3 Monate jW für 62 Euro. Bestellen!
Gegründet 1947 Donnerstag, 13. August 2020, Nr. 188
Die junge Welt wird von 2346 GenossInnen herausgegeben
3 Monate jW für 62 Euro. Bestellen! 3 Monate jW für 62 Euro. Bestellen!
3 Monate jW für 62 Euro. Bestellen!
Aus: Ausgabe vom 05.06.2020, Seite 6 / Ausland
US-Blockade gegen Kuba

An Raúls Geburtstag

Washington verkündet Verschärfung der Sanktionen gegen Kuba. Leidtragende in erster Linie die Bevölkerung
Von Volker Hermsdorf
Coronavirus_Kuba_64837593.jpg
Neue US-Sanktionen treffen vor allem ihre Geldbeutel: Kubaner in der Schlange vor Lebensmittelladen (Havanna, 24.3.2020)

Während US-Präsident Donald Trump im eigenen Land die Nationalgarde zur Niederschlagung der landesweiten Proteste aufmarschieren lässt, verschärft seine Regierung die Sanktionen gegen Kuba. US-Außenminister Michael Pompeo kündigte am Mittwoch (Ortszeit) die Aufnahme von weiteren sieben kubanischen Unternehmen in eine »schwarze Liste« von Firmen an, mit denen Bürger und Betriebe der USA keine Geschäfte machen dürfen. Betroffen sind davon die Finanzgesellschaft der staatlichen Handelskette Cimex (Fincimex), zwei Hotels in Havanna, eines auf Cayo Coco sowie zwei Tauchzentren und ein Marinepark für touristische Aktivitäten in Varadero. US-Medien wiesen darauf hin, dass die Verschärfung der Blockade offenbar gezielt am 89. Geburtstag des früheren Präsidenten und derzeitigen Ersten Sekretärs des Zentralkomitees des KP Kubas, Raúl Castro, verkündet wurde.

Die jetzt neu sanktionierten Unternehmen gehören alle zur »Grupo de Administración Empresarial« (Gaesa), einer Firmen-Holding der Revolutionären Streitkräfte Kubas (FAR). Mit den neuen »Maßnahmen« wolle Washington »den Geldfluss in die Taschen derjenigen stoppen, die das kubanische Volk unterdrücken«, begründete Pompeo die Entscheidung auf Twitter. Die US-Regierung warf der »Castro-Diktatur« außerdem vor, mit den Gewinnen die »Einmischung in Venezuela zu finanzieren«.

Havannas Außenminister Bruno Rodríguez wies die Sanktionen noch am selben Tag per Twitter zurück. Es sei »schändlich und kriminell, die Blockade inmitten der Covid-19-Pandemie zu verschärfen«, schrieb er. Im Gegensatz zu den Behauptungen seines US-Amtskollegen würden sich die neuen Restriktionen in erster Linie »auf kubanische Familien auswirken«. Die der US-Regierung und exilkubanischen Contras nahestehende Tageszeitung Nuevo Herald bestätigte den Vorwurf. Fincimex sei »für die Bearbeitung und Abwicklung von Überweisungen nach Kuba zuständig« und vertrete auch die US-Firma Western Union auf der Insel, »über die Tausende von kubanischen Emigranten Geld an ihre Familien schicken«, schrieb das in Miami erscheinende Blatt.

Details der neuen Bestimmungen will das US-Finanzministerium am 12. Juni veröffentlichen. Deshalb ist derzeit noch unklar, wie sich die Aufnahme von Fincimex in die Liste der blockierten Unternehmen auf die Geldsendungen nach Kuba auswirken wird. Der Trumps Vorgänger Barack Obama nahestehende exilkubanische Politikberater und Geschäftsmann Ricardo Herrero, dessen in Miami registrierte Organisation »Cuba Study Group« sich für einen »friedlichen Systemwechsel« in dem Inselstaat und eine »Normalisierung der Beziehungen« einsetzt, warnte dagegen schon vorab vor möglichen Folgen. »Es ist unmenschlich und der Gipfel der Heuchelei, wenn Minister Pompeo behauptet, dass die Trump-Administration das kubanische Volk unterstützt, während sie versucht, die Überweisungen aus den USA an kubanische Familien mitten in der Pandemie zu unterbinden«, zitierte ihn der Nuevo Herald. »Diese Maßnahme wird zahllosen Kubanern, die bereits unter ernsthaften wirtschaftlichen Schwierigkeiten und den Spannungen der Covid-19-Krise in ihrem Land leiden, schweren Schaden zufügen«.

