denn Zwickau zitterte sich bei Waldhof Mannheim, das sich souverän in der Liga etabliert hat, zu einem torlosen Remis.

In Zwickau waren an die 1.500 Anhänger aus den Häuschen und empfingen ihr Team des Nachts mit von Silvester aufgesparten Raketen und Böllern sowie lange nicht zum Einsatz gekommener Pyrotechnik. Einige Spieler feierten, trotz aller Euphorie auf Abstand bedacht, auf dem Dach des Teambusses mit. So schön kann 3. Liga sein.

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