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Aus: Ausgabe vom 29.06.2020, Seite 8 / Abgeschrieben

Leerstand besetzt

Jugendliche haben am Sonntag ein Gebäude auf dem Dragoner-Areal in Berlin-Kreuzberg besetzt und teilten dazu mit:

Am Sonntag um 13.12 Uhr wurde ein Objekt auf dem Dragoner-Areal in Kreuzberg von Jugendlichen besetzt. Es handelt sich bei uns um einen unabhängigen Zusammenschluss von jungen Menschen, die sich zusammengefunden haben, um eine solidarische Initiative für die bedrohten selbstverwalteten Jugendzentren Potse und den Drugstore zu bilden. Leerstand soll nutzbar gemacht werden, und die Räume sollen der Potse und dem Drugstore zur Verfügung gestellt werden, um freie Jugendarbeit in Berlin weiterhin gewährleisten zu können. Zu den Angeboten von Drugstore und Potse gehören Konzerte, Proberäume, Siebdruckwerkstätten, und sie bieten vor allem einen Raum, wo sich junge und politische Gruppen organisieren können.

Am 8. Juli 2020 wird die Potse ihre Urteilsverkündung zum Räumungsprozess erhalten. Wenn das Räumungsurteil ausgesprochen wird, wird der Bezirk mit der Berliner Polizei versuchen, das selbstverwaltete Jugendzentrum zu räumen. Das ebenfalls selbstverwaltete Jugendzentrum Drugstore ist seit Januar 2019 ohne Räume. Die versprochenen Räume in der Potsdamer Str. 134/136 sind seit anderthalb Jahren immer noch nicht bezugsfertig. Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg und das Land Berlin schaffen es nicht, adäquate Räume zu finden, trotz der hohen Nachfrage, dem öffentlichen Druck und dem Leerstand in Berlin. Es liegt jedoch in der Verantwortung vom Bezirk und dem Land Berlin, neue Räume zu finden. Selbstverwaltete Jugendzentren müssen weiterhin erhalten bleiben. Sie sind Teil der Berliner Kiezkultur und leisten essentielle Arbeit für das Zusammenleben in der Stadt. Das neu besetzte Objekt, was seit mehr als zehn Jahren leersteht, gehört der »Berliner Immobilienmanagement« (BIM) und ist somit geeignet, um langfristig oder als Zwischennutzung Ersatzräume für die Potse und den Drugstore zu bieten, da es im Besitz vom Land Berlin ist. (…)

Während die Mieten in Berlin immer teurer werden, steht ein großes Areal in Kreuzberg leer. Und trotzdem wird den Jugendlichen gesagt, es gebe keinen Platz für sie. Der Leerstand in der Stadt kann nicht weiterhin bestehen, wenn die Räumlichkeiten akut gebraucht werden. Politiker haben immer wieder Versprechungen abgegeben, die Potse und den Drugstore erhalten zu wollen. Doch seit fünf Jahren hält der »rot-rot-grüne« Senat, und besonders Jugendbezirksstadtrat Oliver Schworck (SPD), diese nicht ein. Jetzt liegt es in der Hand von Jugendlichen, sich Räume zu nehmen und selbst zu gestalten.

Die Jugendlichen fordern das Land Berlin auf, das Objekt für den Drugstore und die Potse zur Verfügung zu stellen und sich mit dem Bezirk Tempelhof-Schöneberg auf eine Nutzung zu einigen. Es wird Zeit, dass gehandelt wird und keine leeren Versprechungen gebracht werden. Auch wenn die Covid-19-Pandemie noch besteht, muss sich weiterhin für unkommerzielle und selbstverwaltete Jugendarbeit eingesetzt werden. Denn nach der Pandemie brauchen Jugendliche umso mehr einen Ort, wo sie nach der sozialen Isolation aufgefangen werden und ihren alternativen Lebensstil ausleben können.

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