Der regierungskritische US-Journalist und Filmemacher Benjamin Norton formulierte es in einer Antwort auf Pompeos Twitter-Ankündigung härter: »Während es zu Hause Demonstranten misshandelt und tötet, weitet das Schurkenregime der USA seine vernichtenden Sanktionen gegen Kuba weiter aus – ein kleines Land, das Washington seit 61 Jahren zu erwürgen und zerstören versucht«. Ungeachtet der Kritik auch im eigenen Land erklärte ein Sprecher des US-Außenministeriums Mitte der Woche, die Regierung werde »den Druck auf das Regime in Kuba weiter erhöhen, um die Mittel einzuschränken, die es zur Fortsetzung seiner Unterdrückung des kubanischen Volkes und seiner Intervention in Venezuela verwendet«. Seit dem Amtsantritt von Trump verbietet Washington US-Amerikanern bei Strafe, Beziehungen zu Betrieben zu unterhalten, die in Verbindung mit der kubanischen Armee oder Einrichtungen zum Schutz der Sicherheit des Landes gebracht werden. Die erstmals im November 2018 veröffentlichte »schwarze Liste« umfasst mittlerweile mehr als 230 kubanische Firmen.

Die junge Welt im Aktionsabo kennenlernen: Drei Monate lang für 62 Euro!

An guten Gründen für Protest mangelt es sicher nicht – ganz im Gegenteil. Diese Zeit hat Opposition bitter nötig! Doch ganz gleich wie der Protest aussieht, gilt: Nur was man versteht, kann man verändern.

Genau hier setzt die junge Welt an. Jeden Tag liefern wir gut sortiert Informationen und Inspirationen, machen Hintergründe und Zusammenhänge verständlich. Knapp und bündig bietet die junge Welt konsequent linken Journalismus, an jedem Wochentag auf 16 und am Wochenende auf 24 Seiten.

Die beste inhaltliche Basis für Protest! Deshalb bieten wir unser Sommerabo an: Drei Monate die junge Welt mit ihrem unverwechselbarem Profil kennenlernen. Danach ist Schluss, es endet automatisch.

Debatte

  • Beitrag von Torsten Andreas S. aus B. ( 5. Juni 2020 um 14:59 Uhr)
    Bitte schicken Sie mir diese schwarze Liste!

    Ein Beispiel: Wenn ich heute eine Firma gründe, mit der Reisen nach Kuba organisiert werden, dann werde ich zum Staatsfeind der USA? Wie sinnvoll!

    Ich verstehe diesen Mann an der Spitze der US-Regierung nicht mehr. Als entspannter und friedlicher Mensch frage ich mich, wohin die Reise geht. Als Realist nehme ich an, dass derzeit Schaden angerichtet wird. Schade für die vielen, die diese Launen direkt ertragen müssen: von New York bis nach Alaska. Sorry: bis nach Hawaii.

    Übrigens ist es vollkommen schnuppe, ob die neuesten Fisimatenten an irgendeinem Geburtstag herausgebracht werden oder bis zum 19.11. gewartet wird – dem Internationalen Tag der Toilette.

    Guten Tag!

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Achim Lippmann, Shenzen: Jämmerliche Figuren Welche ein Riese, dieser Raúl Castro: feliz cumpleanos! Welche jämmerlichen Figuren dort im Weißen Haus! Die antikubanische Lobby in den USA war schon einmal stärker. Man muss vieles, was da unter der...

Ähnliche:

Regio:

Mehr aus: Ausland