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Aus: Ausgabe vom 18.05.2020, Seite 12 / Thema
Faschismustheorien

Der Umschuldungshistoriker

Vorabdruck. Der Faschismusforscher Ernst Nolte wähnte den »Rassenmord« der Nazis als Antwort auf den »Klassenmord« der Bolschewiki und warb daher um Verständnis für die Faschisten. In seinem Frühwerk zeigte er sich noch als liberaler Denker
Von Mathias Wörsching
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Jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung in der Wahnwelt der Nazis. Plakat zur NSDAP-Ausstellung »Bolschewismus ohne Maske« in Wien zwischen Dezember 1938 und Februar 1939

In den kommenden Tagen erscheint im Stuttgarter Schmetterling Verlag in der Reihe »theorie.org« von Mathias Wörsching der Band »Faschismustheorien. Überblick und Einführung«. Wir veröffentlichen daraus mit freundlicher Genehmigung von Autor und Verlag den Abschnitt über den revisionistischen Historiker Ernst Nolte. (jW)

Ernst Nolte konzentriert sich in seinen Faschismusstudien auf das Selbstverständnis und die Ideologie faschistischer Bewegungen; daher kann sein Ansatz auch als »ideozentrisch«
(ideologiezentriert) bezeichnet werden. Theorien dieser Art gehen wie die frühen marxistischen Erklärungsversuche von Clara Zetkin, Karl Radek und Ernst Bloch davon aus, dass faschistische Bewegungen – wie andere politische Bewegungen auch – von den Überzeugungen ihrer Führungspersonen und aktivistischen Anhänger leben. Diese sind in der Mehrzahl keine opportunistischen Karrieremacher oder Beauftragte von Herrschaftsgruppen, sondern sie glauben wirklich an den Faschismus als Gesellschaftsentwurf und Krisenlösung. Ideozentrische Theorien fragen daher nicht in erster Linie nach den Interessen von Herrschaftsgruppen, denen der Faschismus möglicherweise dient, sondern nach den gesellschaftlichen Stimmungen und Krisenwahrnehmungen, auf die er reagiert. Das Augenmerk dieser Theorien liegt also auf den Gründen, aus denen sich Menschen für den Faschismus begeistern – oder, wie Ernst Nolte formulierte, auf dem »genuinen Antrieb einiger zehntausend Fanatiker«¹, die zwischen 1918 und 1945 den Kern der faschistischen Massenbewegungen in Europa bildeten.

»Kausaler Nexus«

Der Philosoph und Historiker Ernst Nolte, geboren 1923, war viele Jahre lang Professor an der Freien Universität Berlin. Als er 2016 starb, galt er schon lange als führender Rechtsintellektueller. Doch Noltes 1963 veröffentlichtes Buch »Der Faschismus in seiner Epoche«, ein wahrer Klassiker, hatte noch einen liberalen, den Faschismus scharf kritisierenden Autor gezeigt. Damals betonte Nolte, dass die traditionellen Herrschaftsgruppen in Wirtschaft, Staat und Kirche mitschuldig am Faschismus gewesen waren. Sinngemäß formulierte er: Der historischen Erfahrung nach kam der Faschismus im antikommunistischen Bündnis mit Konservatismus und Liberalismus zur Macht – und zwar nur dort, wo Staats- und Wirtschafts-»Eliten« mit ihm paktierten, während er alsbald erlag, wenn der Staat ihn ernsthaft bekämpfte.² Auch im Weltmaßstab suchte der Faschismus lange Zeit das antikommunistische Bündnis mit den kapitalistischen Großmächten gegen die Sowjetunion.

