Gegründet 1947 Donnerstag, 9. Juli 2020, Nr. 158
Die junge Welt wird von 2335 GenossInnen herausgegeben

»Doch dann wurde es brutal«

Von Marek Lantz
imago0047470708h.jpg
»So dumm wie wir kann man sich eigentlich gar nicht anstellen.« – Magdeburg versagen gegen Großaspach die Nerven (28.6.2020)

Drittligist FSV Zwickau gelang im am Wochenende ein Husarenstück. Mit dem Rücken zur Wand empfing die akut abstiegsgefährdete FSV-Elf Eintracht Braunschweig, den bisherigen Tabellenzweiten, bei dem zuletzt alles bestens lief. Bis in die Schlussminuten schien das Spielglück wieder einmal mit dem BRD-Meister von 1967 zu sein: Braunschweigs Yari Otto traf in den 90. Spielminute zur 2:1-Führung. »Doch dann wurde es brutal«, stöhnte Otto hinterher. Joseph Enochs, Coach des FSV, schlug nach der Partie ähnlich martialische Töne an: »Wir waren doch schon mausetot«, fand er. Aber sein Team gab einfach nicht klein bei. Nach Flanken von Can Coskun drehten Elias Huth (91.) und Morris Schröter (94.) das Spiel zum spektakulären 3:2-Sieg. Tabellarisch war er für Zwickau überlebensnotwendig – zwei Spieltage vor dem Saisonende beträgt der Abstand zum rettenden Ufer nur noch einen Punkt.

Wieder so richtig in Abstiegsgefahr ist seit dem Sonntag der 1. FC Magdeburg. Nach ernüchternder 0:1-Heimpleite gegen das längst als Absteiger feststehende Ensemble der SG Sonnenhof Großaspach liegt man nur noch drei Zähler vor den Zwickauern und droht binnen Jahresfrist von der Zweit- in die Viertklassigkeit durchgereicht zu werden. FCM-Kapitän Christian Beck war jedenfalls bedient. »So dumm wie wir kann man sich eigentlich gar nicht anstellen. Wir hatten die Riesenchance, alles klarzumachen, und liefern so eine Leistung ab. Das passt einfach in diese Scheißsaison rein«, kotzte er sich vor dem TV-Mikro aus.

Kandidaten für die Strafversetzung in die Regionalligen sind zudem noch Preußen Münster (0:0 bei Waldhof Mannheim), der Chemnitzer FC (1:1 beim KFC Uerdingen) und der Hallesche FC. Dem gelang beim MSV Duisburg immerhin ein beachtliches 2:2-Remis. Anthony Syhre erzielte jeweils nach Ecken beide HFC-Treffer. »Mit unseren Standardsituationen sind wir gerade ungemein gefährlich«, lobte Halles Trainer Florian Schnorrenberg, dessen Mannschaft an diesem Mittwoch gegen den 1. FC Kaiserslautern den Klassenerhalt fix machen könnte.

Am anderen Ende der Tabelle strebt derweil – quasi außer Konkurrenz, da nicht aufstiegsberechtigt – die zweite Mannschaft des FC Bayern nach einem 2:1 bei Absteiger Jena der Meisterschaft entgegen. Nach Zweiter Liga riecht es dagegen bei den nun zweitplazierten Würzburger Kickers. Mit einem überzeugendem 3:1-Heimsieg verpassten die Franken den Aufstiegshoffnungen von Hansa Rostock einen herben Dämpfer. Vier Punkte liegt Hansa nun hinter dem FC Ingolstadt, der 2:0 in Meppen gewann, jetzt den Relegationsplatz innehat und auf der Zielgerade neben den Würzburgern am frischesten wirkt.

Mehr aus: Sport