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Aus: Ausgabe vom 20.05.2020, Seite 6 / Ausland
Brasilien / Kuba

Bolsonaro braucht Kubaner

Brasilien: Erneute Arbeitserlaubnis für kubanische Ärzte nach steigenden Infektionszahlen
Von Emre Sahin
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Von Bolsonaro aus dem Land gegrault: Kubanische Ärztin vor ihrer Abreise in Brasília (22.11.2018)

Im Zuge der Coronapandemie hat Brasiliens Regierung am Montag (Ortszeit) 150 kubanischen Ärzten erneut eine Arbeitserlaubnis erteilt. Diese waren unter anderem wegen familiärer Bindungen im Land verblieben, nachdem Havanna 2018 einen Großteil der Ärzte aufgrund von Drohungen des faschistischen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro abgezogen hatte.

Der größte lateinamerikanische Staat hatte am Montag mit 254.220 gemeldeten Infektionen und mehr als 16.800 Toten die drittmeisten Coronafälle der Welt. Dabei dürfte die Dunkelziffer höher liegen. Besonders schwer trifft es die Wirtschaftsmetropole São Paolo. Der Bundesstaat hatte unlängst mehr Tote als China zu beklagen. Die öffentlichen Krankenhäuser stehen kurz vor dem Zusammenbruch. Der Stadtrat beschloss deshalb, Feiertage der kommenden Monate auf diese Woche vorzuziehen, um mehr Menschen dazu zu motivieren, zu Hause zu bleiben. Noch schlimmer sieht die Situation in den indigenen Regionen im Norden aus. Laut der Deutschen Welle ist in Manaus, der Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas, das Gesundheitssystem bereits zusammengebrochen.

Erschwert wird die Situation zudem durch das chaotische Vorgehen der brasilianischen Regierung gegenüber dem Virus. Präsident Bolsonaro tat Corona wiederholt als »kleine Grippe« ab und drängt darauf, dass die Wirtschaft erneut hochgefahren wird. Jeden Sonntag protestieren seine Anhänger vor dem Präsidentenpalast gegen die Beschränkungen, woran sich auch der Präsident beteiligt, Hände schüttelt und Selfies schießt. Die Gouverneure der Bundesstaaten und Bürgermeister der größeren Städte hingegen unterstützen strengere Regeln, um die Ausbreitung zu verlangsamen.

Der ehemalige Gesundheitsminister Luiz Henrique Mandetta unterstützte die regionalen Regierungen bei den getroffenen Maßnahmen und wurde dafür von Bolsonaro kritisiert. Mitte April hatte ihn der Präsident entlassen und durch den Onkologen Nelson Teich ersetzt. Dieser trat allerdings vergangenen Freitag nach 29 Tagen im Amt wieder zurück. Zwischen Teich und Bolsonaro war es zu Spannungen gekommen, als der Präsident fünf Tage vor seinem Rücktritt Schönheitssalons und Sportstudios öffnen ließ, ohne den Minister zu konsultieren. Zudem verlangte Bolsonaro die Zulassung des Malariamittels Chloroquin zur Bekämpfung von Covid-19. Teich wollte ohne wissenschaftliche Befunde kein Risiko eingehen, da das Medikament Herzrhythmusstörungen und Augenleiden verursachen kann. Ersetzt wird Teich vorübergehend von General Eduardo Pazuello, wodurch dem Kabinett mehr Militärs als Zivilisten angehören, so das Lateinamerikaportal Amerika 21 am Montag.

Die jetzige Erneuerung der Arbeitserlaubnis für kubanische Ärzte weist darauf hin, dass die Regierung mit der Situation überfordert ist, denn im Wahlkampf 2018 hatte der Präsident die Mediziner noch beschimpft. Ärzte aus dem Karibikstaat sind gut ausgebildet und haben Erfahrung im Bekämpfen von Epidemien. So beteiligten sie sich an der Behandlung von Cholera in Haiti ab 2010 und am Kampf gegen das Ebolafieber in Westafrika, als dieses von 2014 bis 2016 dort grassierte. Das Programm »Mais Médicos«, das die medizinische Unterstützung Kubas in ländlichen Regionen Brasiliens sicherstellte, war 2013 zwischen der PT-Regierung von Präsidentin Dilma Roussef und dem kubanischen Staatschef Raúl Castro vereinbart worden, bis es 2018 beendet wurde.

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