Trotz dieser Einsichten nahm Nolte schon damals einen konsequent bürgerlich-antikommunistischen Standpunkt ein; zudem galt sein erklärtes Hauptinteresse nicht der Kritik und Bekämpfung des Faschismus, sondern seiner verstehenden, nachvollziehenden Betrachtung. Bereits hier war vielleicht eine profaschistische Tendenz angelegt. Nolte zog von Anfang an Kritik und Polemik von marxistischer Seite auf sich, und dies verstärkte sich in dem Maße, wie Nolte nach rechts driftete.³

Im Jahre 1986 veröffentlichte die Frankfurter Allgemeine Zeitung einen Artikel Noltes, in dem er einen »kausalen Nexus«, also eine ursächliche Verbindung, zwischen dem bolschewistischen »Klassenmord« ab 1917 in der Sowjetunion und dem nazistischen »Rassenmord« im Zweiten Weltkrieg behauptete. Die Untaten der Nazis seien eine zwar »überschießende«, also unverhältnismäßige, jedoch im Grunde verständliche Reaktion auf den Roten Terror und die bolschewistische Revolutionsdrohung gewesen – Teil eines von 1918 bis 1945 tobenden »Weltbürgerkrieges«, in dem beide Seiten ungeheuerliche Verbrechen begingen. Nolte versuchte, den Antisemitismus der Nazis nachvollziehbar zu machen: Schließlich hatte es viele jüdische Menschen in den marxistischen Führungsgruppen gegeben, und auch die jüdische Nationalbewegung, der Zionismus, hatte sich vor dem Zweiten Weltkrieg klar gegen Nazideutschland gestellt.

Mit diesen Thesen, die weder neu waren noch ausschließlich von ihm vertreten wurden, löste Nolte 1986 eine große geschichtspolitische Debatte aus, den »Historikerstreit«. Viele wichtige Intellektuelle der BRD stellten sich damals gegen Nolte. In den folgenden Jahren warb dieser immer eindringlicher um Verständnis für den mörderischen Antikommunismus und Antisemitismus der Nazis, setzte sich auch für die Meinungsfreiheit von Holocaustleugnern ein – ohne allerdings den Holocaust je selbst zu leugnen oder gutzuheißen. So isolierte er sich einerseits in der Wissenschaft und avancierte andererseits zum Haus-und-Hof-Historiker der deutschen Rechten. Zuletzt sympathisierte der hochbetagte Nolte offen mit dem Kampf, den radikal konservative, faschistische und islamistische Bewegungen sowohl gegen die westliche Moderne als auch gegen jede linke Emanzipationsbestrebung führen.

Begriff und vergleichende Forschung

In dem Buch »Der Faschismus in seiner Epoche« von 1963 analysierte Nolte drei Bewegungen vor allem anhand ihrer Führer und Chefideologen, und zwar die Action Française (Französische Aktion, AF), den italienischen Fascismo und den Nationalsozialismus. Zwischen diesen Bewegungen, so Nolte, bestanden substantielle ideologische, organisatorische und strategische Gemeinsamkeiten, die ihre Zusammenfassung unter dem Faschismusbegriff rechtfertigen. Dieser Begriff, den der deutsche bürgerliche Wissenschaftsbetrieb lange gemieden hatte, um sich vom Marxismus abzugrenzen, wurde so wieder stärker in die Diskussion gebracht.

Doch Nolte beschäftigte sich nicht nur mit den grundlegenden Gemeinsamkeiten von AF, Fascismo und Nationalsozialismus, sondern auch mit den beträchtlichen Unterschieden zwischen ihnen. Er erklärte sie aus den verschiedenen geschichtlich-gesellschaftlichen Gegebenheiten ihrer Ursprungsländer. Nolte bezeichnete die Ideologie und Praxis der AF als »Protofaschismus«, also Vor- oder Frühform des Faschismus, und grenzte sie vom italienischen »Normalfaschismus« und vom deutschen »Radikalfaschismus« ab. Im Nationalsozialismus sah er den am weitesten entwickelten, sein Wesen am offensten zeigenden Faschismus. Daher ließen sich laut Nolte anhand der Nazis auch die weniger radikalen und ausgereiften Formen des Faschismus studieren.

Mit der Typenunterscheidung von Proto-, Normal- und Radikalfaschismus machte Nolte einen Vorschlag, wie substantielle Unterschiede zwischen einzelnen Faschismen zu berücksichtigen seien, ohne auf einen Oberbegriff zu verzichten. Damit ließen sich auch Grenzphänomene erfassen wie die noch stark dem Konservatismus verhaftete AF, aber auch der Extremfall des Nationalsozialismus.

