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Aus: Ausgabe vom 03.06.2020, Seite 8 / Ansichten

Bomben und »helfen«

»Geberkonferenz« für den Jemen
Von Wiebke Diehl
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Kinder schauen in Jemens Hauptstadt Sanaa durch ein vergittertes Fenster (6.5.2020)

Man könnte laut lachen, ginge es nicht um das Leben und die Nahrungssicherheit von Millionen von Menschen: Ausgerechnet Saudi-Arabien, Hauptakteur im völkerrechtswidrigen Krieg gegen den Jemen und wegen der seit fünf Jahren andauernden Blockade des Landes maßgeblich für die größte humanitäre Katastrophe unserer Zeit verantwortlich, ist Koausrichter einer virtuellen »Geberkonferenz« für das Land. Gemeinsam mit den Vereinten Nationen will man 2,4 Milliarden US-Dollar sammeln, die in den kommenden sieben Monaten für Lebensmittel, Medikamente und andere Hilfsgüter gebraucht werden, wie ein UN-Sprecher in Genf mitteilte.

Ob das geforderte Geld, so es denn überhaupt zusammenkommt, auch angesichts der schnellen Ausbreitung von Covid-19 im Jemen ausreicht, steht in den Sternen. Die durch Mangelernährung und Krankheiten geschwächte Bevölkerung ist ein besonders leichtes Opfer für das Coronavirus: 80 Prozent sind auf humanitäre Hilfen angewiesen, das Gesundheitssystem ist zerstört, höchstens die Hälfte der Krankenhäuser und medizinischen Einrichtungen sind noch in Betrieb, und das Personal traut sich kaum noch zur Arbeit, denn neben Medikamenten und medizinischem Gerät ist auch Schutzausrüstung Mangelware.

Dass Riad versucht, sich von seiner Schuld »freizukaufen«, ist nicht neu. Seit Jahren ist das Königshaus größter Finanzier für humanitäre Hilfe im Jemen, während saudische Bomben Schulen, Kliniken und Wohnhäuser treffen. Dass andere Geldgeber zugesagte Zahlungen nicht einhalten, macht es der saudischen Regierung besonders leicht. Für 2020 sind bislang nur 15 Prozent der benötigten Mittel gedeckt, der saudische Botschafter im Jemen aber hat bereits eine halbe Milliarde US-Dollar zugesagt. Und das Kalkül dahinter ist mehr als »Imagepflege«: Wer zahlt, hat Einfluss darauf, dass möglichst wenig Unterstützung den von den Ansarollah (»Huthis«) kontrollierten Gebieten zugute kommt. Für das saudische Königshaus, das den Krieg trotz einer im April einseitig ausgerufenen Waffenruhe weiterführt und den für die Lieferung von Hilfsgütern dringend benötigten Flughafen von Sanaa geschlossen hält, dürften die für humanitäre Hilfe ausgegeben Dollar ohnehin Peanuts sein, verglichen mit den Geldern, die es mit seinem Krieg in die Kassen nicht nur US-amerikanischer Rüstungskonzerne spült.

Und bezüglich der Vereinten Nationen, die völlig zu Recht für die gemeinsame Ausrichtung der Geberkonferenz mit dem Kriegstreiber Saudi-Arabien kritisiert werden, sei nur an die Resolution 2216 erinnert, mit der sich der UN-Sicherheitsrat schon 2015, kurz nach Beginn der Militärschläge, die Kriegsziele Riads zu eigen gemacht hatte. Die »Hu­this« wurden darin zur bedingungslosen Kapitulation aufgefordert und nur gegen sie ein Waffenembargo verhängt, anstatt den Angriffskrieg in deutlichen Worten zu verurteilen. Aus Protest reichte der damalige UN-Sondergesandte für den Jemen seinen Rücktritt ein.

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