Der Schwarze Kanal: »Verkommen«
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Der Schwarze Kanal: »Verkommen«
Aus: Ausgabe vom 28.05.2020, Seite 16 / Sport
Handball

Vom Eishockey gelernt

Die HBL diskutiert Kürzungen bei Handballergehältern merklich vorsichtig
Von Jens Walter
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HBL-Chef Frank Bohmann

Die Coronakrise könnte bei altgedienten Gewerkschaftern die jugendlichen Tagträume von einer Karriere als Profisportler aufleben lassen. Die Diskussion im deutschen Handball über die Spielergehälter klingt fast nach Verhandlungen auf Augenhöhe: »Da wird es seitens der Spieler und auch Trainer Zugeständnisse geben müssen. Wir brauchen einen Verzicht zum wirtschaftlichen Überleben der Klubs«, sagte Liga-Chef Frank Bohmann. Göppingens Geschäftsführer und HBL-Vize Gerd Hofele formuliert noch zurückhaltender. »Man muss jetzt schauen, wie schnell die Pandemie bewältigt werden kann«, sagte Hofele den Stuttgarter Nachrichten. »Auf Basis dieser Erkenntnisse werden wir dann mit unseren Angestellten und Spielern sprechen.«

Die Gehälter machen in der HBL momentan rund 65 Prozent der Kosten für die Vereine aus, in der zweiten Liga sind es über 70. Über die Höhe eines Gehaltsverzichts könne man noch nicht konkret sprechen, sagte Hofele, bevor klar sei, wann das erste Saisonspiel stattfinde. Die HBL plant derzeit mit einem Start im September oder Oktober, zur Not mit Geisterspielen. Dies würde neben sinkenden Sponsoringerlösen auch zu geringeren Zuschauereinnahmen führen. »Als erstes wird das Eigenkapital der Klubs, sofern es denn vorhanden ist, schrumpfen«, so Bohmann. »Und spätestens dann müssen die Kosten massiv runter.«

Beim Vorgehen werde sich der Handball aber nicht am Eishockey orientieren. Die DEL hatte die Einwilligung der Spieler in einen 25prozentigen Gehaltsverzicht mit der Lizenzierung für die kommende Saison verknüpft. Jeden Eindruck von Erpressung, was den Eishockeyprofis übel aufgestoßen war, will die HBL anscheinend möglichst vermeiden: »Das ist aus meiner Sicht eine Vereinbarung, die zu Lasten Dritter getroffen wird. Das ist nicht unser Weg«, erklärte Bohmann, räumte aber ein: 25 Prozent seien ein »realistischer Wert«, und: »Teilweise wird der Verzicht in einigen Klubs auch deutlich höher ausfallen müssen«. Es müsse aber »auch sichergestellt werden, dass die Spieler bei positiver finanzieller Entwicklung sofort partizipieren«.

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