Für Nolte resultierte der Faschismus aus einer existentiellen, sich bereits Ende des 19. Jahrhunderts anbahnenden Krise der bürgerlichen Gesellschaften Europas. Den Zeitraum des vollen Ausbruchs und Verlaufs dieser Krise bis 1945 bezeichnete er als Epoche des Faschismus. Damals bestimmten die europäischen Mächte Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien letztmalig das Weltgeschehen, bevor sie diese Rolle an die kontinentalen Großmächte USA und Sowjetunion beziehungsweise Russland, später auch an China, abgeben mussten. Vor
allem aber sahen sich die europäischen Klassengesellschaften dieser Epoche einer großen inneren Herausforderung gegenüber: den proletarischen Emanzipationsbewegungen, die organisatorisch und ideologisch weithin vom Marxismus geprägt waren.

Faschismus als Antimarxismus

Nolte interessierte sich besonders für die AF, die Ende des 19. Jahrhunderts entstand und damit die älteste der von ihm untersuchten Bewegungen ist. Ihre ideologischen Ursprünge fand er bei radikalkonservativen und rechtsliberalen französischen Schriftstellern des 18. und 19. Jahrhunderts, deren Ideologieproduktion auf die Aufklärung, auf bürgerliche Revolutionen und auf die beginnenden proletarischen, feministischen und antikolonialen Emanzipationsbewegungen reagierte. Diese konterrevolutionären Denker radikalisierten und systematisierten die traditionellen Ideologien menschlicher Ungleichwertigkeit; später wurde ihr Denken von dem Gründer und Chef der AF, Charles Maurras, zu einer Parteiideologie zusammengefasst und popularisiert. Nolte wies in dieser Denktradition wesentliche Elemente des Antisemitismus und Rassismus der Nazis nach. Im Kern handelt es sich dabei um eine »Lehre von den Feinden«⁴, wie Nolte schrieb, also eine Zusammenstellung von »Anti-Haltungen«, die das konservativ-konterrevolutionäre und das spätere faschistische Denken miteinander gemeinsam haben. Antiliberalismus und Antiparlamentarismus spielen darin ebenso eine Rolle wie Antimarxismus und Antifeminismus.

Schon die Vor- und Frühformen des Faschismus waren laut Nolte nichts anderes als eine Abwehr emanzipatorischer Bestrebungen, und auch in den entwickelten Faschismen Mussolinis und Hitlers sah Nolte radikale Abwehrbewegungen gegen die Bedrohung der europäischen Klassengesellschaft durch Marxismus und Bolschewismus. Das ist interessanterweise ganz nah an der alten marxistischen Auffassung vom Faschismus als Konterrevolution, als letztem Aufgebot der alten Gesellschaftsordnung gegen das vermeintlich bald siegreiche Proletariat. Gleichzeitig trifft sich Noltes Deutung mit dem Selbstverständnis der Faschismen, das von einem »Vernichtungs-Antikommunismus«⁵ geprägt war. Hierbei ging es nicht mehr um Zurückdrängung und Unterdrückung des Feindes, sondern um dessen restlose und endgültige Auslöschung – auch und gerade dann, wenn dieser Feind bereits in der Defensive war und gar keine akute Revolutionsgefahr mehr bestand. Gleichzeitig sah Nolte im Faschismus auch einen Versuch, das Proletariat in die Nation einzubinden, und zwar durch gemeinsame Aggression nach außen: »Aber setzte diese Art der Klassenversöhnung, um dauerhaft zu sein, nicht die Perpetuierung eines Ausnahmezustandes im Verhältnis zu einem anderen Volke voraus?«⁶

Nolte war 1963 noch ein patriotischer deutscher Liberaler. So teilte er die bürgerliche Angst vor der proletarischen Revolution, lehnte jedoch gleichzeitig auch den Faschismus prinzipiell ab. Wie viele bürgerlich-liberale Denker entwickelte Nolte aus dieser Zwischenposition eine antitotalitäre, gegen Marxismus wie Faschismus gerichtete Argumentation. Er stellte diejenigen Elemente, die der Faschismus scheinbar von der Arbeiterbewegung übernommen hatte, ins Zentrum seiner Faschismusdefinition: »Faschismus ist Antimarxismus, der den Gegner durch die Ausbildung einer radikal entgegengesetzten und doch benachbarten Ideologie und die Anwendung von nahezu identischen und doch charakteristisch umgeprägten Methoden zu vernichten trachtet.«⁷

