Contra Blockade, Protest-Abo!
Gegründet 1947 Mittwoch, 5. August 2020, Nr. 181
Die junge Welt wird von 2346 GenossInnen herausgegeben
Contra Blockade, Protest-Abo! Contra Blockade, Protest-Abo!
Contra Blockade, Protest-Abo!
Aus: Ausgabe vom 02.07.2020, Seite 2 / Ausland
Rolle Kolumbiens als NATO-Partner

»Es dient als Speerspitze gegen Demokratisierung«

Kolumbien ist Aufmarschgebiet der USA in Lateinamerika. Militär unter totaler Kontrolle Washingtons. Ein Gespräch mit Andrés París
Interview: Elias Korte
RTS3073D.JPG
Ein US-Fallschirmspringer (l.) demonstriert in der Tolemaida-Militärbasis kolumbianischen Soldaten sein Maschinengewehr vom Typ »M240L« (29.1.2020)

Die Streitkräfte der Vereinigten Staaten von Amerika haben seit nunmehr einem Monat ihre Präsenz in Kolumbien ausgebaut. Wie stehen die kolumbianische Bevölkerung und die Friedensbewegung dazu, dass das Land zum Aufmarschgebiet der USA in Lateinamerika wird?

Es gab Sitzstreiks vor der US-Botschaft und viele Aktivitäten in »sozialen Netzwerken«. Die Friedens- und andere soziale Bewegungen klären über die Hintergründe der US-Präsenz auf und fordern von der Regierung in Washington, statt des hiesigen Krieges die Versöhnung unter den Kolumbianern zu unterstützen. Teile des kolumbianischen Volks lehnen diese invasive Militärpräsenz entschieden ab, andere befürworten sie. Wir haben hier das Friedensabkommen unterzeichnet und sehen jetzt, dass die Zahl von US-Truppen gefährlich angewachsen ist anstatt abzunehmen.

Wissen Sie, wie viele es mittlerweile sind?

Es sollen mindestens 800 sein, die sich zusätzlich auf kolumbianischem Boden befinden. Außerdem kamen 56 militärische Fachberater, die unter anderem in Tolemaida in der Nähe Bogotas – der wichtigsten kolumbianischen Militärbasis – und in der Luftwaffenbasis in Apiay in der Provinz Meta stationiert sind.

Offiziell dient die Aufstockung der Unterstützung des kolumbianischen Militärs im »Kampf gegen die Drogen«.

Das ist ein Vorwand. Die Entsendung weiterer Truppen nach Kolumbien hängt zusammen mit den Interventionsplänen der USA gegenüber Venezuela, für die Kolumbien als Operationsbasis fungieren soll. In einer Debatte im Senado, angestoßen von der alternativen Opposition, hat der Senator Gustavo Petro deutlich gemacht, dass die 56 US-Militärberater eine Invasion in Venezuela vorbereiten sollen. Das Land wird zunehmend von kolumbianischem Gebiet aus bedroht, wofür die Angriffe von US-Söldnern in jüngerer Zeit nur ein Beispiel sind. Diese bilden mit Unterstützung der kolumbianischen Regierung auch Paramilitärs aus.

Es geht den USA und der NATO um die Absicherung ihrer wirtschaftlichen Interessen in der Region, genauer um kolumbianisches und venezolanisches Öl sowie Bodenschätze. Die geographische Lage Kolumbiens bietet zudem einen Zugang zum Atlantik und zum Pazifik. Und weil Kolumbien Hauptproduzent und -exporteur von Kokain ist, bietet es den Yankees den interventionistischen Vorwand für den sogenannten Krieg gegen den Drogenhandel. Der Status als NATO-Partnerland macht Kolumbien außerdem zu einer Speerspitze gegen die voranschreitenden demokratischen Prozesse in Lateinamerika.

Wie weit reicht die militärische Zusammenarbeit zwischen den USA und Kolumbien zurück?

Die imperialistische US-Vorherrschaft über Kolumbien besteht seit dessen Unabhängigkeit von den Spaniern. Diese Einmischung in innere Angelegenheiten ist einer der Hauptfaktoren, die den internen Konflikt in Kolumbien befeuern. Die USA entwickelten Ende der 1990er Jahre den »Plan Colombia«. Der bereitete letztlich den Boden für die Damaskus-Doktrin, mit der nach dem Friedensabkommen 2016 die kolumbianische Militärstrategie an der NATO ausgerichtet und das Militär der Struktur der NATO untergeordnet wurde – während der irreguläre und gegen Aufständische gerichtete Kampf fortgesetzt wird.

Seit 2009 haben die Yankees sieben Militärstützpunkte auf kolumbianischem Territorium. Die Hauptbasis befindet sich in der Gemeinde Malambo in der Provinz Cauca am Pazifik. Und es gibt auch eine Yankee-Militärs an der Grenze zu Venezuela in der Region Catatumbo. Die USA kontrollieren den Geheimdienst, geben militärtechnologische Unterstützung und sind mit Piloten beteiligt an Kampfhandlungen der Luftwaffe gegen Aufständische. Die verschiedenen Zweige und Spezialkräfte der kolumbianischen Armee stehen unter der Kontrolle der Gringos. Angefangen von der Doktrin bis zu den in Kolumbien verwendeten Militärtechnologien ist alles nordamerikanischen Ursprungs. Diese Einmischung existiert bereits sehr lange, die Kon­trolle wird vertieft und erweitert.

Andrés París ist Mitglied der nationalen Führung der kolumbianischen Partei FARC

Die junge Welt im Aktionsabo kennenlernen: Drei Monate lang für 62 Euro!

An guten Gründen für Protest mangelt es sicher nicht – ganz im Gegenteil. Diese Zeit hat Opposition bitter nötig! Doch ganz gleich wie der Protest aussieht, gilt: Nur was man versteht, kann man verändern.

Genau hier setzt die junge Welt an. Jeden Tag liefern wir gut sortiert Informationen und Inspirationen, machen Hintergründe und Zusammenhänge verständlich. Knapp und bündig bietet die junge Welt konsequent linken Journalismus, an jedem Wochentag auf 16 und am Wochenende auf 24 Seiten.

Die beste inhaltliche Basis für Protest! Deshalb bieten wir unser Sommerabo an: Drei Monate die junge Welt mit ihrem unverwechselbarem Profil kennenlernen. Danach ist Schluss, es endet automatisch.

Ähnliche:

  • Fallschirmjäger der 82. US-Luftlandedivision bei einer Übung mit...
    17.03.2020

    Militarisierung im Hinterhof

    USA rüsten in Lateinamerika weiter auf und setzen dabei auf verstärkte Kooperation mit Brasilien und Kolumbien
  • US-Marines und Einheiten der Streitkräfte der Dominikanischen Re...
    15.02.2019

    Kuba schlägt Alarm

    Havanna enthüllt Vorbereitungen der USA für Intervention in Venezuela. Truppen werden in Karibik zusammengezogen

Mehr aus: Ausland