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Aus: Ausgabe vom 29.05.2020, Seite 2 / Ausland
Venezuelas Goldreserven

Caracas fordert Gold zurück

Bank von England verweigert Herausgabe von venezolanischen Reserven
Von Volker Hermsdorf
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Die britische Königin Elisabeth II. zwischen Goldbarren in der Bank von England (London, 13.12.2012)

Die Zentralbank Venezuelas (BCV) hat am Donnerstag in einer Anhörung vor einem Londoner Gericht die Herausgabe von Gold im Wert von 820 Millionen Pfund (rund 920 Millionen Euro) verlangt. Die »Bank von England«, bei der 31 Tonnen der venezolanischen Goldreserven lagern, verweigert seit 2018 deren Übergabe an die Regierung des gewählten Präsidenten Nicolás Maduro, den Großbritannien nicht als legitimes Staatsoberhaupt anerkennt. Dadurch wird der Ankauf von Lebensmitteln, medizinischen Geräten und Medikamenten verhindert, die das Land im Kampf gegen die weitere Ausbreitung der Coronapandemie dringend benötigt.

Venezuela hatte im März einen Vertrag mit dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (United Nations Development Programme, UNDP) abgeschlossen, nach dem ein Teil des bei der Bank von England deponierten Goldes für Medikamente, Vorräte und medizinische Ausrüstung verwendet werden soll. »Wir haben vereinbart, dass nicht wir, sondern das UNDP den Verkaufserlös des Goldes direkt erhalten soll«, erklärte der Direktor der venezolanischen Zentralbank Calixto Ortega am Mittwoch gegenüber Reuters. Er verwies darauf, dass dieser UN-Ausschuss »neutral und unabhängig sei« und die zweckgebundene Verwendung des Geldes garantiere. Ortega warf der britischen Zentralbank vor, sich nicht an den mit der BCV unterzeichneten Vertrag zu halten, wonach die einzige Aufgabe der Bank von England die Verwahrung des Goldes sei.

Wie der multinationale Nachrichtensender Telesur berichtete, prangerte Venezuelas Vizepräsidentin Delcy Rodríguez den Diebstahl venezolanischen Goldes durch die britische Institution an. Bereits am Dienstag erklärte sie, dass der von Washington geförderte Oppositionspolitiker Juan Guaidó hinter dem Manöver stehe, mit dem ihr Land seiner Vermögenswerte beraubt werden solle, um einen Regime-Change zu fördern. Rodríguez kündigte eine Klage wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag an. Das von der Bank einbehaltene Gold würde inmitten der Pandemie zur Bekämpfung der Krankheit fehlen, während die von den USA gegen Venezuela verhängten Sanktionen zugleich ständig verschärft würden. Die Vizepräsidentin beschuldigte die Bank von England, durch das Zurückhalten für zahlreiche Tote als Folge von Covid-19-Erkrankungen verantwortlich zu sein.

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