In einer späteren Schrift erwähnte Nolte die »realistischen und kriegerischen Elemente«, die der Faschismus angeblich vom Marxismus übernommen und zur Entfaltung gebracht hatte.⁸ Dazu gehören bei ihm der Antiparlamentarismus und die Betonung der revolutionären Gewalt, ein eschatologisches und chiliastisches Denken⁹, Putschismus, Avantgardismus und der Vorrang der Praxis vor der Theorie.

Doch der Faschismus hatte es kaum nötig, zentrale Elemente seiner Ideologie und Praxis aus dem Marxismus zu übernehmen, sondern entwickelte sie selbständig aus der herrschaftlichen, konterrevolutionären Tradition Europas. Nolte berücksichtigte zuwenig die aus der europäischen Klassengesellschaft stammenden Ursprünge und Elemente des Faschismus wie Imperialismus, Nationalismus und Militarismus. Auch der antibürgerliche, antiliberale und falsch antikapitalistische Gehalt des Faschismus erscheint bei Nolte nur am Rande.

»Widerstand gegen Transzendenz«

Für Nolte erschöpfte sich das Wesen des Faschismus nicht im Antimarxismus. Den Marxismus sah er lediglich als den radikalsten, konsequentesten Ausläufer eines schon Jahrhunderte andauernden, sich stetig vertiefenden und weltweit ausbreitenden Prozesses der Auflösung und Überwindung von herrschaftlichen Grenzen zwischen verschiedenen Gesellschaften und sozialen Gruppen. Dieser Prozess ist unlöslich mit Modernisierung und Globalisierung verbunden, also mit der Entstehung, Weiterentwicklung und weltweiten Durchsetzung des Kapitalismus. Den Faschismus hielt Nolte für eine radikale Widerstandsbewegung gegen die moderne Auflösung herrschaftlicher Ordnungen.

Er bezeichnete den welthistorischen Prozess, gegen den die Faschismen ankämpfen, als »Transzendenz«, ein vom lateinischen Verb »transcendere« – »übersteigen« oder »überschreiten« – abgeleiteter Fachbegriff der Philosophie. Überstiegen oder überschritten werden die herrschaftlichen Schranken ethnischer, staatlich-territorialer, standes- und klassenmäßiger, geschlechtlicher sowie religiöser Art. Bei Nolte gibt es einmal die »praktische Transzendenz«: Das sind die technischen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen, welche die historisch überkommenen
Herrschaftsverhältnisse zunehmend überwinden helfen – dabei geht es zum Beispiel um das Fortschreiten der Globalisierung in dem Sinne, dass durch neue Kommunikations- und Verkehrsmittel tatsächlich »Eine Welt« entsteht.

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Wie war das mit dem Faschismus? Ernst Nolte schlägt nach

Außerdem gibt es bei Nolte die »theoretische Transzendenz«: Das sind die Diskurse und Ideologien, welche die praktische Transzendenz zurückspiegeln und weiter antreiben. Wesensmerkmal der unterschiedlichen Erscheinungsformen von theoretischer Transzendenz ist das Ideal der Freiheit, Gleichberechtigung und globalen Solidarität aller Menschen. In Ansätzen findet sich dieses Ideal schon seit dem Altertum in verschiedenen religiösen und philosophischen Lehren. Es wurde durch neuzeitliche geistige Strömungen wie den Humanismus und die Aufklärung ausformuliert und von modernen Emanzipationsbewegungen wie Sozialismus, Anarchismus und Kommunismus radikalisiert.

