Der Schwarze Kanal: »Sender Jerewan««
Gegründet 1947 Freitag, 5. Juni 2020, Nr. 129
Die junge Welt wird von 2295 GenossInnen herausgegeben
Der Schwarze Kanal: »Sender Jerewan«« Der Schwarze Kanal: »Sender Jerewan««
Der Schwarze Kanal: »Sender Jerewan««
Aus: Ausgabe vom 14.04.2020, Seite 6 / Ausland
Kuba / USA

Schäbige US-Propaganda

Kuba erhält weiter Anfragen nach medizinischer Unterstützung in Coronakrise. Washington verstärkt Kampagne gegen Havanna
Von Volker Hermsdorf
Virus_Outbreak_Cuba_65027853.jpg
Vor dem Abflug nach Italien: Kubanische Ärzte bei einer Verabschiedungszeremonie in Havanna (12.4.2020)

Während Kuba über Ostern zwei weitere Sanitätsbrigaden des Kontingents »Henry Reeve« nach Italien und in das westafrikanische Togo geschickt hat, verstärken US-Politiker ihre Angriffe auf die internationalen Hilfseinsätze. Verbreitet wurden die neuen Attacken zunächst über den staatlichen US-Propagandasender Radio und TV Martí sowie das vom US-Dienst NED (National Endowment for Democracy) finanzierte, in Madrid publizierte Contraportal Diario de Cuba. Zum Glück der Patienten, für deren Überleben die kubanischen Mediziner derzeit kämpfen, läuft die schäbige US-Kampagne bisher ins Leere.

Ungeachtet der Attacken aus Washington verzeichnet das kubanische Gesundheitsministerium zunehmend Anfragen mit der Bitte um Unterstützung. So landete am gestrigen Ostermontag auf dem Flughafen von Turin in der norditalienischen Region Piemont eine aus 21 Ärzten, 16 Krankenschwestern und einem Logistikkoordinator bestehende weitere Hilfsbrigade aus der sozialistischen Inselrepublik. Dieser Einsatz kubanischer Fachkräfte erfolgt auf ein Ersuchen des Präsidenten der Region, Alberto Cirio, das den Behörden in Havanna kürzlich vom italienischen Gesundheitsminister Roberto Speranza übermittelt worden war. Nach der positiv aufgenommenen Arbeit ihrer 52 Kollegen in der benachbarten Region Lombardei verstärken die insgesamt 38 Gesundheitsexperten nunmehr die kubanischen Spezialistenteams in Italien.

Zum gleichen Zeitpunkt erreichte gestern eine kleinere, aus insgesamt elf Intensivmedizinern, Epidemiologen und Krankenschwestern bestehende Brigade Togo. Während die Welt vor allem nach Europa und in die USA blicke, müsse die Ausweitung der Pandemie verstärkt auch in Afrika bekämpft werden, sagte der Leiter der Gruppe, Miguel Gómez Cruz, vor dem Abflug in Havanna.

Obwohl sich Politiker und vor allem Patienten aus zahlreichen Ländern anerkennend und dankbar über die Unterstützung durch Spezialisten des internationalen Ärztekontingents »Henry ­Reeve« äußern, warnte der stellvertretende Staatssekretär für Angelegenheiten der westlichen Hemisphäre im US-Außenministerium, Michael G. Kozak, ausländische Staaten am Freitag davor, die Hilfe aus Havanna anzunehmen. Per Twitter forderte Kozak die mit Kuba kooperierenden Länder auf, das »Recht der Ärzte auf gewerkschaftliche Organisierung und Tarifverträge« zu schützen. Der Unterstaatssekretär prangerte an, dass die in den freiwilligen Missionen tätigen Mediziner »nur einen Teil der Gehälter«, die gezahlt würden, erhielten und der Großteil »in die Kassen des Regimes« fließe. Tatsächlich verzichten die Angehörigen der Henry-Reeve-Brigaden, die in wohlhabenden Ländern tätig sind auf einen Teil der dort gezahlten vertraglich vereinbarten Beträge, damit Kuba auch Missionen in solchen Ländern durchführen kann, die nicht in der Lage sind, für medizinische Einsätze zu zahlen. Das unter anderem von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als vorbildlich ausgezeichnete solidarische Modell ist Washington jedoch schon seit langem ein Dorn im Auge.

Seit Ausbreitung des Coronavirus haben die USA ihre Kampagne gegen die Ärztebrigaden verschärft. »Das kubanische Regime nutzt die Covid-19-Pandemie schamlos aus, um eine Kampagne betrügerischer medizinischer Diplomatie durch den Handel mit Ärzten zu lancieren«, zitierte die in Miami erscheinende Tageszeitung El Nuevo Herald am Wochenende den ultrarechten republikanischen Kongressabgeordneten Mario Díaz-Balart. Kozak sekundierte in dem selben Artikel: »Krisen rechtfertigen nicht den Menschenhandel mit Angehörigen der Gesundheitsberufe, die heute mehr denn je Schutz benötigen.« Die US-Politiker behaupten, dass Kuba »kein verlässlicher Partner« im Kampf gegen die Pandemie sein könne, da »das kommunistische Regime in Havanna« mit den Hilfseinsätzen lediglich das Ziel verfolge, »die internationale Gemeinschaft zu spalten«, »im Ausland ein positives Image aufzubauen« und »von systematischen Menschenrechtsverletzungen« abzulenken.

Menschenrechtsorganisationen in den USA wiesen die Äußerungen von Kozak und Díaz-Balart als »aggressive Rhetorik« zurück. »Inmitten einer globalen Pandemie versuchen Vertreter der Trump-Regierung und Politiker in Florida den Kalten Krieg neu zu entfachen, statt den Zugang der Menschen zur medizinischen Versorgung zu verbessern«, kritisiert das Washingtoner Büro für Lateinamerika (WOLA). Der Vorsitzende dieser Organisation, Geoff Thale, warnte davor, die derzeit »dringend benötigte internationale medizinische Zusammenarbeit zu politisieren, um die kubanische Regierung anzuprangern«. Die momentane Situation erfordere »mehr Engagement und Zusammenarbeit und nicht weniger«, erklärte Thale.

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Peter Richartz, Solingen: (K)alte Muster Der blindwütige Hass der kapitalistisch geprägten US-Regierung gegenüber sozialistischen Ländern hat eine lange Tradition. Auch nach Ostern 2020 entblödet sich die US-Administration nicht, Länder vor ...

Ähnliche:

Mehr aus: Ausland