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Aus: Ausgabe vom 20.05.2020, Seite 4 / Inland
Faschisten in NRW

Kurde zu Tode geprügelt

Mutmaßliche Anhänger der türkisch-faschistischen »Grauen Wölfe« hinter Mord in Dortmund vermutet
Von Nick Brauns
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Erkennungszeichen: Ein Teilnehmer einer Kundgebung trägt ein Stirnband der türkischen Faschisten (Frankfurt am Main, 10.11.2007)

In der Nacht zum Sonnabend wurde in Dortmund ein Kurde von einem türkischen Faschisten getötet. Der 41jährige Ibrahim Demir hatte auf dem Heimweg von seiner ebenfalls in Dortmund lebenden Mutter noch kurz an seinem Stammkiosk halt gemacht, bevor er wenige hundert Meter von seiner Wohnung entfernt brutal zu Tode geprügelt wurde. Ein Augenzeuge sah, wie der Täter auf den bereits am Boden liegenden nur 1,42 Meter großen Demir eintrat. Der herbeigerufene Rettungsdienst konnte den leblosen Mann nicht mehr retten.

Durch Zeugenhinweise, die nach Aufrufen von Ibrahims Bruder Serhat über die sogenannten sozialen Medien eingingen, konnte am Sonntag ein 39jähriger dringend Tatverdächtiger identifiziert werden. Der Mann habe sich selbst der Polizei gestellt, erklärte die Staatsanwaltschaft Dortmund.

Ibrahim sei von dem nun Festgenommenen mehrfach aufgrund seiner Kleinwüchsigkeit schikaniert worden, bestätigte der Bruder des Ermordeten, dass sich Opfer und Täter gekannt hatten. Ibrahims Mutter Saziye Demir erklärte am Dienstag gegenüber der kurdischen Tageszeitung Yeni Özgür Politika, dass sich ihr Sohn in letzter Zeit bedroht gefühlt habe, aber nicht sagen wollte, wer ihn einschüchtere.

Der Festgenommene habe in der Vernehmung zugegeben, sein Opfer misshandelt zu haben, erklärte die Staatsanwaltschaft. Er habe ausgesagt, dass es im Vorfeld einen Streit gegeben habe. Als er Demir zur Rede stellen wollte, sei es zu einer körperlichen Auseinandersetzung gekommen.

Laut Polizei und Staatsanwaltschaft gibt es noch keine konkreten Hinweise auf ein Motiv. Ob die kurdische Herkunft des Opfers oder politische Fragen bei einem möglichen Streit eine Rolle gespielt haben, ist daher nicht bekannt. Doch wie Yeni Özgür Politika am Dienstag berichtete, handelt es sich bei dem dringend Tatverdächtigen Asir A. um einen bekennenden türkischen Rassisten. So präsentiert sich A. auf seiner Facebook-Seite als glühender Anhänger der faschistischen »Grauen Wölfe«. Ende April hatte A. dort als Titelbild einen Wolf vor einer türkischen Fahne zusammen mit alttürkischen Runen eingestellt. Dies ist die Bildsprache der türkischen Faschisten. Auf einem weiteren Foto ist A. beim Zeigen des sogenannten Wolfsgrußes zu sehen.

Es erscheine naheliegend, dass die menschenverachtende faschistische Gesinnung des Tatverdächtigen, der einen ihm körperlich weit unterlegenen Mann zu Tode getreten hat, für diese schreckliche Tat ausschlaggebend sei, meint Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Bundestag. »Türkische Graue Wölfe gehören ebenso geächtet und bekämpft wie deutsche Neonazis«, fordert die Abgeordnete, deren Wahlkreis sich in Dortmund befindet.

Als »Graue Wölfe« gelten die Anhänger der Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP). Sie sind zum Teil paramilitärisch organisiert und haben in der Türkei seit den 70er Jahren Tausende Linke, Gewerkschafter, Aleviten und Kurden ermordet. Größte Vereinigung im Spektrum der »Idealisten« (Ülkücü), wie sich die türkischen Faschisten selbst bezeichnen, ist in Deutschland die Türkische Föderation als Auslandsvertretung der MHP mit über 10.000 Mitgliedern. Zum Ülkücü-Spektrum zählen auch die von der Türkischen Föderation abgespaltenen, stärker religiös orientierten Dachverbände ATB und ATIB, mehrere rockerähnliche Vereinigungen sowie eine starke über »soziale Medien« vernetzte Ülkücü-Jugend- und Musikszene.

Hilfe bei der Gründung der Türkischen Föderation hatten Ende der 1970er Jahre der damalige CSU-Vorsitzende Franz Josef Strauß und deutsche Geheimdienste geleistet. Ziel war es, ein antikommunistisches Gegengewicht gegen linke Strömungen unter Arbeitsmigranten zu bilden. Bis heute agieren die Grauen Wölfe als verlängerter Arm der Regierung in Ankara bei der Einschüchterung von türkeistämmigen Oppositionelle in Deutschland.

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