Die Widerstände gegen die praktische und theoretische Transzendenz, also reaktionäre und konterrevolutionäre Abwehrbewegungen, sind laut Nolte ebenso alt wie die Transzendenz selbst. Der Faschismus stellt aber eine historisch neue, besonders gewalttätige und zerstörerische Erscheinungsform dieser Widerstände dar. Noltes Erklärung hierfür ist schwammig, kann aber folgendermaßen ausformuliert werden: Die praktische Transzendenz ist in der industriellen Moderne so dermaßen weit vorangekommen, dass die herrschaftlichen Ordnungen mit ihren Trennungen und Grenzen, die den faschistischen Subjekten so am Herzen liegen, immer offensichtlicher als unnötig und veraltet dastehen. Es gibt mittlerweile tatsächlich die materiellen Voraussetzungen eines guten und freien Lebens für alle Menschen.

Die extreme Vernichtungs- und Zerstörungswut der Faschismen speist sich also aus dem untergründigen Bewusstsein, dass die herrschaftliche Ordnung mittlerweile tödlich bedroht und vielleicht dem Untergang geweiht ist. Nolte drückte es so aus: »Der NS war der Todeskampf der souveränen, kriegerischen, in sich antagonistischen Gruppe. Er war praktischer und gewalttätiger Widerstand gegen die Transzendenz.«¹⁰

Diese Worte stehen im hinteren Teil von Noltes Buch, der die geschichtsphilosophische, »transpolitische« Deutung des Faschismus behandelt. Dieser Teil wird oft ignoriert, vielleicht, weil er sprachlich und inhaltlich ziemlich anspruchsvoll ist, doch gerade hier finden sich die tiefsten Einsichten.

So legte Nolte dar, dass der welthistorische Prozess der Transzendenz, gegen den die Faschisten ihren mörderischen Widerstand leisten, genau mit denjenigen Seiten der Modernisierung
zu tun hat, die der Antisemitismus mit dem Judentum verbindet. Dadurch kann das Judentum zum faschistischen Feindbild schlechthin werden, zur Verkörperung all dessen, was faschistische Subjekte hassen. Nolte zufolge ist faschistisches Denken generell unfähig, die unpersönlichen Strukturen zu begreifen, die in der modernen kapitalistischen Gesellschaft wirken, und muss zwanghaft stets konkrete Personen und Gruppen beschuldigen. Diese und andere Überlegungen Noltes berühren sich mit gesellschaftskritischen emanzipatorischen Theorien und können diese durchaus bereichern. Dennoch ist festzuhalten, dass Noltes Lebenswerk von einer konservativen Grundhaltung, von der Angst vor dem Untergang der bestehenden Herrschaftsverhältnisse geprägt ist. Diese Haltung radikalisierte sich schließlich bis zur offenen Parteinahme für den Faschismus.

Anmerkungen

1 Ernst Nolte: Der Faschismus in seiner Epoche. Action Française, Italienischer Faschismus und Nationalsozialismus. München 1984 (zuerst 1963), S. 453 f.

2 Ebd., S. 394

3 Vgl. Reinhard Kühnl: Faschismustheorien. Ein Leitfaden. Heilbronn 2014 (zuerst 1979, aktualisierte Neuauflage 1990), S. 147 u. 150 f.

4 Ernst Nolte: Einleitung: Vierzig Jahre Theorien über den Faschismus, in: ders.: Theorien über den Faschismus. Königstein/Taunus 1984 (zuerst 1967), S. 26 f.

5 Sven Reichardt: Faschistische Kampfbünde. Gewalt und Gemeinschaft im italienischen Squadrismus und in der deutschen SA. Köln u. a. 2002, S. 620

6 Nolte: Faschismus, a. a. O., S. 368

7 Ebd., S. 51

8 Ernst Nolte: Streitpunkte. Heutige und künftige Kontroversen um den NS. Frankfurt am Main 1993, S. 353

9 Mit den aus der Religionsgeschichte übernommenen Begriffen »Eschatologie« und »Chiliasmus« meint Nolte die marxistische Erwartung eines baldigen Endes des Kapitalismus und einer nachfolgenden glücklichen Zeit für die Menschheit.

10 Nolte: Faschismus, a. a. O., S. 507

Mathias Wörsching (unter Mitarbeit von Fabian Kunow): Faschismustheorien, Überblick und Einführung. Schmetterling Verlag, Stuttgart 2020, 240 Seiten, 12 Euro

Mathias Wörsching betreibt die Internetseite faschismustheorie.de.

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